Über Windräder echauffieren sich hingebungsvoll unzählige Menschen – aber wieso stört scheinbar niemanden die Armee stählerner Tannenbäume?
Eine Meinung von Stephan Gilliar
Windige Worte und wirre Bilder
Wie hat Frau Weidel von der AfD sie schön polemisch betitelt? Ach ja, „Windmühlen der Schande“. Darauf muss man erst mal kommen – wäre es aber nicht noch eine Spur pathetischer gegangen? Vielleicht „Die Stahlmonster des Teufels“ oder „Drei Flügel für ein Hölleluja“?

Naja, halten wir fest: An Windrädern scheiden sich die Geister. Die Diskussionen haben dabei oft längst die sachliche Ebene verlassen und bedienen sich immer wieder gerne Argumenten, die dutzendfach widerlegt wurden oder eher der Esoterik zuzuordnen sind. Sei’s drum – sind wir uns einfach darüber einig, dass wir uns nicht einig sind. So oder so: Der Ausbau mit Windkraft schreitet voran, das ist gesetzlich beschlossen und wird demnach auch umgesetzt.
Der persönliche Blickwinkel
Dass ein Windrad mehr Auswirkungen auf seine Umwelt hat als kein Windrad, dürfte klar sein. Aber dennoch fasziniert mich immer wieder die rigorose und emotional aufgeladene Ablehnung eines Masts mit drei sich drehenden Flügeln daran. Mehrfach habe ich mir Windräder live, direkt vor Ort angesehen – auf dem Acker, auf den Hügeln, mitten im Wald. Wenn es absolut still war, konnte man leicht die Geräusche des Rotors hören, aber wirklich nur unmittelbar darunter. Schon mit einem Abstand von 100 Metern war das quasi nicht mehr möglich.
Tatsächlich würde es mich selbst nicht stören, wenn ein solcher Apparat in meiner Nähe stünde. Wenn ich mir die aktuelle diesbezügliche Entwicklung für unsere Region ansehe, könnte das übrigens auch durchaus passieren. Nach den Plänen könnte eine oder mehrere Anlagen quasi unmittelbar vor meiner Bude gebaut werden – aber ehrlich gesagt: So richtig stören will mich das einfach nicht.

Die unsichtbare Riesenpräsenz
Was bereits direkt vor meiner Bude steht – ich kann sie, während ich diese Zeilen schreibe, bequem in ihrer ganzen Pracht sehen – sind eine Reihe riesiger Hochspannungsmasten, die in der Ferne auf das Converter-Gelände bei Philippsburg zulaufen. Ein halbes Dutzend stehen direkt vor meiner Wiese, jeder von ihnen rund 80 Meter hoch. Die drei Astarme, die an einen Tannenbaum erinnern, tragen dicke fette Hochspannungskabel, durch die irgendetwas zwischen 220 und 380 Kilovolt fließt.
Wenn sie feucht sind, kann ich das Knistern der Koronaentladung sehen und hören – durch das Fenster, sogar wenn ich im Bett liege. Das elektrische Feld rund um die Kabel ionisiert die umgebende Luft, erzeugt Ozon, knistert, und manchmal leuchtet es sogar ein bisschen.

Seit 20 Jahren schaue ich nun auf diese riesigen Kolosse, die in zwei Reihen über mein Grundstück laufen. Am Anfang haben sie mich irgendwie gestört – weil ich sie nicht einschätzen konnte, weil ich mich ein bisschen vor ihnen gefürchtet habe. Der Kardinalfehler, das Googeln möglicher Gefahren, hat bei mir damals die Alarmglocken klingeln lassen.
Ich fasse das mal kurz zusammen, ohne zu sehr ins Detail zu gehen: Eine Gesundheitsgefahr, die von diesen Masten ausgeht, wurde bislang nicht belegt. Es gibt zwar Vermutungen und kleinere Studien, die gesundheitliche Auswirkungen nahelegen, ein kausaler Zusammenhang wurde bislang aber nicht bewiesen. Das will schon etwas heißen, denn diese Teile stehen ja nicht erst seit gestern in der Landschaft – die erste Hochspannungsleitung gab es sage und schreibe schon Ende des 19. Jahrhunderts.
Selektive Wahrnehmung made in Germany
Doch eigentlich müssten schon genau diese Zweifel ausreichen, um eine größere Gruppe in der Bevölkerung zu mobilisieren und gegen diese Masten aufzubringen – genau so, wie es gerade auf äußerst vager wissenschaftlicher Basis bei den Windrädern geschieht.

