„Rezept-Briefkasten“ statt Apotheke in Kraichtal-Gochsheim

Bürgermeister Ulrich Hintermayer (links) zusammen mit den drei Apothekern Dorothea Haßler (hält den „Rezept-Briefkasten“ in den Händen), Martin Bratler, Theresia Bschorer-Krause und Hausbesitzer Karl Kern (v. l. n. r.) am Gebäude der Praxis Dr. Neumann-Cosel in der Hauptstraße 131 in Kraichtal-Gochsheim, wo der „Briefkasten“ zum 1. Oktober hängen wird.

Nach der Schließung der Stadt-Apotheke gibt es ab Oktober eine Rezeptsammelstelle

Kraichtal (sn). Alle 38 Stunden schließt in Deutschland eine Apotheke – und zwar für immer. Auch für die älteste Apotheke im Kraichgau, die Stadt-Apotheke in Kraichtal-Gochsheim, konnte – trotz intensiver Bemühungen – nach dem Ausscheiden der Inhaberin zum 31. Juni kein Geschäftsnachfolger gefunden werden. Zuvor stand Anna-Elisabeth Kessler-Rastätter ihren Kunden über zehn Jahre lang als kompetente Ansprechpartnerin in allen Fragen und Angelegenheiten der Gesundheit zur Verfügung. Nun ist die Landapotheke, untergebracht in einem altehrwürdigen Gebäude in der Gochsheimer Hauptstraße, Geschichte. Für die Kundinnen und Kunden ein herber Verlust. Doch auf Initiative von Apotheker Martin Bratzler (Kraichtal-Apotheke Kraichtal-Menzingen), Apothekerin Dorothea Haßler (Markgrafen-Apotheke Kraichtal-Münzesheim) und Apothekerin Theresia Bschorer-Krause (Schloss-Apotheke Oberderdingen-Flehingen) kann der „Unterversorgung“ zumindest insoweit Abhilfe geschaffen werden, dass in Gochsheim ab 1. Oktober ein Briefkasten für Rezepte als sogenannte „Rezeptsammelstelle“ eingerichtet wird.

Wie funktioniert der „Rezept-Briefkasten“?

Der entsprechend gekennzeichnete Briefkasten befindet sich in der Hauptstraße 131 am Gebäude von Karl Kern, in dem auch die Praxis Dr. Neumann-Cosel untergebracht ist. Vor Ort können die Kraichtaler sowie die benachbarten Flehinger ab dem Monat Oktober ihre Rezepte einwerfen. Die gewünschten Medikamente werden dann auf Wunsch direkt nach Hause geliefert oder können in der „diensthabenden“ Apotheke vor Ort abgeholt werden. Die drei involvierten Apotheker wechseln sich monatlich mit dem „Briefkasten“-Dienst ab. Der Kunde findet einen entsprechenden Hinweis auf dem Briefkasten angebracht. „Gerade für kleine Städte und Gemeinden wie Gochsheim bietet sich solch ein Briefkasten an“, begrüßt Kraichtals Bürgermeister Ulrich Hintermayer das Konzept. Ab Montag, 1. Oktober, kann der Briefkasten von den Bürgern genutzt werden, bis dahin wird er von Karl Kern an der Fassade seines Hauses angebracht. „Ohne Herrn Kerns Zutun hätten wir die Idee nicht in die Tat umsetzen können“, berichtet Martin Bratzler im Gespräch mit dem Stadtoberhaupt. „Er ist unser wichtigster Mann“, so der Apotheker schmunzelnd. Die Vorgehensweise vom Rezept zum Medikament erklärt er wie folgt: „Das Rezept sollte am besten in einen Briefumschlag gesteckt werden. Wichtig ist es, vorab noch einmal die Adresse auf dem Rezept zu überprüfen. Auch die Telefonnummer sollte für eventuelle Rückfragen angegeben werden. Sollte die Adresse auf dem Rezept von der gewünschten Lieferadresse abweichen, sollte dies zusätzlich im Briefumschlag vermerkt werden.“ Auch rezeptfreie Medikamente werden geliefert; diese Bestellungen können einfach auf einem Zettel notiert werden. Die Leerung des Briefkastens erfolgt an Werktagen um 12 Uhr. Ausgeliefert wird an Werktagen in der Regel noch am selben Tag. Bestellungen vom Samstag können unter Umständen erst am Montagvormittag ausgeliefert werden. Die Medikamente werden ohne Aufpreis geliefert. Bezahlt werden kann bar oder auf Rechnung. Insbesondere älteren Menschen soll die Rezeptsammelstelle als Erleichterung im Alltag dienen, um unkompliziert an Medikamente zu kommen.

Genehmigung gilt für drei Jahre

Einen solchen Briefkasten kann eine Apotheke nicht einfach nach Belieben aufstellen. „Sie müssen von der Landesapothekenkammer in Stuttgart genehmigt werden“, berichtet Martin Bratzler. Im Antrag musste unter anderem die Verkehrssituation geschildert werden. Die Gochsheimer Rezeptsammelstelle wurde für drei Jahre genehmigt. Die Initiatoren sind gespannt darauf, wie der „Briefkasten“ von der Bevölkerung angenommen wird.#

Redaktion: Nadja Steinhilper

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