Wenn die Welt draußen stillsteht, schau nach innen

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@melmckechnie via Twenty20

Zeit für ein bisschen Selbst-Inventur

Das gab es wahrlich noch nie. Seit ich geboren wurde hat diese Welt in der ich lebe immer mehr an Fahrt aufgenommen, wurde immer größer, weiter schneller und kurzlebiger. Aus drei Fernsehprogrammen wurden 3000, das klobige, grüne Telefon im Flur wurde kleiner, wanderte in meine Hosentasche und fordert seither mehr und mehr an Aufmerksamkeit. Wer es nicht gleichzeitig schafft eine Super-Mutter, Karrierefrau und dabei auch noch gut auszusehen, zählt nicht mehr als Teil unserer Leistungsgesellschaft. Globalisierung, Digitalisierung, Selbstoptimierung – alles kennt nur eine Marschrichtung – schnell und steil nach oben, koste es was es wolle.

Und jetzt? Jetzt ist dieser Zug abrupt zum Stehen gekommen. Es gab keinen nennenswerten Bremsvorgang, die Geschwindigkeit wurde einfach von Fullspeed auf Null herabgesetzt. Unsere Körper und Geister folgen weiterhin den Gesetzen der Trägheit und wollen nicht wahrhaben, dass die Maschinerie das erste Mal seit Ewigkeiten zum Stillstand gekommen ist. Viele Gedanken, Ängste und Sorgen durchströmen uns nun. Viele fürchten sich vor dem was kommt, haben Angst um die eigene wirtschaftliche und berufliche Zukunft.

Diese Ängste und Sorgen sind bei vielen selbstverständlich völlig gerechtfertigt und doch möchte ich euch heute um eines bitten: Seht diesen Stillstand als Chance euch zu sammeln und Euren inneren Kompass auf seine Ausrichtung hin zu überprüfen. Wann habt ihr euch das letzte Mal gefragt wer ihr seid, wo ihr gerade steht, wo ihr hin wollt und ob der eingeschlagene Weg eigentlich immer noch der richtige und der eurige ist?

Vielleicht dauert es noch ein paar Tage bis wir für solche Momente und Erkenntnisse aufnahmebereit sind. Noch zerren Sucht und Sog der schnellen Welt an uns, noch hängen wir an unseren Smartphones um am Puls der Hochgeschwindigkeits-Gesellschaft zu bleiben, um bloß nichts zu versäumen oder zu verpassen. Doch sobald ihr bereit dafür seid, zentriert euch, sucht eure Mitte und seht euch an wo ihr im Hier und Jetzt gerade steht. Wie geht es Euch? Wie fühlt ihr euch – körperlich und geistig? Seid ihr mit euren Beziehungen zufrieden? Habt ihr die Zeit für eure Partner und Kinder die so wichtig ist? Erfüllen euch eure Arbeit und eure Aufgabe noch? Seid ihr noch zufrieden am Ende eines Tages und könnt ihr dann in den Schlaf des Gerechten Menschen sinken?

Ich weiß nicht, ob ich ihr bei diesen vielen Fragen auf Antworten stoßen werdet, ob ihr vielleicht schon zufrieden seid mit dem was ihr erreicht habt oder ob ihr zu der Erkenntnis gelangt, dass vielleicht hier und da eure höchst eigene Marschroute ein paar Änderungen erfahren sollte? Ich weiß nur, der Stillstand der äußeren Welt bietet euch derzeit die einmalige und vermutlich nie mehr wiederkehrende Chance, eure innere Welt – bar jeder Ablenkung aufzusuchen und mit Achtsamkeit wahrzunehmen. Ihr müsst dabei gar nichts verändern, schon das reine wertfreie Betrachten kann die Dinge ins Rollen bringen. Jetzt oder nie, meine Lieben.

Ein Gedanke von Hügelhelden-Autorin Laura Stark

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