Seit bald 25 Jahren gibt es in Zaisenhausen den legendären Rostbratenverein. Hier geht es nicht um Sport, Knallerei, Musik oder Tanz, sondern um genau das, was der Name vermuten lässt: ein herzhaftes, deftiges Stück Rostbraten.
„Wer einen guten Braten macht, hat auch ein gutes Herz.“ Das soll Märchenkönig Wilhelm Busch gesagt haben, und im Falle Klaus Schneppers passt das wie die Faust aufs Auge – oder das Fleisch in die Pfanne. Seit einem Vierteljahrhundert ist das Zaisehäuser Original ein Rostbraten-Junkie und hat sich zusammen mit einer Gruppe guter Freunde in die deftige Spezialität verliebt. Für alle kulinarischen Banausen da draußen: Dabei handelt es sich um ein extrem leckeres Rindfleischgericht, das in der schwäbisch-badischen Küche zu den ewigen Evergreens zählt. Für einen richtig guten Rostbraten braucht man richtig gutes und vor allem richtig gut abgehangenes Rindfleisch. Dieses wird in der Pfanne scharf angebraten – außen saftig, innen rosa – und serviert mit einer richtig kräftigen Bratensauce und geschmälzten Röstzwiebeln. Wenn Sie jetzt schon Hunger bekommen, dann haben Sie hoffentlich ein bisschen Mitleid mit mir: Während meines halbstündigen Interviews mit Klaus in der Zaisenhäuser Kelter musste ich in unmittelbarer Nähe zur Küche diese leckeren Düfte inhalieren, ohne an den Braten ranzudürfen.
Aus einer Bierlaune geboren
Während ich also den Braten gerochen habe – stellen Sie sich bitte jetzt schon auf eine Reihe weiterer Wortspiele mit Braten-Bezug ein –, erzählte mir Klaus haarklein, wie ein Verein aus der Taufe gehoben werden konnte, dessen thematischer Fixpunkt einzig und allein eine Fleischspeise ist. Es begab sich zu einer Zeit, als eine Gruppe guter Freunde regelmäßig wechselnde Restaurants und Lokale in der Region aufsuchte, um sich gemeinsam jeweils ein Stück Rostbraten zur Brust zu nehmen. Zu Beginn bewertete man im Anschluss noch die persönlichen Eindrücke und hielt diese auf Papier fest. Doch irgendwann wurde mehr aus der Sache.

Wie so viele andere schräge, aber gute Ideen wurde auch diese unter dem Einfluss badischen Gerstensafts geboren. Eines schönen Tages in der Gondelsheimer Rose – möglicherweise zusätzlich unter dem Einfluss von ein paar Dutzend Ouzo vom Rose-Wirt Thomas (Gott hab ihn selig) – entschloss man sich kurzerhand, die Liebe zum Rostbraten ein Stück weit zu professionalisieren. So wurde 2002 der Rostbratenverein Zaisenhausen gegründet. Zu den Gründungsvätern zählten neben Klaus Schnepper noch Roland Dauth, Udo App und Bruno Flach. Sinn und Ziel dieses damals schrägsten und neuesten Eintrages im örtlichen Vereinsregister lautete laut Website: „Den gemeinsamen Aktivitäten sollte ein geeigneter organisatorischer Rahmen gegeben werden und vor allem sollten auch andere interessierte Rostbraten-Fans die Möglichkeit bekommen, mit Gleichgesinnten ein paar gesellige Stunden zu verbringen.“

