Strampeln für die gute Sache – 20 Jahre SEW-Benefiz-Radler

Strampeln für die gute Sache - 20 Jahre SEW-Benefiz-Radler
Was 1999 auf dem Marktplatz in Mingolsheim mit einer Radtour nach Bremen begann, hat 20 Jahre später eine Gesamtspendensumme von 155.816,22 Euro zu Gunsten krebskranker Kinder ermöglicht.

Zwei Jahrzehnte engagiertes „In-die-Pedale-treten“

Seit 20 Jahren gibt es die SEW-Benefiz-Radler – 155.816,22 Euro für den guten Zweck erradelt

Bad Schönborn (ris). Es begann mit der Idee einiger Nachtschicht-Kollegen der SEW Eurodrive. „Wir machen eine Fahrradtour und lassen die uns bezahlen für einen guten Zweck.“ Die erste Tour führte vier junge Mitarbeiter der Bruchsaler Firma nach Bremen und brachte 1.500 DM an Spenden, damals für den Freundeskreis Leukämiekranker. Zwanzig Jahre und 17 Länder später haben Matthias Beyer (Münzesheim), Christian Richling (Oberhausen) und Rainer Haßfeld (Mingolsheim)sowie die ehemaligen Mitradler Joachim Raab, Markus Hannich und Ingo Böser insgesamt 49.083 Kilometer und 155.816,22 Euro erradelt. Sie begünstigen damit den Förderverein zur Unterstützung der onkologischen Abteilung der Kinderklinik Karlsruhe (FUOKK) und haben schon viele besondere Projekte mitfinanziert. Ob offener Kernspindtomograf, häusliche Betreuung der kleinen Krebspatienten, Spielezimmer oder Telemedizinische Kooperation der Ärzte, viele Besonderheiten der klinischen Abteilung konnten durch die Spendengelder der drei Radler realisiert werden.

Zur 20. Tour, die am Samstag, 7. Juli, traditionell in Bad Schönborn vor dem Mingolsheimer Radhaus startet, zogen die Radler Bilanz. Matthias Beyer hat alle Touren mitgefahren. Er plant die Routen, die nach wie vor mit Landkarte gefahren werden. „Das hat sich bewährt,“ so der 57-Jährige, der in der SEW-Zahnrandfertigung in Graben arbeitet und stolzer Opa dreier Enkel ist. Nur einmal fehlte Rainer Haßfeld (42) krankheitsbedingt und verpasste die Tour in 2014 nach Hamburg. Der 42-jährige NC-Programmierer im Bruchsaler SEW-Großgetriebewerk erinnerte an die Anfänge, als es 1999 nach Bremen ging. „Damals machte ein Passant noch ein Foto von uns auf dem Marktplatz – das einzige von dem ersten Tourstart.“

Seit 2006 – als es nach Wien und Bratislava ging – ist auch der 42-jährige Elektroniker Christian Richling dabei. Wie seine beiden Kollegen schätzt er die vielen Eindrücke, die die Touren ihnen bescheren, besonders. „Die Landschaft, die Städte und auch die Kleinigkeiten, die wir sehen, machen diese Touren aus“, so der Vater von drei Töchtern. Auch Matthias Beyer erfreut sich an den besonderen Blickwinkeln, die die Touren bieten. „Wir kommen in Gegenden, wo wir sonst nie im Leben hinkommen würden.“ Gerade die Touren durch Polen (2008) und Tschechien (2010) boten viele Einblicke in Land und Leute, aber „jede Tour hat ihren Reiz und ist an sich etwas Besonderes.“ Rainer Haßfeld tut sich schwer damit eine der bisherigen 19 Touren hervorzuheben. Aufregend war die erste Alpenüberquerung auf dem Weg nach Mailand in 2002, die absolut problemlos verlief.

