Tuberkulose-Fälle an Bad Schönborner Schulen

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Der Erreger Mycobacterium tuberculosis unter dem Mikroskop

Vermutlich zwei Schüler infiziert – Situation unter Kontrolle

Wie zuerst aus Elternkreisen der Bad Schönborner Michael-Ende-Schule an uns herangetragen wurde, ist offenbar in den vergangenen Tagen ein Schüler an Tuberkulose erkrankt. Das Gesundheitsamt bestätigte uns auf Anfrage hin zwei Fälle der Infektionskrankheit in der Kurgemeinde:

“In der Michael-Ende-Gemeinschaftsschule in Bad Schönborn-Mingolsheim ist ein Fall von ansteckender Tuberkulose aufgetreten, in der Franz-Josef-Kuhn Grundschule in Bad Schönborn-Langenbrücken ein weiterer Fall, bei dem die
Ansteckungsfähigkeit noch nicht sicher beurteilt werden kann”

Landratsamt Karlsruhe / Gesundheitsamt

Bei der Tuberkulose handelt es sich um eine meldepflichtige Infektionskrankheit, die in Deutschland im vergangenen Jahr ca. 6000 Mal diagnostiziert wurde. Seit 2013 verzeichnet das Robert-Koch-Institut einen leichten Anstieg der diesbezüglichen Fallzahlen in der Bundesrepublik, ausgelöst mitunter durch die höheren Migrationsbewegungen aus ärmeren Ländern in denen die Krankheit noch häufiger anzutreffen ist. Im weltweiten Vergleich tritt die Krankheit bei uns aber nur selten auf und gilt als gut therapierbar.

Die Krankheit wird vorrangig über die Luft übertragen, bei den meisten Patienten ist hiervon die Lunge betroffen. Markante Symptome einer Tuberkulose sind u.a. Husten, Nachtschweißausbrüche, mildes Fieber und Schwäche. Bei längst nicht allen Patienten die sich mit Tuberkulose infiziert haben bricht die Krankheit auch tatsächlich aus. Oft verbleiben die Erreger ohne Symptome im Körper, Ausbrüche sind am ehesten bei geschwächten Menschen und Kleinkindern zu erwarten.

Verantwortlich für die Tuberkulose ist der Erreger Mycobacterium tuberculosis. Kommt es zum Ausbruch einer Infektion spricht man von einer aktiven TBC, findet der Erreger Anschluss an die Atemwege spricht man von einer offenen TBC. In diesem Fall müssen Patienten zunächst unter Quarantäne gestellt werden und über Monate hinweg spezielle Antibiotika einnehmen. Bei der nicht ansteckenden Form von Tuberkulose spricht man von einer “geschlossenen TBC”.

Die Michael-Ende-GMS in Bad Schönborn / Archivbild

Im Falle der Bad Schönborner Schulen kann nun offenbar in mindestens einem Fall von einer offenen Tuberkulose ausgegangen werden, derzeit sind mehrere Ärzte vor Ort und führen entsprechende Untersuchungen durch. Bis jetzt sind allerdings keine weiteren Erkrankten und damit auch keine weiteren ansteckenden Personen gefunden worden, so das Amt in einer öffentlichen Stellungnahme.

Wichtig dabei zu wissen und darauf verweist auch das Gesundheitsamt:

Wer sich angesteckt hat wird nicht automatisch auch krank! Personen, die sich angesteckt haben, aber nicht erkranken, sind für andere nicht ansteckend!

Landratsamt Karlsruhe / Gesundheitsamt

Keine Panik!

Eltern in Bad Schönborn sollten nun die Ruhe bewahren und sich dessen bewusst sein, das ihren Kindern keinerlei Gefahr droht. Beide infektiösen Kinder wurden isoliert und werden nun bis zu ihrer vollständigen Genesung behandelt. Bislang wurden keine weiteren aktiven Infektionen entdeckt weswegen bereits jetzt vorsichtig Entwarnung gegeben werden kann. Der Schulbetrieb an beiden Schulen kann normal weitergehen und niemand muss mit einer Infektion des eigenen Kindes rechnen, da keine potentiellen Überträger der Krankheit vorhanden sind. Die Informationswege und behördlichen Mechanismen haben wie vorgesehen gegriffen.

Ansteckung heißt nicht Erkrankung

Das erkrankte Kind wird nun in Karlsruhe in einer Kinderklinik behandelt. Jene Kinder die mit ihm engeren Kontakt hatten, werden derzeit mit einem Bluttest auf den Erreger hin untersucht und gegebenenfalls dementsprechend versorgt. Es wurden bereits einige Ansteckungen auf diesem Wege nachgewiesen, so das Gesundheitsamt, führt aber weiter aus:

Personen, die sich mit Tuberkulose angesteckt haben, aber nicht erkranken, haben dadurch keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Und sie sind für andere nicht ansteckend! Erst wenn sich eine „aktive Tuberkulose“ entwickeln sollte, und diese so weit fortschreitet, dass die Bakterien Anschluss an die Luftwege bekommen, wird eine Person ihrerseits ansteckend.

