Mit Leidenschaft stürzen sich viele Menschen in den Kampf gegen alles Neue. Nur wer die Angst dahinter versteht, versteht auch, was sie umtreibt.
von Stephan Gilliar
Mein Morgen beginnt im Grunde immer gleich. Ich schlurfe in die Küche, drücke den Schalter an der Kaffeemaschine und warte ein paar Minuten, bis das Gerät auf Touren kommt. In dieser Zeit zücke ich das erste Mal mein Smartphone, überfliege die Schlagzeilen des noch jungen Tages. Kleine Kostprobe aus der vergangenen Woche gefällig? Also dann, here we go: Die NATO erörtert Kriegsszenarien entlang der EU-Ostgrenze, die USA legen auf ihrem abgründigen Trip in Richtung Autokratie noch ein paar Kohlen nach, der Klimawandel gerät immer weiter außer Kontrolle, Gletscher schmelzen, Wälder brennen, das Elend in Gaza nimmt und nimmt kein Ende, Tschechien wählt einen alternden Rechtspopulisten… Diese Liste könnte beliebig verlängert werden, im Kleinen wie im Großen. Die Welt scheint aus den Fugen zu geraten, die Tage, als herrliche Banalitäten wie Rechtschreibreformen oder Raucherkneipen noch in aller Munde waren, sind längst gezählt.
Und wir? Stehen nur da und können hilflos mit offenem Mund dabei zusehen, wie sich vertraute Strukturen auflösen und die Ordnung dem Chaos weicht. Dabei reicht schon ein Windrad am Horizont, um die Abwehrreflexe hochzufahren. Denn unser Einfluss auf die großen globalen Verwerfungen ist recht überschaubar – was bleibt, sind Ohnmacht, Resignation und der Rückzug ins Private. In unsere kleine Welt, die wir vielleicht noch ein bisschen beeinflussen können. Kein Wunder, dass wir um das kämpfen, was uns vertraut ist, was wir über die Jahre kennen- und lieben gelernt haben. Dass wir die Welt, in der wir groß geworden sind, verteidigen und sie für uns und unsere Nachfahren so erhalten wollen, wie wir sie kennen.
Das Problem an dieser durch und durch nachvollziehbaren Sicht der Dinge ist die oft damit einhergehende mangelnde Fähigkeit, die Bedeutsamkeit von Veränderungen zu verstehen – und eine nicht selten völlig kompromisslose Haltung, die jedwede Art von Veränderung ablehnt. Nehmen wir das Windrad. Drei Rotoren, leise drehend über Feld oder Wald. Es verändert objektiv kaum etwas an unserem Leben – und doch löst es etwas in uns aus. Warum? Weil es sichtbar macht, was wir fürchten: dass die Welt, die wir kennen, sich unwiederbringlich verändert.
Um einen Aphorismus zu bemühen: „Leben ist Veränderung.“ Die Veränderung passiert andauernd, ständig, in diesem Moment. Um uns herum, in uns, sogar wir selbst verändern uns just in diesem Moment, in dem Sie diese Zeilen lesen. Ihre Zellen, all die Bausteine, aus denen Ihr Körper besteht, erschaffen sich beständig neu, sodass Sie nach einiger Zeit – rein biologisch gesehen – nicht mehr derselbe Mensch sind wie noch ein paar Jahre zuvor. Dasselbe passiert überall um Sie herum, ob Sie das wollen oder nicht. Wir werden geboren, wir werden älter, wir sterben. Was erschaffen wird, verschwindet irgendwann wieder – und es gibt nichts, das Sie dagegen tun könnten.
