Verkehrskollaps auf der L554 – Initiative will heute Verkehr in Kraichtal lahmlegen

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Geplante Aktion wirft ernste Fragen auf

Sie machen es noch mal. Die Bürgerinitiative Verkehrsentlastung Kraichtal will heute erneut den Verkehr in der Unteröwisheimer Friedrichstraße ausbremsen bzw. ganz zum Erliegen bringen. Durch langsame Radfahrer, durch parkende Traktoren oder beständiges Auslösen der Fußgängerampel, will man den ohnehin schon zäh fließenden Verkehr in der zentralen Ortsdurchfahrt im Kraichtaler Stadtteil gezielt stören. (Update: Das Wort „blockieren“ wurde durch stören ersetzt)

Ziel der Initiative ist es auf die massive Verkehrsbelastung in Kraichtal aufmerksam zu machen. In einem Postwurfschreiben das die Initiative an zahlreiche Haushalte in Kraichtal verteilt hat, heißt es mitunter:

Mit ca 15.000 Fahrzeugen und einem LKW Anteil von über 20 % müssen wir Anwohner uns in Kraichtal täglich auseinandersetzen. Die Verkehrssituation ist unerträglich für alle Beteiligten. Deshalb möchten wir ein Zeichen setzen um auf unsere Verkehrssituation aufmerksam zu machen. Dazu werden wir den Verkehrsfluss durch die Friedrichstraße aktiv stören.

Die Initiative fordert von den Behörden die Installation stationärer Geschwindigkeitsüberwachungen und ein Fahrverbot für den LKW Durchgangsverkehr.

Die unter dem unterschrifts- und namenlosen Schreiben angegebene Telefonnummer gehört der Unteröwisheimer Familie Neck. Sprecher der mittlerweile rund 15 Personen starken Bürgerinitiative ist Torsten Neck, am Telefon erreichen wir seinen Vater Norbert. Wie dieser uns mitteilt, habe er bereits am Mittwochabend auf der letzten Sitzung des Kraichtaler Gemeinderates die Aktion angekündigt. Bürgermeister Ulrich Hintermayer informierte daraufhin das Landratsamt Karlsruhe, das als zuständige Behörde nur eine solche Versammlung genehmigen kann. Zur Stunde läuft noch die juristische Prüfung der Frage ob ein solcher Eingriff in den Straßenverkehr von der Versammlungsfreiheit gedeckt ist.

Eine brisante Frage, denn die möglichen Auswirkungen der heute Nachmittag ab etwa 15 Uhr beginnenden Aktion sind weitreichend. Mehrere Faktoren können die Situation schnell eskalieren lassen: Der einsetzende Wochenendverkehr, der Verkehr zu Beginn der Sommerferien in Baden-Württemberg und nicht zuletzt die zu erwartende massive Hitze die die Temperaturen in nicht klimatisierten Fahrzeugen schnell auf hohe Werte anschwellen lassen kann. Sollte zudem der Einsatz von Rettungsfahrzeugen in Unteröwisheim notwendig werden, ist ein Durchkommen von Feuerwehr, Notarzt oder Krankenwagen nicht mehr gewährleistet.

Wenngleich die Bürgerinitiative den Zeitpunkt diese Aktion wohl bewusst auf einen solch kritischen neuralgischen Punkt gelegt haben dürfte, betont Norbert Neck das alle Blockade-Maßnahmen mobil sind und im Bedarfsfall schnell abgezogen werden können.

Bürgermeister Ulrich Hintermayer hat die Initiative noch heute zu einem runden Tisch und zu einem klärenden Gespräch eingeladen. Ganz egal was hier besprochen wird, die Aktion wird dennoch in jedem Fall stattfinden, betont Norbert Neck auf unsere Anfrage hin.

Mit Spannung wird nun das Ergebnis der juristischen Prüfung des Landratsamtes erwartet. Bejaht die Behörde die öffentliche Versammlung, könnte die Aktion – eventuell unter Auflagen – wie geplant stattfinden, abgesegnet durch den Gesetzgeber.

Sollte das Landratsamt aber zu der Erkenntnis kommen, dass das geplante Vorhaben nicht durch das Versammlungsrecht gedeckt ist, würde es sich wohl um einen Eingriff in den Straßenverkehr handeln, den weder das Landratsamt, noch die Stadt oder die Polizei einfach hinnehmen könnten. In diesem Fall bliebe den Behörden keine andere Wahl als die Aktion mit einem entsprechenden Polizeieinsatz aufzulösen.

Um 15 Uhr will sich die Initiative auf dem Unteröwisheimer Friedrichsplatz treffen um die Aktion zu erläutern und spätestens eine halbe Stunde später mit der Durchführung beginnen. Dauern soll die ganze Maßnahme etwa anderthalb Stunden, so die BI.

In jedem Fall ist davon auszugehen dass der Verkehr spätestens dann komplett zum Erliegen kommen wird, der Rückstau dürfte vermutlich in beide Richtungen bis in die benachbarten Ortschaften zu spüren sein. Wer sich irgendwie einrichten kann, sollte das entsprechende Gebiet weiträumig umfahren.

Wir werden mit der Kamera vor Ort sein und ausgiebig über den Ablauf der Ereignisse berichten.