Landratsamt Karlsruhe / Gesundheitsamt

Weitere Informationen zum Thema finden Sie im Netz unter diesem Link.

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17 Gedanken zu “Tuberkulose-Fälle an Bad Schönborner Schulen”

  1. Das sich weit mehr Personen (Kinder und Lehrer) als ursprünglich erwartet angesteckt haben, sollte hier noch erwähnt werden.

  2. Wird ganz schön heruntergespielt was hier steht….gestern War Informationsveranstaltung der Behörde. ..bei unangenehm gestellten Fragen wurde einer Mutter das Mikrofon abgenommen und des Saales verwiesen……es ist ernster als es öffentlich dargestellt wird

  3. Nichts ist unter Kontrolle, es sollen nur die verantwortlichen Personen geschützt werden. Einen Arzt der das Kind nicht isoliert und weiter zur schule schickt. Das Problem liegt an den mittlerweile resistenten Erregern.

  4. Gestern hieß es (bei der Infoveranstaltung in der MES) vom verantwortlichen Arzt des Gesundheitsamtes, dass der Erreger nicht resistent sei und gut behandelbar wäre.

  5. Was mich interessieren würde, wer der behandelnde Arzt war, natürlich schreibt das keiner, DSGVO-technisch eh kritisch. Hoffe nicht, dass es ein ortsansässiger Arzt war/ist. Und noch eine Frage die im Raum steht: Wie lange war das Kind ansteckend und dabei in der Schule? Bei so vielen Neuansteckungen wäre die Antwort höchst spannend.

  6. Antwort auf den letzten Kommentare: ein Arzt ganz in der Nähe der schule. Bei blutigem Auswurf sollte eine Diagnose immer Lungenentzündung und Tuberkulose ausschließen.

  7. Das Kind war meiner Informationen nach länger als 2 Wochen an der schule…….. in der klasse meiner Tochter. ………

  8. meine Tochter (ebenfalls in der Klasse des Kindes) meinte, dass das Kind mehrere Wochen bis Monate stark gehustet hätte, hm!?

  9. Hier haben alle versagt. BetriebsBlindheit. Menschen machen Fehler. Doch wenn die verantwortlichen nicht dazu stehen und Fehler einräumen, wird das niemand tolerieren. Wut und Zorn entstehen. Niemand macht bewusst Fehler doch bewusst wird es vertuscht.

  10. Unfassbare Sauerei! !! Und ja es wird runtergespielt….und ja einer Mutter das Wort zu nehmen, die genau auf diese Risensauerei zu sprechen kommt, wundert mich heute auch nicht wirklich!! Wir werden als Interessenggemeinschaft vorgehen…..und die Verantwortlichen zur Brust nehmen….gegebenenfalls auch öffentlich! ! DAS WERDEN WIR SO NICHT STEHEN LASSEN!!

    • Kann gefährlich werden – Zitat: „Verantwortlich für die Tuberkulose ist der Erreger Mycobacterium tuberculosis“

  11. Ist schwer zu erfassen was hier gerade passiert an unserer Schule. Doch ist die Panik unserer Mütter berechtigt da es immer besser ist zu viel zu tun als zu wenig. Lieber Vorsicht als Nachsicht. Daß Gesundheitsamt ist nur ein Amt im Interesse des Staates. Hier zählt nicht der Mensch an sich. Persöhnliche Interessen zählen nicht. Doch ich als Person interessiere mich für meine Belange.

  12. Was mich wundert, dass ein Kind bei Lausbefall daheim bleiben muss, bis ein Arzt das Gegenteil feststellt, aber starker Husten wird toleriert? Das hier ist jetzt eine ganz andere Hausnummer, leider. Ich fühle mit allen Betroffenen mit.

