Virale Protestaktion – Am Montag bleibt die Tanke kalt

Virale Protestaktion – Am Montag bleibt die Tanke kalt

Ein Optimist kann mit einem Furz einen ganzen Acker düngen

etwas Senf dazu von Hügelhelden-Kolumnist Tommy Gerstner

Himmel, was wurden im Internet schon an Horden von Säuen durchs globale Dörfchen getrieben. Der gute alte nigerianische Prinz der händeringend jemanden sucht um seine Milliarden zu teilen, die mit AIDS infizierten Bananen im Supermarkt und natürlich das verfluchte tote Mädchen das uns Schlag Mitternacht erledigt, sollten wir nicht die entsprechende Nachricht an 100 Milliarden andere Empfänger weiterleiten.

Als kleine Faustregel: Sollte eine Nachricht mit der Aufforderung enden, selbige an alle Kontakte zu verschicken, ist das Ding für den Eimer und der entsprechende Versender ein Fall für die Blockliste. Genau eine solche Nachricht erreicht uns in der Redaktion gerade im Schnitt zwei Mal pro Stunde. Mit sehr bescheidener Grammatik werden wir über die “große Protestaktion” gegen die steigenden Benzin- und Dieselpreise informiert und dazu aufgefordert am kommenden Montag ums verrecken keine Tankstelle anzufahren. Selbstverständlich werden wir am Ende überdies ermahnt im Namen der Gerechtigkeit die entsprechende Nachricht an alle unsere Kontakte weiterzuleiten….Logo!

Auch aus unserer Leserschaft erreichte uns diese Nachricht mehrere Dutzend Mal – solltet ihr sie tatsächlich an alle eure Freunde weiterleiten, bedenkt bitte die folgenden Punkte:

Kettenbriefe setzten immer auf Themen die alle beschäftigen, ängstigen oder sorgen. Autofahren muss jeder, viel Geld ausgeben will hingegen keiner. Kombiniert man diese beiden Elemente, garniert sie mit dem leichten Nervenkitzel kollektiven zivilen Ungehorsams und formuliert sie in kindgerechten Worten, erhält man genau jene Nachricht die gerade ihre Kreise zieht.

Hmm, warum reißt sich eigentlich nie irgendjemand den Arsch auf um mal bei Themen anzusetzen bei denen wir wirklich mit den Füßen abstimmen könnten? Kauf doch einfach mal einen ganzen Sommer lang keine ekelhaft billigen Nackensteaks im Sechserpack für 1,99 beim Discounter, für die bemitleidenswerte Viecher elendiglich krepieren müssen? Das wäre realistisch ohne jedwede Einbuße an Lebensqualität für jedermann möglich und würde tatsächlich etwas bewirken. Stattdessen heulen wir immer erst dann auf, wenn uns irgendjemand an den Geldbeutel will.

Selbst wenn wirklich ganz erstaunlich viele Menschen auf eine solche Nachricht reagieren und diese am Ende auch noch umsetzen, wird das unterm Strich null komma gar nichts ändern. Das Geschäft der Mineralölkonzerne läuft insbesondere deswegen so gut, weil wir alle auf die entsprechenden fossilen Brennstoffe angewiesen sind. Ohne Benzin/Diesel fährt eben (fast) kein Auto und die meisten Öl-Heizungen sind recht nutzlos ohne das passende Öl. Wenn ihr mit einer solchen Protestaktion wirklich punkten wollt, dann findet viele viele Millionen Mitstreiter und überzeugt sie davon monatelang ihr Auto nicht zu betanken und den heimischen Öltank leer zu lassen. Am besten holt ihr auch noch die Industrie ins Boot, deren Verbrauch ist ja auch nicht von schlechten Eltern.

Selbstverständlich wären nach ein paar Monaten viele viele Menschen erfroren, die meisten hätten ihren Job verloren und die Wirtschaft läge am Boden…. mit einem entsprechend langen Atem könnten am Ende aber tatsächlich die Spritpreise etwas sinken.

Insofern – liebe Kettenbrief-Teiler – alles richtig gemacht! Go Go Go – am Montag bleibt die Tanke kalt!

Hakuna matata

Euer nigerianischer Prinz
Tommy

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