Zapenndustre Fastnacht

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Noch vor ihrem Anbruch stirbt die fünfte Jahreszeit erneut einen leisen Tod

Noch im Herbst zeigten sich die meisten Fastnachter im Kraichgau optimistisch und planten ein buntes Comeback im Frühjahr 2022. Dann kam Omikron. Über 100.000 Infektionen wurden alleine in den letzten 24 Stunden in Deutschland registriert, ein Umstand der sich kaum mit berstend vollen Prunksitzungen oder gut bevölkerten Straßenumzügen in Einklang bringen lässt. Und so stirbt die Hügelländer Fastnacht erneut einen leisen Tod, immer mehr Vereine ziehen die Reißleine und sagen ihre Kampagnen ab. Gestern informierten so zum Beispiel die Östringer Wicker Wacker über den Fall all ihrer Veranstaltungen in der noch jungen Saison. “Trotz der schweren Zeit wird der Geist der Fastnacht in uns nie verstimmen und wir werden gestärkt aus dieser Zeit hervorgehen. Der nächsten Saison sehen wir mit Zuversicht entgegen und werden alle Hebel in Bewegung setzen um wieder „Viel Schbass uff dä Gass“ zu haben. so die Östringer Fastnachter auf ihrer Webseite.

Auch das sonst so Faschings-begeisterte Bruchsal, wird in den kommenden Wochen schmerzlich still bleiben. Die für die Saalfastnacht zuständige GroKaGe sieht keine Chance für ein zwangloses Miteinander in den kommenden Wochen. Die Kinderprunksitzung, die Seniorensitzung, die Gastauftritte im Altenzentrum… alles bereits abgesagt. Die Prunksitzung selbst wird als Online-Event durchgezogen, ein schwacher Trost für Michael Vettermann, den Präsidenten der großen Karnevalsgesellschaft, deren Wurzeln bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts zurückreichen. Eine Sitzung ohne Saalpublikum ist für ihn eine “Krücke bis zum geht nimeh”. Büttenredner, die ohne Rückmeldung des Publikums auftreten, finden sich kaum und die kleinen Tänzer der Garde haben nun monatelang mehr oder minder umsonst geübt, kein großes Publikum wird Ihnen diesmal den Schweiß und die Anstrengungen der vielen Proben mit Applaus vergelten.

Ebenso ins Wasser fällt das Herzstück der Bruchsaler Fastnacht, der internationale Umzug durch die gesamte Innenstadt. Keine Chance sieht Martin Bauer, 3. Vorstand des Komitee der Bruchsaler Fasnachtsumzüge. Ein Hygienekonzept für eine derart großangelegte Veranstaltung ist schlicht nicht umsetzbar. Um sich die Größenordnung bewusst zu machen: Alle zigtausende Besucher müssten entsprechende Nachweise erbringen, ebenso alle Anwohner die im Bereich der Umzugsstrecke leben… Dazu müsste die Einhaltung von Abständen, eine eventuelle Maskenpflicht kontrolliert werden… völlig illusorisch für einen ehrenamtlich geführten Verein. Ein paar kleinere Aktionen könnte es vielleicht hier und da noch geben, z.b. einen Rathaussturm… doch auch diese Mini-Events sind längst keine ausgemachte Sache und baumeln allesamt an seidenen Fäden.

Auch in Ubstadt-Weiher ist in diesem Jahr einmal mehr Schmalhans Küchenmeister. Der sonst so volle und bunte Kalender des Elferrates gähnt vor Leere. Alles wurde abgesagt, von der großen Prunksitzung bis hin zum Zug der Gaudi – traditionell einer der abschließenden Höhepunkte der Kraichgauer Straßenfastnacht. Wie die Ubstadt-Weiherer halten es auch die meisten anderen Fasnachter im Kraichgau, von Mitgliedern des Narrenkreises hört man nur von Absagen… die Zeichen stehen schlecht.

So ist es mittlerweile im zweiten Jahr traurige Gewissheit: Bis auf ein paar kleine, allenfalls symbolische Akte, wird es auch 2022 keine bunten Fastnachtstage im Kraichgau geben. Verwundern dürfte dies aufgrund der Infektionszulage vermutlich kaum jemanden, fehlen wird vielen die fünfte Jahreszeit aber schmerzlich. Denn gerade in diesen tristen, grauen Zeiten, wäre etwas Spaß, Zerstreuung und ein losgelöstes und befreites Miteinander doch so unendlich wichtig.

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