Jedes Jahr im jungen September röhren am Rande von Weiher hunderte Feldfräsen auf, um ihre Fahrerteams durch Schlamm und Matsch zu Ruhm und Ehren zu tragen.
Wütend schnaubend dampft die knatternde Hakorette heran, beschleunigt schon in der Kurve und nimmt Anlauf auf das zweite, das große, das tiefe Schlammloch. Durch den Regen der vergangenen Nacht dürfte die Traktion im Tümpel gegen null gehen – eine Herausforderung für jeden Fahrer und seinen Sozius. Doch das eingeübte Duo schafft es, diese legendäre Stromschnelle im 1200 Meter langen Parcours mit Bravour zu nehmen. Wie ein geölter Blitz saust sie aus der Vertiefung hervor und düst den weiteren verrückten Aufgaben entlang der Strecke entgegen: Drehen, Rutschen, Krabbeln, Robben… immer durch den Schmodder, immer gegen die Uhr.
Das klingt übrigens genau nach dem, was es unterm Strich auch ist: eine riesengroße Gaudi, ein echter Spaß, bei dem der sportliche Charakter und der Wettkampf absolut zweitrangig sind. Wenn wir richtig mitgezählt haben, müsste es die 28. Ausgabe des Hako-Rennens sein – das Tafelsilber im Jahreskalender der Hakofreunde Weiher, einem Verein, der sich die Pflege und den Erhalt von alten landwirtschaftlichen Geräten und Maschinen zum Ziel gesetzt hat.









Während das Gespann aus Odenheim das Schlammloch im Sturm erobert und dreckverkrustet auf die Zielgerade ein biegt, machen sich zwei Fahrerinnen aus Mengelse auf ihrer Fräse für die Rundfahrt bereit. Der kleine Motor ihres Gefährts summt aggressiv wie eine Wespe, zwei gestandene Kerle, die mit nackten Oberkörper am Geländer lehnen, kommentieren das Geräusch unbarmherzig: „Die schrotte doch glei ihr Getriebe…hörsch des ned?“ Eine Prognose die sich nicht bewahrheiten soll, die beiden Damen steuern ihr Hako sicher durchs Ziel.
Hako ist übrigens gleichzeitig der Name des kultigen Maschinenbauunternehmens aus Bad Oldesloe sowie die umgangssprachliche Bezeichnung für Einachser und Feldfräsen aus deren Hause. Eigentlich kleine landwirtschaftliche Maschinen, mit denen die Feldarbeit und diverse andere Aufgaben im bäuerlichen Alltag leichter von der Hand gehen – im Falle der Hakofreunde aber auch echte Rennboliden.
Beim Rennen in Weiher werden die flotten Fräsen in mehrere Klassen unterteilt: von der klassischen Ackerklasse bis hin zur tuning-affinen Supersportklasse oder gar der experimentellen Prototypenklasse. Ab dem ersten Startschuss am Vormittag düsen diese stets von zwei Fahrern gesteuerten Gespanne über die Piste – immer mit dem Ziel vor Augen, eine Bestzeit zu erzielen.










Und drumherum? Wird gefeiert. Das geht bereits am Freitagabend los mit einem offenen Training und einer großen Party im Nachgang, in diesem Jahr musikalisch unterstützt durch die ZAP-Gang. Die Teams, die beim Rennen an den Start gehen, nehmen teilweise lange Anfahrten auf sich. Aus ganz Baden-Württemberg, ach was, aus ganz Deutschland reisen sie nach Ubstadt-Weiher, um Teil der Legende zu werden.
Das Hako-Rennen hat mittlerweile regelrecht Festivalcharakter entwickelt. Neben dem großen Livekonzert gibt es ein Fahrerlager, eine echte Zeltstadt, einen Kindergarten und eine große Fressmeile – eben alles, was es für diese zwei ganz besonderen Tage jedes Jahr Anfang September braucht.
Wie jedes Jahr waren wir natürlich auch dabei und haben für euch eine Reihe schöner Fotos von der Piste mit nach Hause gebracht. Viel Spaß beim Anschauen!
Vielen Dank für den Artikel und die begleitenden Fotos. Mir hat das schwarz/weiß – Bild am Besten gefallen. Aus Erzählungen kann ich die Stimmung nur bestätigen. Und man hilft sich gegenseitig, man ist eine Familie von Hako Freunden,