Shop oder Flop?

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Generationenwechsel beim Branchenbund Bruchsal

Der Einzelhandel steht am Scheideweg – im Grunde eine Binsenweisheit, die es kaum näher auszuführen gilt. Das Kaufverhalten der Menschen ändert sich nicht erst seit gestern, die Konkurrenz aus dem Netz hat sich zwischenzeitlich nicht nur die größten Stücke des Kuchens gesichert, sondern je nach Branche schon fast den ganzen. Ganz homogen verläuft dieser Wandel natürlich nicht; es gibt durchaus noch Bereiche, in denen das Geschäft vor Ort mehr oder minder gut funktioniert.

Lokale Händler behaupten sich am besten in Branchen, die persönliche Beratung, sofortige Verfügbarkeit, handwerkliche Dienstleistungen oder ein sinnliches Erleben vor Ort bieten – etwa im Lebensmittelhandel, bei Handwerk und Reparatur, in Apotheken, Buchhandlungen sowie bei Friseuren, Floristen und spezialisierten Fachgeschäften.

Bruchsal im Sommer 2019 / Archivbild

Dennoch: Während im Onlinehandel ein Geschäft bequem vom Sofa aus erledigt werden kann, müssen lokale Geschäfte die Kundschaft zunächst einmal in die Stadt locken. Das bedeutet Verkehr, Parkplatzsuche, den Transport der Einkäufe … Am ehesten funktioniert das in einer vitalen und lebendigen Stadt, die über das reine Einkaufen hinaus auch noch attraktiv für die Menschen aufgestellt ist.

Die Rolle des Branchenbunds

Genau an dieser Stelle kommt in Bruchsal der Branchenbund ins Spiel – ein Zusammenschluss verschiedener Geschäftstreibender aus der Stadt, deren gemeinsames Ziel es ist, den Einkaufsstandort Bruchsal lebendig zu halten. Hervorgegangen aus der einstigen Werbegemeinschaft Bruchsal und dem Stadtmarketingverein, setzt sich der Branchenbund dafür ein, den Einzelhandel der Stadt attraktiv aufzustellen und zu unterstützen.

Das geschieht beispielsweise durch eine Reihe großer und identitätsstiftender Veranstaltungen – dazu gehören der Brusler Herbst, der Brusler Frühling, aber auch große und beliebte Zugpferde wie die mehrtägige Open-Air-Veranstaltung Brusl Nights.

Ein Ära geht zu Ende

Oberster „Bundesbruder“ war über viele Jahre Sven Wipper, Inhaber mehrerer Tanzschulen und Eventlocations im Raum Bruchsal/Bretten, der den Branchenbund in den vergangenen 14 Jahren angeführt hat. Unter seiner Führung hat sich die Vereinigung weiterentwickelt, besagte Veranstaltungshighlights ins Leben gerufen, die sich jedes Jahr großer Beliebtheit erfreuen.

Liliana und Sven Wipper

Unter Wipper ist der Branchenbund auch Wagnisse eingegangen, von denen manche ein Erfolg wurden, manche jedoch hinter den Erwartungen zurückblieben. Zu nennen wäre hier beispielsweise die Symbiose aus lokalem Einkauf und Onlineshopping in Bruchsal unter dem Projektnamen Lomeka. Das Bruchsaler System, das das Beste aus zwei Welten zusammenbringen sollte, war von der Konzeption her eine tolle Idee, scheiterte aber letztlich an mangelndem Engagement der Beteiligten.

Gerade Letzteres ist der größte Hemmschuh für den Branchenbund. Denn auch wenn sich sehr viele Einzelhändler in der Stadt engagieren, sind es längst nicht alle. Das ist schade, führt es doch auch zu einer Fragmentierung, die besonders bei Veranstaltungen sichtbar wird – wenn in manchen Straßen nur jedes zweite oder auch nur jedes dritte Geschäft Präsenz zeigt.

Der Staffelstab wird weitergegeben

Nach 14 Jahren intensiver und aufreibender Arbeit hat Sven Wipper nun seinen Rückzug vollzogen. Mit ihm scheiden gleich mehrere Vertreter des Branchenbundes aus und machen Platz für eine neue Generation.

Benjamin Heck, neuer Vorstand des Branchenbundes. (Erster von rechts)

Im Zuge der jüngsten Hauptversammlung wurden neue Köpfe an die Spitze des Bundes gewählt: Erster Vorsitzender wurde Benjamin Heck, die Nummer 2 ist Adrian Varga. Während man Benjamin Heck als Festprofi in Bruchsal kennt, ist Adrian Varga der Kopf hinter dem großen Rewe-Markt im Saalbachcenter. Weitere Vorstandsmitglieder sind Nadine Braunecker (Weingut Bosch) und Annette von Beck (Profi Foos). Beisitzer wurde Marc Neumann (Ungeheuer Automobile).

Sven Wipper begrüßt den vollständigen Generationenwechsel im Vorstand und sieht ihn als Chance für Innovation und frische Ideen – beides essenzielle Voraussetzungen, um den Einzelhandel in Bruchsal durch die Widrigkeiten und die Brandung zu tragen.

Klare Ziele und frischer Wind

Benjamin Heck, der neue Vorsitzende des Branchenbundes Bruchsal, blickt mit klaren Zielen auf die kommenden Monate:
„Nach den Wahlen am 10. März und der schnellen Findung unseres Vorstandsteams in weniger als drei Wochen starten wir offiziell mit unserer ersten Vorstandssitzung am 27. März“, so Heck.