Ja, es ist ein verdammtes Dilemma. Wir wissen es im Grunde: Wir wissen, dass es ohne Veränderungen nicht geht. Dazu gibt es auch ein schönes Zitat, das fälschlicherweise Bertolt Brecht zugeordnet wird, den Kern aber trifft: „Die meisten Menschen wollen, dass sich etwas ändert, aber niemand will, dass sich etwas bei ihm ändert.“
Doch warum sträuben wir uns so vehement – selbst gegen Harmloses? Kurzer Biologie Exkurs… Unser Gehirn hasst Veränderungen, weil sie Energie fressen. Der präfrontale Cortex macht zwar nur 2 % unseres Gewichts aus, verbraucht aber 20 % unserer Kraft. Jede Anpassung ist für ihn wie ein Marathon. Ein Windrad ist kein Säbelzahntiger, aber unser limbisches System reagiert ähnlich: ‚Vorsicht, Fremdkörper!‘ Dazu kommt: Der Nobelpreisträger Daniel Kahneman hat aufgezeigt, dass der Schmerz über einen möglichen Verlust von Vertrautem zwei- bis dreimal so stark ist wie die Freude über etwas Neues. Ein Windrad steht einfach da. Fremd. Ungebeten. Und weil wir spüren, dass „Es stört mich, weil es neu ist“ kein stichhaltiges Argument ist, greifen wir zu Ersatzmunition: Vogelschredder! Infraschall-Hirnbraterei! Landschaftsverstümmelung! Dabei wissen wir tief drin: Kein Mensch stirbt an Windrädern. Kein Himmel verdunkelt sich durch Vogelschlag. Kein Infraschall brät uns die Synapsen. Wir lehnen ab, weil es neu ist. Weil es uns zeigt, dass wir die Welt nicht mehr allein kontrollieren. (und das natürlich auch nie getan haben)
Es ist nicht an mir, das zu verurteilen. Aber vielleicht darf ich einen Gegenvorschlag anbringen? Konzentrieren wir unsere Hingabe, unsere Energie und unseren Wunsch, Vertrautes zu bewahren, doch dort, wo es wirklich sinnvoll ist. Kaufen wir wieder regional, um unsere Läden und unser Stadtbild zu erhalten. Beweinen wir nicht die gefallenen Löwen, Ochsen oder Kronen, sondern gehen wir dort wieder regelmäßig essen. Bewahren wir wirklich und tatsächlich unser Land und unsere Landschaft vor der fraßartigen Ausbreitung immer neuer Straßen und Baugebiete. Wenden wir uns vermehrt einander zu, anstatt den Blick nach innen zu richten. Nur ein paar Vorschläge – doch sie alle würden tatsächlich dazu beitragen, das zu erhalten, was uns wirklich am Herzen liegt, und uns nicht dort verausgaben, wo im Grunde gar keine Gefahr droht.
„Fortschritt wäre wunderbar – wenn er nur nicht immer mit Veränderung einherginge“, hat einer meiner Lieblingsschauspieler, Billy Crystal, gesagt. Doch die Harvard-Professorin Rosabeth Moss Kanter bringt es auf den Punkt: „Wir widerstehen nicht der Veränderung selbst, sondern dem Gefühl, das sie in uns auslöst: dass wir die Kontrolle verlieren.“ Und Kontrolle, liebe Leser, ist eine Illusion. Eine beruhigende Lüge, die wir uns erzählen, um nicht zu spüren, wie wenig wir eigentlich in der Hand haben. Wenn die Psychologie eines sicher weiß, dann dass der Wunsch nach Kontrolle nur ein anderes Wort für Angst ist.
Liebe Leserinnen, liebe Leser, haben Sie keine Angst. Wir wollen im Grunde alle das Gleiche: in einer Welt, die uns vertraut ist, fortbestehen – sie für unsere Kinder und deren Kinder erhalten. Doch das schaffen wir nur, wenn wir unsere Kämpfe weise wählen. Die Lösung ist nicht unbedingt nur das Festhalten an dem, was war, sondern auch das Gestalten dessen, was sein könnte. Neues nur um seiner selbst willen abzulehnen, kann nicht der Weg sein. Denn am Ende geht es nicht darum, die Veränderung aufzuhalten, sondern darum, sie so zu formen, dass wir uns und unsere Werte in ihr wiedererkennen.

Es ist immer sehr schlecht, wenn uns die Damen Und Herren Volksvertreter uns belehren wollen was wir zu tun und zu lassen haben. Wie wir leben und uns fortbewegen sollen.. Von überall her wird uns gepredigt, daß das E-Auto die Zukunft ist. Ein Herr Dudenhöffer wird als Auto-Experte präsentiert, er ist aber keiner, sondern Wirtschaftswissenschaftler. Für mich Fritz Indra ein Auto-Experte.
Er hat bei allen namhaften Firmen gearbeitet – im Motorenbau. Er sagt, das mit dem E-Auto und einem Wasserstoff – Auto funktioniert nicht. Und warum baut Rheinmetall keine Elektrto-Panzer. Aber um den Russen abzuwehren, darf man schon die Umwelt schädigen. Das ist nicht schlimm. Wohin kommt der Schrott, den Windmühlen produzieren? Den Wald zu zerstören ist auch NICHT schlimm.