„Wir haben damals dann die Gründungsversammlung gemacht und gewählt. Ich bin dann halt Vorsitzender geworden und werde das Amt seitdem nicht mehr los – aber ich muss sagen, es macht immer wieder Spaß“, lacht Klaus, als er sich an diese Tage erinnert. Er kann heute noch nicht fassen, dass diese Schnapsidee immer noch Bestand hat und daraus derart viel Schönes und Großes erwachsen ist. Allem voran das alljährliche und mittlerweile mit echtem Kultstatus geadelte Rostbratenfest. Los ging es noch direkt im Gründungsjahr mit der Premiere im Herzen der Gemeinde, im Schatten der großen Zwillingstürme, erzählt Klaus: „Die ersten zwei Rostbratenfeste haben wir vorne am Rathaus im Kögelhaus gemacht. Das war ein altes Fachwerkhaus – so wie es war, mit den alten Tapeten an der Wand und einem Drei-Platten-Kocher in der Küche. Dort haben wir damals mit 80 Rostbraten angefangen.“
Vom Drei-Platten-Kocher zum Dorffest-Kult



Heute, fast 25 Jahre später, sind es mehrere hundert Rostbraten, die an einem Festtag über die Theke gehen. Handgemacht, nach echtem Zaisenhäuser Geheimrezept, zieht die Spezialität des Hauses schon vor dem offiziellen Festbeginn dutzende Gäste in die Kelter, wo das Fest seit etwa 2005 ausgetragen wird. 22 Euro kostet der Rostbraten mit allem Drum und Dran. Natürlich ist das budgetär eine andere Hausnummer als ein Worschdweck, aber dahinter stehen ja auch rund vier Wochen abgehangene 200 Kilo erstklassiges Rindfleisch, aufwendig zubereitet durch das Küchenteam des Vereins. Vor allem wer die Preise in der regulären Gastronomie kennt, weiß: In Zaisenhausen macht man hier einen echten Schnapper.
So sieht das auch Klaus: „Wir wollen, dass auch Familien oder Menschen mit weniger Geld zu uns kommen und Spaß haben können. Wenn eine Familie kommt und 30 Euro für einen Rostbraten zahlen müsste, macht das doch keinen Spaß mehr. Bei um die 20 Euro ist das viel besser.“

Gefeiert wird natürlich nicht nur über die Mittagszeit, sondern bis in den Abend hinein. Der Vereinsnachwuchs hat draußen eine Bierbar und einen Cocktailstand aufgebaut. Zusammen mit dem schönen Wetter ergeben sich daraus beste Rahmenbedingungen für das größte Fest im Dorf – wenn man mal vom Faschingsumzug absieht. In Sachen gute Laune muss das Rostbratenfest sich aber keineswegs verstecken: An diesem ganz besonderen Samstag am Ende eines jeden Sommers wird in Zaisenhausen gefeiert bis in den jungen Morgen. „Wir sind ein reiner Spaßverein“, weiß Klaus. Doch das tut dem Umstand keinen Abbruch, dass es auch hier um Zusammenhalt, um eine gemeinsame Idee und einfach um eine gute Dorfgemeinschaft geht.
Geheimtipps vom Rostbraten-Mastermind
Sollten Sie sich jetzt grün und blau ärgern, dass Sie das diesjährige Rostbratenfest verpasst haben, gibt es immerhin ein kleines Trostpflaster: ein paar exklusive Empfehlungen unseres Rostbraten-Masterminds Klaus – mühsam zusammengetragen in jahrelanger, intensiver Feldforschung. Auf seiner persönlichen Hitliste stehen unter anderem die Krone in Kraichtal-Gochsheim, der Badische Hof in Sulzfeld, das Clubhaus der Kickers in Bretten-Büchig sowie das Vogelheim in Oberderdingen-Flehingen. Sämtliche Lokale wurden auch von unserer Redaktion schon auf Herz und Nieren getestet und für hervorragend befunden. Falls Sie noch weitere heiße Adressen auf Lager haben: Teilen Sie Ihre Geheimtipps gerne in den Kommentaren! Wer sich die Vorfreude lieber aufsparen möchte, streicht sich den Kalender am besten jetzt schon fett an: Wir sehen uns im nächsten Sommer beim Rostbratenfest Zaisenhausen. Denn hier kommt wirklich jeder voll auf seine Kosten – na ja, zumindest alle, die mit Vegetariern nicht viel am Hut haben.