  13. Es ist schon fast zynisch, wenn man sich anschaut, was das Gesundheitsamt und das Landratsamt Karlsruhe von sich gibt. Es ist zudem sowohl medizinisch als auch mikrobiologisch grundfalsch! Die betroffenen Menschen werden mit ihren Ängsten und Sorgen nicht nur allein gelassen, sondern vom Staat auch noch vorsätzlich belogen!
    Zudem kommt hier erneut das Komplettversagen des Bundesamtes für Migration zum Vorschein:
    Die armen Teufel, die als Migranten nach Deutschland kommen – und bitte nicht falsch verstehen, ich habe mehr als nur Verständnis für deren Hoffnungslosigkeit in den Heimatländern und den Wunsch nach einem besseren Leben in Freiheit und ohne Armut – sollten nicht einfach nur einmal bei ihrer Ankunft ein Röntgenbild der Lunge erhalten. Denn diese eine Aufnahme gibt lediglich Aufschluss darüber, ob ggfs. eine offene TBC vorliegt – es ist also eine Momentaufnahme im wahrsten Sinne des Wortes! Was komplett vernachlässigt wird: Jeder Ankömmling muss im Grunde einen Bluttest auf den TBC-Erreger bekommen, um eben auch Fälle zu entdecken, die eventuell erst in Monaten oder Jahren eine offene und dann ansteckende TBC entwickeln, den Erreger aber schon lange in sich tragen. Hier liegt das eigentlich Risiko! Die Gesundheitsbehörden nehmen also aus reiner Kostenersparnis in Kauf, dass von 100 TBC positiven Ankömmlingen mindestens 15 in den kommenden Monaten und Jahren eine TBC entwickeln werden. Nochmal: Nicht jeder Ankömmling ist TBC positiv! Das währe unlauter, dies zu sagen. Es sind jedoch deutlich mehr infizierte Menschen als Träger unter den Ankömmlingen als im Durchschnitt der deutschen Bevölkerung! TBC ist unmittelbar mit den hygienischen Verhältnissen der Betroffenen assoziiert. Deshalb gibt es z.B. auch in Haftanstalten in aller Welt höhere TBC-Raten als in der Durchschnittsbevölkerung.
    Es ist also geradezu fahrlässig (oder ist es bereits Vorsatz?), diese armen Menschen nicht einer Bluttestreihenunterschung zu unterziehen, sobald sie in Deutschland ankommen.
    Faktum in Bad Schönborn ist – und das verschweigen die Gesundheitsbehörden und das Landratsamt geflissentlich, wenn sie behaupten, “keine Panik und alles unter Kontrolle”: Die Schüler, die nun in der Blutuntersuchung positiv auf den Erreger getestet wurden, müssen sich entweder einer lebenslangen jährlichen Röntgenuntersuchung der Lunge unterziehen oder eine mehrmonatige nicht gerade nebenwirkungsarme prophylaktische Antibiose über sich ergehen lassen! Im schlimmsten Fall – nämlich bei ca. 15% der positiv Getesteten – trifft wohl beides zu! Meine Nichte gehört zu den positiv getesteten Leidtragenden der behördlichen Nachlässigkeit! Sie ist 14 Jahre alt. Mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 80 Jahren, wird sie folglich 66 vermeidbare Röntgenuntersuchungen über sich ergehen lassen müssen, nur weil inkompetente Sachbearbeiter in unseren Behörden “4,95 €” für eine Blutuntersuchung der Ankömmlinge in Deutschland sparen wollen! Das bedeutet: erhöhtes Lungenkrebsrisiko und erhöhtes Brustkrebsrisiko mit zunehmender Anzahl an Röntgenbildern über die Jahre, da die gerade sich entwickelnden Brüste junger Mädchen und Frauen sich im Strahlenfeld der Röntgenaufnahmen befinden. Alles kumuliert versteht sich!
    Mich würde interessieren, was das Bundesamt für Strahlenschutz dazu sagen würde. Dort werden immer wieder klinische Studien abgelehnt, die auch nur eine oder zwei zusätzliche Röntgenaufnahmen oder Computertomografien im Behandlungsplan haben. Wir sprechen hier von einer nicht endenden Zahl von zusätzlichen Aufnahmen bis zum Lebensende, da die TBC-Erkrankung auch noch nach Jahren und Jahrzehnten ausbrechen kann.
    Das ist der eigentliche Skandal an der Sache! Sollte als Folge dieser verfehlten Behördenleistung auch nur ein einziger Fall von TBC, Lungenkrebs oder Brustkrebs auftreten, würde dies zumindest den Tatbestand der unterlassenen Hilfeleistung erfüllen.
    Und da die Gesundheitsbehörden genau dies auch wissen, wurden offenbar kritische Fragen besorgter Eltern bei den “Informations”-Veranstaltungen unterbunden und Leute des Saales verwiesen.

    • Thorsten Sperber. Genauso sehe ich das auch… Ich war eine der Mütter bei der Informationsvetanstalung deren Fragen unterbunden wurden. Auch ich bin dafür, dass wir eine Interessengemeinschaft bilden sollen und gegen diese Sauerei vorgehen…..einer alleine kann nichts ausrichten…. Aber je mehr sich anschließen umso mehr können wir bewirken

  14. Daumen hoch für Thorsten Sperber, hier spricht uns jemand aus dem Herzen, wo bleibt der öffentliche Aufschrei? Ich fühle mit Ihrer Nichte und der Familie mit.
    Meine Tochter ist noch nicht positiv auf den Erreger getestet worden, was nicht ausschließt, dass sie sich nicht doch angesteckt hat, und ich bin trotzdem ausser mir, denn wir kennen viele, die sich in diesem Fall neu angesteckt haben. Ich bin über das ganze Thema und die Informationspolitik des Gesundheitsamtes nur entsetzt.

  15. Liebe Foristen, herzlichen Dank für ihre zahlreichen Beiträge. In der Tat sind in dieser Sache noch sehr viele Fragen offen. Wir haben entsprechende Anfragen an das Gesundheitsamt, das Schulamt und die Schule selbst gestellt. Um ein vollständiges Bild zu erhalten benötigen wir aber noch weitere Wahrnehmungen und Erfahrungen betroffener Eltern und Schüler. Wir bitten um Rückmeldung telefonisch an 07251 9320403 oder per E-Mail an redaktion at huegelhelden.de

    Selbstverständlich sichern wir Ihnen – wie in allen anderen Angelegenheiten auch – absolute Diskretion zu.

    Herzlichen Dank

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