Es ist mir klar, daß ich gegen die gängige Meinung bin. Woher kommt die Krise in der Autoindustrie? Warum gehen so viele Firmen pleite? Hohe Energiekosten was macht das schon, wenn die Menschen die Energiekosten nicht mehr bezahlen können. Das nennt sich Fortschritt.
Das e-Auto ist die Zukunft. Und wäre dies seit 100 Jahren, wenn nicht Ölmultis an uns verdienen würden.
Und Ewig gestrige, die krampfhaft an alten Technologien festhalten, oft ihres Geldes oder Ihrer Gewohnheit wegen!
„Nehmen wir das Windrad …“
Es hat 1 Rotor, und 3 Rotorblätter, nicht wie hier behauptet wird 3 Rotoren.
Korrekt, einfach ein Schreibfehler.
@anonymos
Heutzutage (21. Jhdt),
fahren selbst Flugzeugträger (nicht nur Panzer) elektrisch.
Der Strom kommt aus Dieselgeneratoren.
Die Effizienz von VKM (Verbrennungskraftmaschine) ist katastrophal.
Bei der Wandlung von chemischer Energie in Nutzenergie werden 80% ins Nirwana geblasen.
Weltenergieverbrauch 2011, Sektor Verkehr
Endenergie 103 EJ (davon 95% aus Öl) – Nutzenergie ca. 22EJ.
(EJ = Exa-Joule)
Man lernt (oder auch nicht) im Physikunterricht, elektrische Energie ist Exergie.
Transportation:
1% der benötigten Gesamtenergie ist elektrische Energie, diese erzeugt 4% (!) der gesamten Transportleistung.
Vergleich Porsche/E-Auto
E-Auto 15kWh/100km
Porsche Benzin 9-10 Liter/100km = 90kWh/100km
Warum immer so bissig.Das E Auto hat in der Stadt und bei Kurzstrecken
zur Zeit seine Berechtigung.Für Langstrecken ist halt ein moderner 6 d Temp
Diesel die erste Wahl. Und solange der Strom noch aus Kohlekraftwerken
kommt wird der Auspuff halt dorthin verlagert.Windräder sind halt
durch die EEG Umlage erheblich Subventioniert, und wären ohne diese
nicht Marktfähig. Das ist eh so oder so egal,weil Deutschland wirtschaftlich
auf den Abgrund zusteuert. Dann haben wir mit unseren 1,4 % Co2 Ausstoss
nichts gerettet aber unsere Wirtschaft ruiniert.Wie meinte ein Freund,
wenn ihr euch das Fressen und Heizen nicht mehr leisten könnt,dürft Ihr weiter
die Gr……. wählen.
Naja, ihr Kommentar lässt es ein Biss auch nicht missen ;-) Ein paar kurze Einordnungen unsererseits: E-Autos vs. Diesel: Ja, Diesel sind auf Langstrecken effizient – aber moderne E-Autos holen auf, und selbst mit heutigem Strommix sind sie klimafreundlicher. Die Technologie entwickelt sich rasant.
Strom aus Kohle: Stimmt, der Mix ist nicht perfekt – aber E-Autos emittieren trotzdem weniger CO₂ als Verbrenner, und der Strom wird immer sauberer. Bei Diesel bleiben Abgase einfach in der Stadt hängen.
Subventionen für Windkraft: Die EEG-Umlage gibt’s nicht mehr, und Windstrom ist längst günstiger als Kohle- oder Gasstrom. Die Anfangsförderung hat sich ausgezahlt.
Wirtschaft & CO₂: Deutschland hat nicht 1,4%, sondern ~2% globalen CO₂-Ausstoß – und ja, wir sind nicht allein verantwortlich. Aber Klimaschutz ist kein Wirtschaftskiller, sondern ein Investitionstreiber (siehe Skandinavien oder China).
Politik: Ob man ‚die Gr…. wählt‘ oder nicht, ist jedem selbst überlassen. Aber Fakt ist: Ohne Klimaschutz wird’s teurer – für alle.
Kurz: Es geht nicht um ‚bissig‘ oder ‚unbissig‘, sondern darum, Lösungen voranzubringen, die sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich sinnvoll sind. Und da ist noch Luft nach oben – bei allen.“
Na da liest sich doch reichlich Frust heraus. Unser Senf dazu: Experten vs. Meinungen: Dudenhöffer ist tatsächlich Ökonom, nicht Ingenieur – aber er analysiert Märkte, keine Motoren. Fritz Indra kennt sich mit Verbrennern aus, aber selbst er sagt, dass E-Autos technisch funktionieren – nur die Infrastruktur und die Politik hinken hinterher. Das ist ein Unterschied.
