Als Hommage an ihren Opa haben Theresa und Alisa ihr eigenes Café eröffnet – genau dort, wo ihre Familie seit Generationen zusammenkommt: im Tierpark Malsch.
Die Märzsonne wirkt noch ein wenig zögerlich, als sie über den Tierpark streift. Die Bäume sind kahl, doch wer genau hinschaut, entdeckt die ersten Frühlingsboten: zarte Halme, die sich aus der Erde schieben, Knospen, die langsam aufbrechen. Die Tiere – allen voran die Vögel – sind längst in Frühlingsstimmung. Am zentralen Ententeich, direkt hinter dem roten japanischen Tor, hört man fröhliches Geschnatter.
Auch auf der Terrasse von Bernis Café, gleich gegenüber des Teichs, herrscht lebhaftes Treiben. An den bunt gedeckten Tischen wird geplaudert, gelacht, diskutiert – genau so, wie es in einem Café sein soll. Radfahrer in Funktionskleidung, ältere Pärchen und vor allem junge Mütter, die mit einer Hand den Kaffee halten und mit der anderen sanft die Kinderwagen wiegen, prägen das Bild.

Alisa streicht behutsam über den Kopf ihrer Tochter Mila, die in der Babytrage an sie gekuschelt schläft. Neben ihr sitzt ihre Schwester Theresa. Beide genießen die wärmenden Sonnenstrahlen – eine seltene Pause nach einem langen Tag. Seit den frühen Morgenstunden sind sie auf den Beinen, nicht nur wegen Milas Rhythmus, sondern vor allem wegen ihres gemeinsamen „Babys“: Bernis Café.
Seit fast zwei Jahren betreiben die beiden Quereinsteigerinnen hier ihr Café, benannt nach ihrem Opa Bernhard, der jahrzehntelang die gute Seele des Tierparks war. Das Gelände am Rande der lebendigen Kraichgau-Gemeinde ist für sie seit Kindheitstagen ein Stück Heimat.

Ihr Vater ist Vorstand des Vereins, und vor ihm war es Opa Bernhard, der vor einigen Jahren verstarb. Sein Bild hängt noch immer an einem Ehrenplatz im Gastraum – eine liebevolle Erinnerung an den Mann, der sicher stolz auf das gewesen wäre, was seine Enkelinnen hier geschaffen haben.
Und das ist nicht wenig. Als der vorherige Pächter aufgab, keimte in den Schwestern eine Idee, die zunächst vage war, doch schnell konkrete Formen annahm. Theresa, mit BWL-Hintergrund, und Alisa, aus der Sozialpädagogik kommend, waren mit ihren bisherigen Jobs nicht ganz zufrieden. In ihrer Fantasie fand der Gedanke, ein Café zu eröffnen, immer mehr Platz – bis er schließlich Realität wurde.

Sie erarbeiteten ein Konzept, einen Businessplan, präsentierten beides dem Vorstand – und erhielten den Zuschlag. Ihre Vision: ein klassisches Café mit Fokus auf hausgemachten Produkten und einer liebevoll gestalteten Frühstückskarte. Ein Konzept, das sich als Volltreffer erwies. Schon beim Testlauf an einem sonnigen Frühlingwochenende 2024 platzte Bernis Café aus allen Nähten. „Wir haben gedacht, was geht denn hier ab? Wir dachten, wir sind im falschen Film“, lachen die beiden heute, wenn sie an die hektischen Anfangstage zurückdenken. Schnell wurde klar: Zu zweit war diese Aufgabe nicht zu stemmen. „Wir haben am Anfang gedacht: Ach du Schande, wie soll das noch werden? Wir waren zu zweit in der Küche und zu zweit an der Theke – das war einfach zu viel.“
Mittlerweile hat sich die Situation entspannt. Durch Mundpropaganda und vor allem über Instagram fanden sich schnell Aushilfen, die den Ausgleich und Zuverdienst schätzten. Der Kanal der Schwestern wurde zum echten Brandbeschleuniger: liebevoll gepflegt, mit persönlichen Einblicken, neuen Produkten und zwischenzeitlich rund 5.500 Followern.

Dementsprechend gut ausgebucht ist das Café – eine Reservierung ist nicht nur empfehlenswert, sondern oft notwendig. Dennoch bleiben die Schwestern ihrem Konzept treu, obwohl sie längst skalieren könnten. Kuchen, Saucen, Dips – alles, was möglich ist, wird selbst gemacht. Dazu kommt der Fokus auf regionale Produkte, wo immer es geht, sogar aus dem Ort selbst.
Das kommt an. Die Gäste lieben das Café, die Bewertungen auf Online-Plattformen sind durchweg positiv, und der Publikumsmix zeigt, dass das Konzept funktioniert: Seniorengruppen genauso wie Teenager.

„Es gibt einem einfach viel, wenn man hört, dass die Leute hier eine gute Zeit haben – das war ja unser Wunsch, dass sie hierherkommen, um ein bisschen dem Alltag zu entfliehen“, freuen sich die Schwestern über den Erfolg ihres Cafés.
Vielleicht ist es genau diese bodenständige, heimatverbundene Art, die erklärt, warum die beiden mit ihrem gastronomischen Projekt in schwierigen Zeiten so viel Erfolg haben – und das auf dem Dorf, wo andere Gemeinden oft kämpfen müssen, um Gäste zu gewinnen.

Man darf sich für die beiden freuen, einen Besuch unbedingt in Erwägung ziehen – besonders jetzt, wo der Tierpark wieder in vollem Grün erstrahlt. Und eines ist sicher: Opa Bernhard wäre mächtig stolz auf seine beiden Mädchen.

Der Bernhard tät sich freue!!!☝️👍