Viele größere Projekte wie verkaufsoffene Sonntage, die BruslNight und Bruchsal leuchtet seien bereits durch den alten Vorstand angestoßen worden. Das erste sichtbare Projekt des neuen Teams werde der verkaufsoffene Sonntag am 6. April sein – inklusive bewährter Mobilitätsschau und neuen Elementen wie Fahrradausstellern, Flohmarkt und einem erstmals stattfindenden Kidscorner auf dem Otto-Oppenheimer-Platz mit Hüpfburgen und Kinderschminken.

„Uns ist wichtig, die Besucherinnen und Besucher in die gesamte Innenstadt einzubinden, sodass jeder Gewerbetreibende davon profitiert“, betont Heck. Auch die Belebung der Gewerbegebiete steht auf seiner Agenda: „Durch gezielte Aktionstage mit Rahmenprogramm – etwa an Samstagen – wollen wir auch diese Standorte stärker in den Fokus rücken.“

Ein zentrales Anliegen sei zudem der Netzwerkaufbau unter den Bruchsaler Firmen, um gemeinsam den Standort zu stärken. „Dazu gehört auch eine intensivere Zusammenarbeit mit der Stadt Bruchsal – insbesondere mit dem Stadtmarketing und der Wirtschaftsförderung –, damit wir für unseren Standort das Beste herausholen können.“

Für den Spätherbst kündigt Heck eine außerordentliche Mitgliederversammlung beziehungsweise Pressekonferenz an, in der die Schwerpunkte und neuen Ansätze für das Jahr 2026 vorgestellt werden sollen. „Ich freue mich auf viele neue, spannende Projekte, die wir als Vorstandsteam gemeinsam gestalten dürfen.“

Verabschiedung eines Wegbereiters

Bei einem kleinen Festakt am Mittwochabend im Casa Mia, der an die Tanzschule Wipper angeschlossenen Eventlocation, wurde Sven Wipper von zahlreichen Weggefährten und Gästen verabschiedet. Mit dabei war auch Bruchsals scheidende Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick.

Cornelia Petzold-Schick und Sven Wipper

In einer kurzen Ansprache würdigte sie die Verdienste von Sven Wipper und ging dabei auch mit einem Augenzwinkern auf die sehr direkte Art des Branchenbundchefs ein: „Er kann ja ein paar WhatsApp schreiben, die es richtig in sich haben“, so Cornelia Petzold-Schick – hob aber insbesondere die Führungsqualitäten und die Problemlösungskompetenz von Sven Wipper hervor.

„Respekt für 14 Jahre klasse Arbeit“, so die Oberbürgermeisterin weiter, die nur einen Tag danach verkündete, bei der in Kürze anstehenden Oberbürgermeisterwahl nicht mehr kandidieren zu wollen.

Neue Wege, neue Ziele

Sven Wipper wird sich nun in erster Linie auf die Familie und die Gesundheit konzentrieren – zudem auf die Arbeit in der eigenen Tanzschule. Hier möchte er ein ganz neues Konzept auf die Beine stellen. Was sich genau dahinter verbirgt, verrät er zur Stunde aber noch nicht.

Für seine Nachfolger hat er klare Wünsche: „Gute Nerven und viel Glück.“ Beides wird der neue Vorstand gut gebrauchen können, denn die Luft für den lokalen Einzelhandel ist nach wie vor äußerst dünn.

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5 Kommentare zu „Shop oder Flop?“

  1. Ich sehe es eher als langsames ausbluten an, wo die Innenstadt mit billigen überall gleichem Fastfood geschwemmt wird ;-) Ich brauch das nicht …

  2. Mit Verlaub,

    viele Aktionstage mit Flohmarkt und Autoschau jucken mich nicht, das gibt es seit 50 jahren.

    Bevor der Messplatz ersatzlos meist für Zugezogene oder Leute, die einen guten Job bei SAP oder in Stuttgart haben aber in Brusl günstiger wohnen bebaut wurde, den Einwohnern also der Jahrmarkt genommen wurde gab es 2 verkaufsoffene Sonntage und viele verbanden den Jahrmarktbesuch mit einem Stadtbummel.

    Es gibt im Gegensatz zu Karlsruhe, Durlach und vielen Orten im Kraichgau kein regelmäßiges Stadtfest das auch beim Einzelhandel für Umsätze sorgen würde..

    Außer samstags gehe ich nicht mehr gern in die Stadt.
    Und das liegt nicht nur daran, dass es immer weniger Geschäfte gibt wie vor ein paar Wochen einseitig in der BNN stand. 😀

  3. Ich kaufe hier vor Ort meine Klamotten, denn ich möchte den Einzelhandel in Heidelsheim stärken. Es erfordert manchmal etwas Geduld, weil der Inhaber auch noch die Kunden der Postagentur bedient. Was ich hier kaufe ist sehr gut und ich bin sehr zufrieden.
    Manchmal kaufe ich ein Baguette in Forst. Meistens jedoch bei „meinem“ Bäcker in Lauterbourg.

  4. Für was will Brusl eigentlich stehen ??
    Ich wohne seit 30 Jahren hier und ich kenne nix was typisch für Bruchsal sein soll ??? Überall das gleiche auf der Basis, steuerlicher Einnahmen 😉. Da feiert man gerne den Niedergang zur Not auch mit Pizza Hut , wo mittlerweile wieder geschlossen ist 😉👍🤡

  5. Döner macht schöner

    Leider seit der Anadolu neue Pächter hat find ich in Bruchsal keinen anständigen mehr :-(

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