Das ist aber nicht der Fall – und ich habe diesbezüglich eine ganz heiße Vermutung: Wir haben uns schlicht und einfach an diese Teile gewöhnt. Wir nehmen sie nicht mehr wahr. Wir sehen sie kaum noch. Dabei sind sie in der Landschaft viel, viel, viel, viel dominanter, als es Windräder je sein könnten. Schließlich stehen sie in einer endlosen Reihe, sind verbunden durch endlose dicke Kabel, summen, brummen und knistern – und machen damit nicht mehr oder weniger Gedöns, als den Windmühlen nachgesagt wird.
Vom Splitter und dem Balken
Ich komme wahrlich nicht oft mit biblischen Zitaten, aber dabei fällt mir irgendwie diese Nummer hier ein:
„Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem eigenen Auge bemerkst du nicht?“
Naja, werter Herr Matthäus – weil es einfach eine Frage der Perspektive ist.
Und so habe ich eine Vermutung, die ehrlicherweise auch gleichzeitig eine Hoffnung ist: Vielleicht werden wir uns einige Zeit, nachdem die windigen Riesen gebaut wurden, schlicht und einfach an sie gewöhnt haben. Sie nicht mehr sehen. Sie nicht mehr wahrnehmen. Und einfach als Teil unserer Umwelt begreifen – genauso, wie wir es mit der stillen Armee der stählernen Tannenbäume längst getan haben.
Mol gugge!