Problemlos ist auch die Organisation der Touren. Inzwischen haben die drei Benefizradler die Routine für Planung und Durchführung der Touren. Ob nach England in 2007, Schweden (2009) oder die letztjährige Tour nach Brüssel, sie setzen nach wie vor ihre eigenen Urlaubstage ein (jeder von ihnen fast vier Jahre ihrer Urlaubstage), zahlen ihre Kost und Logis selbst und legen ein sportliches Tempo vor. 2001 fuhren sie Tagesdurchschnitte von 183 Kilometer – und das sechs Tage lang – auf dem Weg nach Kopenhagen. Insgesamt haben sie 110,5 Fahrtage mit einem Mittelwert von 145 Kilometer pro Tag absolviert.

Strampeln für die gute Sache - 20 Jahre SEW-Benefiz-Radler
In ihrem Jubiläumsjahr zieht es die SEW-Benefizradler (von links) Christian Richling, Matthias Beyer und Rainer Haßfeld nach Bozen. Der Jubiläums-Tourstart ist am Samstag, 7. Juli – ebenfalls in Mingolsheim.

Über die Jahre haben sie vieles optimiert – von dem minimalen Gepäck, dass sie mitnehmen, zu der Planung der abendlichen Unterkünfte oder der Akquise von Spendern und Sponsoren. Schließlich steht der Benefizgedanke immer im Vordergrund jeder Tour. Dabei ist die Spendensumme von Jahr zu Jahr gewachsen. Im letzten Jahr brachte die „relative kurze Tour nach Brüssel“ mit „nur“ 660 Kilometer ein Traumspendenergebnis von 21.000 Euro. „Wir merken, dass es nicht auf die Kilometeranzahl ankommt, sondern, dass wir überhaupt fahren und die Leute das honorieren,“ so Rainer Haßfeld. „Die Kontinuität ist auch wichtig,“ so Matthias Beyer, der darauf verweist, dass der Start immer in Bad Schönborn ist, dass die Zusammensetzung ihrer Gruppe so bleibt und, dass die Spenden krebskranke Kinder und ihrer Familien unterstützen. Christian Richling sieht auch den Rückhalt in den Familien als wichtigen Erfolgsfaktor für das langjährige Engagement. Ebenso verweist er auf die treuen Spender und Sponsoren – allen voran die SEW – die Jahr für Jahr mit kleinen und großen Spenden den Benefizgedanken der Touren ermöglichen. Bewegend waren immer die Besuche in anderen SEW-Werken entlang der Strecke. Herzliche Empfänge der dortigen Kollegen mit gesammelten Spendenübergaben und manch touristischem Highlight bleiben den dreien in Erinnerung. Auch waren Empfänge bei Behörden oder bekannten Persönlichkeiten aus Sport und Politik oftmals möglich.

„Man kennt uns, der Ruf eilt uns ab und zu schon voraus,“ lacht Rainer Haßfeld. Auch unterwegs – entlang der Strecke am Rhein, am Deutschen Eck in Koblenz, auf der Rückfahrt im Zug oder in Brüssel – treffen sie auf Menschen, die sie und ihren Benefizgedanken kennen und unterstützen. „Mal sehen, was wir auf dem Weg nach Bozen erleben,“ so Matthias Beyer. In diesem Jahr startet die Tour am Samstag, 7. Juli, um 8 Uhr am Rathaus in Mingolsheim. „Wir fahren sechs Tage lang und überqueren auch dieses Mal die Alpen,“ erklärt Christian Richling. Dabei ist wieder einen Empfang in Innsbruck beim dortigen Bürgermeister geplant. „Auch unterstützen wir das neueste Projekt des FUOKK,“ erzählt Rainer Haßfeld, „die Verbesserung der Vitalparameterüberwachung der kleinen Chemotherapiepatienten auf der Kinderklinikstation.“

INFO:
Auch bei der Jubiläumstour bitten die drei SEW-Benefizradler um Spenden für die Aktion. Diese können an den FUOKK e.V. Karlsruhe unter dem Stichwort „SEW-Benefizradtour 2018“ überwiesen werden, IBAN DE18 6605 0101 0109 0282 33 und BIC KARSDE66XXX.

Redaktion: Nadia Ries

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