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17 Gedanken zu “Verkehrskollaps auf der L554 – Initiative will heute Verkehr in Kraichtal lahmlegen”

  1. Ich kann die Anwohner völlig verstehen!
    Ich wünsche viel Erfolg, auf das das Landratsamt endlich reagiert!

    LG Sabrina

  2. Durch die Blockade wird die Gesundheit/das Leben von Personen wissentlich auf s Spiel gesetzt, da die Blockade auch Rettungsdienste betrifft. Sollte hier etwas passieren müssen sämtliche für die Blockade verantwortlichen Personen strafrechtlich belangt werden.

    • Also ich verstehe das so, dass im Notfall die Blockade sofort aufgehoben werden kann. Also stimmt das ja nicht mit der Gefährdung durch die Blockade.
      Die Gefahr durch zu schnell fahrende Fahrzeuge hingegen ist tagtäglich gegeben.

      Mehr Verständnis zu seine Mitmenschen hilft ;o)

  3. hoffentlich lässt sich da die Polizei blicken, und gibt jedem eine saftige Strafe der den Verkehr da blockiert !!
    So ein Kinderkram was die da veranstalten….so !! macht man sich Freunde und bringt keinen weiter.

  4. Würde dieser „Peter“ in der Friedrichstraße wohnen, würde er nicht mehr von einem „Kinderkram“ sprechen. Bestimmt wohnt er in einer idyllischen Seitenstraße, fernab vom ständigen belastenden Verkehrslärm und Beschimpfungen von unverständigen Autofahrern, wenn man kurzzeitig mit dem Auto anhält, um in sein Anwesen einzufahren.

    • Ach das ist bestimmt der Peter aus FB, da droht er auch schon allen mit Anzeigen und ruft zu Hupkonzerten usw. auf….

  5. Würde dieser „Peter“ in der Friedrichstraße wohnen, würde er nicht mehr von einem „Kinderkram“ sprechen. Bestimmt wohnt er in einer idyllischen Seitenstraße, fernab vom ständigen belastenden Verkehrslärm und Beschipfungen von unverständigen Autofahrern, wenn man kurzzeitig mit dem Auto anhält, um in sein Anwesen einzufahren.

  6. Die Lage ist wirklich ernst und gefährlich. Gegner der Aktion können gerne auf flabsige Kommentare verzichten.

  7. Trifft leider die falschen mit der Aktion. Pendler die bei 40 Grad in ihren Autos einfach nur nach Hause wollen. Die Politik wird es wenig jucken.

    • Jein, es wird darüber berichtet!
      In der Regel wird die Gemeinde und das Landratsamt erst aktiv tätig, wenn der Druck durch Medien steigt.

      Unterstützung wäre echt super! Natürlich trifft es auch Unschuldige, aber man kann das als Akt von Nächstenliebe unterstützen und dazu Nbeitragen, dass sich etwas ändert.

      Ach ja, die Verkehrslage hat sich in den letzten Jahren stark geändert. Lkw versuchen Maut zu umfahren und das auf Kosten der Anwohner..
      .

      Habt doch bitte ein wenig Verständnis für die Aktion. Schulkinder, die die Schule für Demos schwänzen, werden ja auch unterstützt bzw. respektiert.

      LG Sabrina

  8. @ben deler, genau!
    ist es nicht verboten ohne Grund durch die Gegend zu fahren?

    Ich wohne selbst in der Friedrichstraße. Wer mit dem Verkehr nicht klar kommt, sollte nicht an so einer Straße wohnen. Ein Halteverbot zu Stoßzeiten wäre allerdings sinnvoll, da es sonst zu den Staus kommt.
    Stehende Autos -> mehr Lärm und Abgase

  9. Es gibt viele Wege um auf ein Problem aufmerksam zu machen, aber zu Ferienbeginn die Pendler in einen geplanten Verkehrskollaps fahren zu lassen ist eine wirklich dumme Idee. Zudem die betroffenen ohnehin mehrmals die Woche im Rückstau Richtung Ubstadt stehen und sehr wohl ein Bewusstsein für das Problem haben. Kein Verständnis von meiner Seite

  10. Das Argument das es ja „die Falschen trifft“ und „nichts bringt“ entkräftet sich selbst. Bei Demonstrationen werden immer ganze Straßenzüge gesperrt und auch da trifft es immer wieder Leute die damit nichts zu tun haben. Nur muss das alles rechtsstaatlich korrekt ablaufen, damit eben niemand verletzt wird. Achja und für diejenigen die diese Aktion als übertrieben erachten – in Berlin gibt es seit 42 Jahren die Sternfahrt, eine Demonstration von Fahrradfahrern die für bessere Radfahrbedingungen streiten. Da werden in der kompletten Stadt samt Autobahn und Landstraßen im Umkreis von 80 Km abgesperrt. Aber unser Ministerpräsident hat ja klar gemacht was er von Demonstrationen und Meinungsäußerung hält.

  11. Lkw , die Maut sparen wollen ?
    Da ist ja ein mega wissender am schreiben ….
    Liebe unteröwisheimer –
    Eure Aktion in Ehren . Leider sehr kurzsichtig.
    Gut finde ich – das noch niemand gefordert hat – Güter auf die bahn ……
    Stellt euch vor – es wäre der Fall ! Wann würde euer Güterzug bei euch eintreffen ? Habt ihr überhaupt einen privaten gleisanschluss? Nein ?
    Nuja – der öko Transport via eselkarren hat momentan hochkonjunktur – da kann es schon mal zu liefer engpässen
    kommen …..
    Liebe grüße aus takatuka Land …
    Ach – bevor ich es vergesse :
    Wer Ironie findet – darf sie behalten !!!

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