Warum keine E-Panzer? Weil im Krieg Energie-Dichte und Schnelltankbarkeit zählen – und die hat Diesel. Aber zivile Mobilität ist kein Krieg. Oder willst du deinen Golf auch mit Panzer-Diesel betanken?
Schrott & Wald: Windräder sind zu 80–90% recycelbar (Stahl, Beton, Glasfaser). Und ja, für Rohstoffe wird Natur genutzt – genau wie für Kohle, Öl oder Autobahnen. Der Unterschied: Windräder killen nach 20 Jahren keinen Planeten, sondern werden wiederverwertet.
Auto-Krise & Energiekosten: Die Krise kommt nicht vom Klimaschutz, sondern davon, dass Deutschland zu lange auf Verbrenner gesetzt hat, während andere Länder E-Autos und Batterien industrialisiert haben. Jetzt holen wir auf – mit Ach und Krach.
„Fortschritt“, der keinen bezahlen kann? Genau das ist das Problem: Wenn wir nur auf gestrige Technologien setzen, werden wir abhängig – von Ölpreisen, von China, von allen, die die Zukunft jetzt gestalten. Das nennt sich dann Rückschritt.
Vielen Dank, Hügelhelden, für das Nachdenken über notwendigen und Angst-machenden Wandel.
Und für die klare Haltung zum notwendigen Klimaschutz.
Sie sprechen mir mit Ihren Stellungnahmen aus dem Herzen. Wir müssen weg vom Verbrennen, und jeder weiß das, der ein Verbrenner-Auto in einer geschlossenen Garage abstellt.
Als ich 15 Jahre alt war habe ich zum ersten Mal über das Konzept des Treibhaus-Effekts gelesen und dass wir die Erde aufheizen. Heute bin ich 65, und wir fangen grade erst an, uns zu ändern. Es wäre viel mehr möglich – wenn wir unsere Ängste anschauen und verstehen würden.
Danke für die Aufklärung dazu.
Der Überbringer der schlechten Botschaft wird gerne mal geköpft. Und so geht es auch all jenen, die beharrlich auf das hinweisen, was uns bevorsteht, wenn wir unser Verhalten nicht ändern: Das Kippen des weltweiten Klimas mit katastrophalen Folgen für Mensch und Natur.
Diese Botschafter werden inzwischen zwar nicht mehr einen Kopf kürzer gemacht, dafür aber diffamiert, lächerlich gemacht und nicht selten beleidigt.
Es sind zwei Gruppen, die sich dieser gehässigen Methoden bedienen: Die kleine und mächtige Gruppe derer, die von den fossilen Energien massiv finanziell profitieren und die große Masse der Menschen, die befürchten, das Gewohnte, ihre Privilegien und Bequemlichkeiten aufgeben zu müssen und dazu schlicht keine Lust haben.
Meine Bewunderung gilt all jenen, die nicht müde werden, aufzuklären, zu mahnen, sich an Informationsstände zu stellen, Veranstalten zu organisieren und faktenbasierte Gegenargumente zu sammeln und anzubringen und dabei mehr und mehr den Vorwürfen der „Verbotspartei“, der Ahnungslosigkeit, der Naivität ausgesetzt sind.
Wir können nicht darauf warten, wer recht hat. Alle Anzeichen sprechen dafür, dass wir, jede und jeder von uns angehalten ist nicht nur umzudenken, sondern auch so rasch wie möglich zu handeln.
War wir tun müssen, wissen wir alle. Wo wir Informationen bekommen auch. Lasst uns nicht warten, bis irgendeine Regierung endlich die Weichen stellt. Wir müssen selbst in die notwendige Richtung abbiegen.
Wirkungsgrad Verbrennungsmotor: max. 40%, mit oder ohne „e-fuels“ oder Wasserstoff…
Wirkungsgrad Elektromotor: bis 97%, mit oder ohne Ökostrom…
Das sagt doch alles!
Es gibt Menschen die glauben an den Menschengemachten Klimawandel, manche an den natürlichen Klimawandel und manche an gar keinen Klimawandel.
Keine Verbote, keine Bevormundung und vor allem nicht mehr diese permanente Gehirnwäsche. So einfach ist es.
Vielleicht klappt es ja dann auch mal wieder mit den etablierten Parteien bei der nächsten Wahl.
Nur geht es hier nicht um Glauben oder um persönliche Präferenzen, sondern um wissenschaftliche Realitäten.