Eine meditative Wanderung zwischen Rhododendren, moosbewachsenen Steinen und dem ewigen Rauschen des Grobbachs
Wald und Wasser – es gibt kaum eine harmonischere Symbiose. Das mythische Zwielicht, wenn die langen Strahlen der nachmittäglichen Sonne durch die Zweige brechen – von unendlich vielen grünen Blättern schillernd und irisierend über den Waldboden vergossen. Dazu das friedliche, weiße Rauschen des Wassers, niemals endend, ein in der Zeit verhallendes, geheimnisvolles Geräusch, das nach kürzester Zeit alle aufgepeitschten Gedankengänge in sanfte Wogen verwandelt.
Wo die wilden Wasser locken
Sie haben es bestimmt schon gemerkt: Das Wandern entlang von fließendem Wasser hat es mir angetan. Besonders Wasserfälle üben eine Faszination auf mich aus, die mich immer wieder ausschwärmen lässt – dorthin, wo die wilden Wasser fallen. In unserer Rubrik Ausflugstipps habe ich Ihnen bereits viele Wasserfälle vorgestellt, heute ist der nächste an der Reihe. Wobei es die heutige Route nicht nur auf den Geroldsauer Wasserfall selbst einzuengen gilt – die gesamte Wanderung ist ein wunderbares Erlebnis.



Und gleich vorweg: Wenn Sie dieses Erlebnis nicht mit etwa eintausend weiteren Menschen teilen wollen, dann suchen Sie sich am besten einen Werktag aus oder – wenn es nur am Wochenende geht – wählen Sie eine sehr frühe oder sehr späte Uhrzeit. Denn natürlich ist dieser Wasserfall kein Geheimtipp. Er wird besonders gerne von den vielen Besucherinnen und Besuchern der Kurstadt Baden-Baden oder Reisenden entlang der Schwarzwaldhochstraße als Ausflugsziel gewählt.
Aufbruch ins Grüne
Dementsprechend einfach ist es, das Ziel auf der Karte zu finden – es gibt zudem viele Wanderparkplätze direkt im Umfeld. Der Parkplatz Malschbach, gelegen direkt an der Schwarzwaldhochstraße, ist zum Beispiel eine solche Möglichkeit. Gegenüber finden Sie – falls Sie vorbildlich mit dem ÖPNV anreisen wollen – die Haltestelle „Malschbach“, die von den Buslinien 204 und 245 angefahren wird.

Eine Alternative ist der Wanderparkplatz Geroldsauer Wasserfall. Dieser bringt Sie quasi direkt zum Ziel Ihrer Reise – wobei wir davon aber eher abraten würden, denn auch die Wanderung dorthin gehört zur Magie.
Dem Wasser auf der Spur
Die von der Stadt offiziell ausgewiesene Wanderstrecke ist gerade mal schmale 1,5 Kilometer lang – die haben Sie im Nullkommanichts erledigt. Daher empfehlen wir auf jeden Fall, die Wanderung ein gutes Stück auszuweiten, sodass daraus tatsächlich ein schöner, vollumfänglicher Tagesausflug wird.