Ich war ein Kind, als die Strommasten aufgestellt wurden. Für mich war das damals beängstigend. Die Riesendinger ! Ich machte mir Sorgen dass die Vögel einen Stromschlag bekommen. Tatsächlich habe ich sie dann erst 40 Jahre später wieder wahrgenommen, als ich meine Bienenkästen aufstellen wollte und mir Gedanken um elektromagnetische Felder machen musste.
Die paar Windräder gegen die Gefahr einer nuklearen Katastrophe einzutauschen ? Darüber freue ich mich heute für meiner Enkelin!
Als die Masten platziert wurden war auch ich noch ein Kind. Ich fand sie einfach nur enorm groß aber meine kleine Welt haben sie damals nicht gestört. Inzwischen finde ich es schade dass sie manch herrlichen Ausblick zerstören. Nach den Masten kam die Schnellbahn durch den Wald bei Oberacker. Da war ich in meiner Jugend und ich habe mich unheimlich darüber geärgert dass ich nichts dagegen tun konnte dass ein weiterer Ort in unmittelbarer Nähe verschandelt wird. Und jetzt, als wäre es nicht schon genug, soll wieder der Wald um Oberacker geopfert werden.
Nur weil dadurch die Einnahmen der Stadt Kraichtal zugute kommen. Es gäbe einige andere Stellen im Kraichtal die ebenso geeignet sind aber im Privatbesitz. Mir ist es relativ egal wer finanziell davon profitiert. Ich finde es nur ungerecht und falsch, dass alle Windräder in einem Wald platziert werden sollen und nicht verteilt aufgestellt werden. Der Widerstand wäre mit Sicherheit geringer. Aber die Stimme der Einwohner ist leider nur in der Theorie wichtig.
Aber noch stehen sie nicht…
Ihnen ist es also egal, wer finanziell von den Einnahmen aus der Verpachtung von Flächen für Windkraft profitieren würde. Ihnen ist es also auch egal ob die Stadt dadurch Einnahmen hätte für dringend benötigte Sanierungen, den Bau von Kinderbetreuungseinrichtungen oder ähnlichem. Und es scheint Ihnen auch egal zu sein, dass durch die dann nicht generierten Einnahmen die städtischen Gebühren erhöht werden müssten. Alles egal!
Hätte man damit vor 20 Jahren bereits begonnen, wäre das auch „egal“.
Wir hätten uns längst an die Räder gewöhnt.
Und 20 Jahre Strom und Geld gemacht.
Stattdessen wurden die Befürworter bedroht und die potentiellen Profiteure gingen leer aus.
Für mich als Investor stehen „meine“ Windräder nun seit einiger Zeit woanders.
Ich werde als Unteröwisheimer von dieser Windkraftplanung aus zwei Richtungen betroffen sein. Das zwischen Ubstadt und Unteröwisheim geplante steht sogar in unmittelbarer Nähe zu meinem Haus. Aber was sind die Alternativen dazu? Verstrahlung durch Atomkraft? Ich weiß wovon ich rede, ich war Jahre in Philippsburg und bin aufgrund von Strahlung und Pestizide in unserer Landschaft zum Durchatmen fast gestorben. Den Scheichs weiterhin ihren Luxus und Menschenrechtsverletzungen finanzieren? Und Putin einen Einmarsch mit Plünderung und Mord in Kraichtal finanzieren? Ich verlange von niemandem, was ich nicht selbst tue. Bewusster konsumieren und die eigene benötigte Energie selbst vor Ort erzeugen. Das funktioniert, ich mache es und es amortisiert sich auch. Meine Wärmepumpe hat sich mit Beginn des Betriebs gegenüber einer Gasheizung sofort amortisiert. Übrigens wenn wir alle, gerade mit Windräder, unsere Energie vor Ort selbst erzeugen würden, könnten die grässlichen Hochspannungsleitungen abgebaut werden. Aber genau diese Wende möchten die Menschenfeinde wie die Scheichs, Trupps und Putins dieser Welt natürlich nicht und verbreiten insbesondere über das Internet ein Ozean von Lügen. Und wir sägen an unserem eigenen Ast und werden zu deren Verrichtungsgehilfen. Ich werde diesen Kriminellen entgegentreten und mich bis zum bitteren Ende wehren. Wer sich selbst in den Dreck ziehen möchte kann dies gerne tun, aber die Freiheit endet dort wo die Freiheit und Unversehrtheit eines anderen beginnt. Das sollte man nicht vergessen und habe daher zusammen mit Zehntausenden Anderen auch die Regierung in Bezug auf die mangelhaften Klimamaßnahmen vor dem Bundesverfassungsgericht verklagt.
Wie hier nicht anders zu erwarten,
das eigentliche Problem wird nicht angesprochen.
Wind & PV können die Versorgung NICHT jederzeit sicherstellen, können ein Netz NICHT stabil halten, man braucht IMMER „Residuallast“ aus Kohle-, Gas-, und Importstrom (Nuklear)
Last = Erzeugung EE + Residuallast
Im Klartext,
bei Dunkelflaute kommt ALLES aus Kohle-, Gas- , Import
Natürlich braucht ein Energiesystem Backup-Lösungen – das ist seit jeher so, ob mit Wind, Sonne oder Atom. Der Punkt ist: Niemand bestreitet die Residuallast, aber sie wird kleiner, je besser wir speichern, steuern und vernetzen. Es geht nicht darum, Kohle durch Wunschdenken zu ersetzen, sondern durch Technik, Fortschritt und Realitätssinn. Wer heute noch so tut, als sei das ein Alles-oder-Nichts-Spiel, hält an einem Schwarzweißbild fest, das der Energiezukunft längst nicht mehr gerecht wird.
Atomkraft hat viele Fehler – allen voran, die fehlende Idee zum entstehenden Müll und der Jahrzehntelange Umgang damit, sowie die Auswirkung auf die Umwelt.
Die Gefahr einer nuklearen Katastrophe sehe ich jedoch nicht.
Die Abschaltung der deutschen Atomkraftwerke beruhte auf einer Entscheidung von Frau Merkel unter dem Eindruck von Fukoshima. Der Unfall dort ereignete sich aufgrund eines Tsunamis und den unfassbaren Wassermassen – die Notkühlpumpen sind schlicht abgesoffen. Eine Gefahr die bei keinem der deutschen AKWs jemals bestand.
Wenn Ihre Enkelin nicht ist Osteuropa wohnt, kann sie sich mit Ihnen freuen. Wenn doch, wird sie sich vielleicht auch über die Halden wundern, auf denen die Reste deutscher Windräder abgeladen werden, weil sich die Verbundstoffe einfach nicht recyclen lassen.
Des einen Leid ist des anderen Freud …
Stünden die Windräder in Ihrer Nachbarschaft, würden Sie vielleicht auch anders denken. Es ist immer leicht, anderen Ignoranz vorzuwerfen, wenn man selbst nicht betroffen ist.
Die Windräder sollten da gebaut werden, wo viel offene Fläche ist. Das echte Problem sind Bayern und co., die den Trassenausbau verweigern – ohne geht’s halt nicht.
Wir speichern, steuern und vernetzen aber nicht! Und das ist ein Problem.
Der deutsche Strom ist im weltweiten Vergleich mit der teuerste, dennoch verschenken wir unsere Energie ins europäische Ausland, weil wir die Überproduktion von Windkraft und PV nicht speichern können oder wollen. Zu manchen Zeiten zahlen wir für die Abnahme des Stroms sogar Geld. Dann werden z.b. in Italien die Pumpspeicherkraftwerke gefüllt.
Sollte das Problem der Stromspeicherung nicht zu allererst angegangen werden? Die Akzeptanz für erneuerbare Energien wäre deutlich höher, würde sich das im Strompreis auszahlen.
So ist das einfach nur eine teure Art sich anderen überlegen zu fühlen. Den „dreckigen“ Kohlestrom und den „giftigen“ Atomstrom nehmen wir aber trotzdem gerne von unseren Nachbarn, wenn mal wieder Dunkelflaute ist.
Residuallast = Last – EE
Wenn man massiv,
das komplette Witschaftssystem elektrifizieren will, steigt die Nachfrage nach elektrischer Energie (Last) ebenfalls massiv.
Die Produktion durch EE ist abhängig vom Zufall, der Ausbau ???
Wie kommen Sie auf sie Idee Residuallast würde sinken ?
Unsinn, bei entsprechenden Speichern kann die Residuallast auch durch regenerative Energien gedeckt werden.
Ich hätte sofort auf unseren Grundstücken in der Nachbarschaft Räder aufgebaut.
Insofern wären wir direkt „betroffen“ gewesen.
Aber traurig, dass immer noch diese Märchen der angeblichen Lebenseinschränkungen durch Windräder erzählt werden.
Meinen Sie die Luftnummernspeicher ?
Im TWh-Bereich ? Wo gibt es die, in ihrer Phantasiewelt ?
Wenn der Bedarf 100% durch EE gedeckt werden könnte wäre
Last = Produktion durch EE,
und es gibt KEINE Residuallast.