Wie aus Eisen Gold wird

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Zum zehnten Mal wird der Ironman Kraichgau im Hügelland ausgetragen – gekommen um zu bleiben, und doch wird sich die hochkarätige Sportveranstaltung in Zukunft verändern. Zeit für eine kleine Bestandsaufnahme.

Es ist im wahrsten Sinne des Wortes Jahr für Jahr ein wirklich großes Wochenende. Am Ironman ist eben so ziemlich alles XXL. Die teilnehmenden Sportlerinnen und Sportler rekrutieren sich zu großen Teilen aus der Speerspitze des Triathlons, die Veranstaltung ist ein einziger logistischer Kraftakt und um sie adäquat durchführen zu können, braucht es wortwörtlich tausende Helferinnen und Helfer, der absolute Löwenanteil ehrenamtlich aus unserer Region. Im Vorfeld müssen Straßen, Plätze und Örtlichkeiten gereinigt und vorbereitet werden, es gilt Infrastruktur, Verpflegung, Unterkünfte und mehr für eine ganze Heerschar an Menschen bereitzustellen, am Wettkampftag den Verkehrsfluss einer ganzen Region vorübergehend alternativ zu regeln… Eine endlos lange To-do-Liste, für deren Abarbeitung viele, viele Köpfe und Hände benötigt werden.

Ein Blick hinter die Kulissen der Hotspots

Vor zehn Jahren folgte auf die Vorgängerveranstaltung Challenge der Ironman Kraichgau, seit einem Jahrzehnt stürmen die Eisenmänner immer Ende Mai das Hügelland. Zeit, einen Schritt zurückzutreten und die Frage zu stellen: Was bringt’s? Bestens für die Beantwortung dieser Frage geeignet sind die beiden Gemeindeoberhäupter der großen Hotspots des Ironman Kraichgau.

Katharina Kimmich ist Bürgermeisterin in Ubstadt-Weiher, Home of the Hardtsee, wo die Eisenharten zum Start des Triathlons ins Wasser gehen und sich anschließend auf die Fahrräder schwingen. Klaus-Detlev Huge ist Bürgermeister in Bad Schönborn, wo nicht nur das Herz der Logistik des Ironman Kraichgau schlägt, sondern auch der Zieleinlauf stattfindet – an diesem speziellen Wochenende quasi der Nabel des Hügellandes. Ebenso ist er Vorsitzender des Kraichgau-Stromberg Tourismus e. V., der für viele Städte und Gemeinden in der Region die gemeinsame touristische Vermarktung gestaltet.

Kritikpunkt Kosten: Ein faires Geschäft für die Gemeinden?

Einer der großen Vorwürfe, der immer wieder insbesondere in den sozialen Netzwerken vorgebracht wird: Die Veranstaltung ist teuer, kostet die Gemeinden jede Menge Geld. Ein Vorwurf, den es ernst zu nehmen gilt, schließlich ist Geld genau das, was gerade allen Kommunen an allen Ecken und Enden fehlt, da bilden Ubstadt-Weiher und Bad Schönborn keine Ausnahmen. Tatsächlich seien aber die Belastungen der Gemeindekasse überschaubar, betonen sowohl Katharina Kimmich als auch Klaus-Detlev Huge.

„Rein monetär betrachtet, zahlen wir nicht drauf“, weiß Katharina Kimmich, eine Einschätzung, die auch ihr Amtskollege teilt. Zwar schlagen die Ausgaben für den Aufwand der Vorbereitung in Bad Schönborn mit etwa 30.000 bis 40.000 Euro zu Buche, doch das sind „Eh-da-Kosten“, so Klaus-Detlev Huge, und damit bereits vorhandene Ressourcen wie die Arbeit der Bauhof-Mitarbeiter, die im Rahmen ihrer regulären Arbeit eingesetzt werden.

Der unbezahlbare Wert für die Region

Hinzu kommt, eine Selbstverständlichkeit für jeden Geschäftsmann, nicht die Kosten sind der maßgebliche Faktor, sondern die Zahl, die unterm Strich steht. Denn natürlich hat eine derart illustre Großveranstaltung mit einer Strahlkraft weit über die Grenzen des Kraichgaus hinaus auch handfeste Vorteile für die Gemeinden. Ein Wochenende lang ist der Kraichgau nicht nur ein kleiner Hügelteppich irgendwo im Nirgendwo, sondern steht im Brennpunkt der internationalen Triathlon-Szene. Es geht dabei auch um weiche Werte wie Renommee, Attraktivität und Bekanntheit.