Unser Rat: Beginnen Sie Ihren Ausflug im südlichen Teil von Geroldsau – dort, wo die B500 fast eine 90°-Kurve hinlegt, wo Malschbachstraße und Geroldsauer Straße aufeinandertreffen. Hier finden Sie eine kleine Brücke, die den Grobbach quert. Diesem können Sie als Orientierung im Grunde bis zum Wasserfall folgen. Dafür brauchen Sie keinerlei Karte oder Smartphone-App – nur Ihr Gehör: Das Gluckern des Wassers ist Ihr Führer. Die Geroldsauer Straße wird dann praktischerweise auch zur Wasserfallstraße, hölzerne Hinweisschilder helfen Ihnen zusätzlich bei der Orientierung.
Ein Pfad durch Moos und Magie
So wandern Sie über verschlungene Pfade, dicke alte Wurzeln und moosbewachsene Steine entlang des Wasserlaufs, passieren die Wasserfallhütte und kommen schließlich zum Geroldsauer Wasserfall selbst. Lassen Sie sich Zeit, gehen Sie langsam und genießen Sie das Funkeln der Lichter auf dem Wasser – und den süßen Duft der hier in den fünfziger Jahren allerorts gepflanzten Rhododendren, die derzeit in satten Farben blühen.
Unmittelbar nach den Wasserfällen erreichen Sie bereits die Waldgaststätte Bütthof. Wenn Ihnen das Erlebnis schon ausreicht oder Sie nicht allzu viel Zeit haben, können Sie hier gut und gerne einkehren. Wir empfehlen aber, die Route ein ganzes Stück weit westwärts auszudehnen – auch wenn das etwas Kondition erfordert. Denn die nächsten Kilometer führen Sie ohne Unterlass immer nur in eine Richtung: bergauf.
Sanft bergauf, Schritt für Schritt
Falls Sie innerlich stöhnen – die Steigung bleibt die meiste Zeit über sehr moderat. Sie gewöhnen sich äußerst schnell an diese Gangart, zudem lässt die wunderschöne Landschaft jegliche Strapazen schnell vergessen. Das Wasser begleitet Sie fast den kompletten Weg über, Sie schlendern entlang von üppigen Wiesen und Weiden, auf denen stoisch und gutmütig langhaariges Hochlandrind grast. Immer wieder plätschern kleine Brunnen, flankiert von gemütlichen Bänken, sodass Sie bei moderatem Tempo nicht wirklich aus der Puste kommen.



Nur der letzte Wegabschnitt hat es dann etwas in sich – hier zieht die Steigung spürbar an. Doch das sind nur die letzten ein bis zwei Kilometer vor Ihrer möglichen Einkehr im Waldgasthaus Scherrhof.
Der Scherrhof – wie aus der Zeit gefallen
Dieser liegt auf einer halbschattigen Lichtung mitten im Wald und ist ein Stück heile Welt längst vergangener Tage. Ein typisches Schwarzwaldhäuschen mit dicken dunklen Balken und bunten Fensterläden, hinter denen rot karierte Vorhänge flattern. Wunderschön dazu der Biergarten auf der kleinen Waldwiese vor dem Haus, wo Sie unter bunten Sonnenschirmen Platz nehmen, essen und trinken können. Uns hat die Einkehr Freude gemacht – die Wirtin war liebenswert, das Essen richtig gut.
Der Rückweg – ein neues Erleben
Das Tolle daran: Mit Ihrer Einkehr haben Sie auch den höchsten Punkt der Wanderung erreicht. Ab hier heißt es kehrtmachen – und bis zu Ihrem Ausgangspunkt mehr oder minder die ganze Zeit nur sanft nach unten laufen. Den Weg finden Ihre Füße quasi von selbst. Auch wenn sich das eintönig anhören mag: Durch die umgekehrte Marschrichtung erleben Sie den Weg mit ganz anderen Augen – und von einer ganz anderen Seite aus.



Wem das aber so gar nicht behagen will, der kann natürlich auch eine andere Route für den Abstieg wählen. Halten Sie sich einfach Richtung Nordosten – und Sie stoßen irgendwann weiter talwärts zwangsläufig auf das lang gezogene Geroldsau. Hier gibt’s dann noch die Möglichkeit, den Tag mit einem Kaffee oder einem regionalen Einkauf in der Geroldsauer Mühle zu beenden.
Lassen Sie sich aber im Zweifelsfall lieber etwas mehr Zeit für den Weg – denn der ist in diesem Fall ganz klar das Ziel.

Tolle Bilder und Eindrücken (auch wenn die Bildverarbeitung etwas over the top ist 😉)
👍
Danke für den wirklich tollen Tipp und die entsprechenden Hinweise. Und ansonsten sage ich mal Willkommen im Club. Wanderungen entlang des Wassers haben es mir auch an getan. Die Fotos machen wirklich LUST auf mehr ! Und die Schwarzwaldhochstraße kenne ich aus anderer Perspektive. Als alter weißer Mann bin ich, was die Zeiten betrifft sehr flexibel.
Jetzt wird’s bestimmt noch voller!
Voll erwischt, da gehen regelmäßig die Pferde mit uns durch 😬😁
Das dürfte aber nicht am Bericht der Hügelhelden liegen, denn der SWR brachte vor ein paar Tagen einen längeren Bericht über die Wasserfälle