Für die Entwicklung der Region, vor allem aus touristischer Perspektive, nicht von der Hand zu weisen, wenngleich auch zugegebenermaßen schwierig in exakten Zahlen aufzuwiegen. „Die Frage nach der Messbarkeit – da haben wir Gemeinden keinen Münzapparat, wo wir sagen, jetzt kommt da so und so viel Geld raus. Aber es gibt zu Ironmans in dieser Größenordnung in Europa Hochrechnungen, da geht es um 3,5 Millionen Euro, die in der Region verbleiben“, bekräftigt Klaus-Detlev Huge, selbst Hobbysportler und Triathlon-Fan der ersten Stunde.

Vereine als Motor und Profiteure

Für Katharina Kimmich stehen nicht nur isoliert die Finanzen und das Wohl der Gemeinde unterm Strich dieser fiktiven Rechnung, sondern auch das der vielen engagierten Vereine in Ubstadt-Weiher und der Region. Denn gerade diese sind der eigentliche Motor der Veranstaltung. Ohne die Mithilfe der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, über 2000 davon sind am Rennwochenende im Einsatz, wäre die Veranstaltung nicht vorstellbar.

Zum anderen profitieren aber auch gerade die Vereine durch die finanzielle Unterstützung seitens Ironman ganz erheblich; es ist ein nicht unerheblicher Posten auf der Einnahmenseite, den kein Kassenwart missen möchte. Alleine schon deswegen will Ubstadt-Weihers neue Bürgermeisterin an der Veranstaltung festhalten. „Das ist für die eine wichtige Einnahmequelle für ihre Vereinstätigkeit, und deswegen werde ich da nichts anderes machen, weil das einfach auch für unsere Vereinsstrukturen ein wichtiges Thema ist…“

Aufmerksamkeit im Wert von teuren Werbekampagnen

Nicht zuletzt geht es aber auch um Aufmerksamkeit, um das Gesehen- und Wahrgenommenwerden. Gerade das ist aus touristischer Sicht vermutlich eines der ganz großen Kriterien, denn diese beiden Effekte müssten normalerweise mit extrem teuren, weitreichenden und aufwendigen Werbekampagnen erzielt werden. Für den Kraichgau-Stromberg Tourismus e. V. ist der alljährliche Ironman Kraichgau deswegen einer der großen Multiplikatoren, weiß dessen erster Vorsitzender Klaus-Detlev Huge genau.

„Wir sind hier nicht der Schwarzwald, wir sind nicht der Bodensee. Deshalb ist dieses Thema – überhaupt den Begriff Kraichgau zu platzieren – die erste Aufgabe. Wo ist das überhaupt? Und auf diesem Weg ist der Ironman natürlich immer eine der sehr zentralen Größen. Und wenn wir nachher 30 Sekunden in der Sportschau kriegen am Sonntagabend, dann ist der Gewinn für alle groß…“

Dass es den Ironman Kraichgau weiterhin geben soll und wird, daraus machen die Verantwortlichen auf der Pressekonferenz im Vorfeld des großen Sportwochenendes kein Geheimnis, wohl aber aus der Art und Weise, wie dieser künftig durchgeführt wird. Hier soll es durchaus Veränderungen geben – welcher Art aber, darüber gibt es derzeit noch keine genauen Antworten.

1 Kommentar zu „Wie aus Eisen Gold wird“

  1. Ehrenamtliche Helfer sind das A und O einer Veranstaltung. Der MAC Schifferstadt benötigt 60 Helfer für die Durchführung seiner Oldtimerveranstaltung. Die Bürgemeisterin war in der Vergangenheit auch am Start. Sicher sind die beiden Veranstaltungen nicht vergleichbar. Und wenn hier über den Kosten/Nutzen Faktor diskutiert wird, dann muß ich mich fragen wie viel Geld wird anderswo verschwendet? Da fallen mir genügend Beispiele ein.

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