Nei in de Mai

| , , , ,

War der 1. Mai schon mal schöner? Dieser hier kommt auf jeden Fall in die Top Ten aller Zeiten.

von Stephan Gilliar

Für den Start in den Mai braucht man Kondition und am besten reichlich Schlaf im Vorfeld. In den Tagen davor wird der Maibaum gestellt, am Vorabend wird hineingetanzt und am Maifeiertag selbst Kilometer um Kilometer gerissen, wenngleich man auch mit jedem Festle auf der Strichliste mehr davon irgendwann nicht mehr viel mitbekommt.

Zugegeben, wir sind in unserer Tour mittlerweile ein bisschen festgefahren. Bei uns geht es immer in Ubstadt-Weiher los, nicht nur, weil das einfach rein geografisch mit am nächsten liegt, sondern weil das Kleeblatt aus Ubstadt, Weiher, Stettfeld und Zeutern es einfach jedes Jahr richtig krachen lässt. Hauptakteur ist hier in diesem Fall die Freiwillige Feuerwehr Ubstadt-Weiher, die keine Mühen scheut, um nicht nur den Menschen aus Ubstadt-Weiher, sondern auch ganzen Legionen aus dem Umland ein guter Gastgeber zu sein. Die Abteilung Weiher bewirtet die Spitzweidenhütte, Ubstadt den Waldrand Sperbel und Zeutern – wo auch sonst – das Himmelreich. Dieses Jahr gab es außerdem noch Unterstützung durch den Musikverein Stettfeld, musikalisch unterstützt durch „Das Trio“, das am Marcellusplatz nicht nur den Tanz in den Mai, sondern auch ein großes Fest am Maifeiertag auf die Beine stellte.

Und wie die Menschen das finden? So gut, dass sie zu hunderten – ich glaube, wir lehnen uns nicht aus dem Fenster, wenn wir über den Tag verteilt von tausenden sprechen – die Maifeste in Ubstadt-Weiher regelrecht stürmen. Ein Kühles aus dem Fass, etwas Heißes vom Grill, ein bisschen Schatten … mehr braucht es nicht. Respekt an die Feuerwehr und den Musikverein, die hier einen logistischen Kraftakt auf die Beine gestellt haben. Schon von Weitem konnte man an jeder der vier Locations eine endlos lange Karawane aus Fahrrädern, Spaziergängern und Bollerwagen-Trecks sehen, die sich wie ein fröhlicher Maimarsch den bunten Festzelten näherten. Darunter übrigens auch Bürgermeisterin Katharina Kimmich, die auf dem Fahrrad jedem einzelnen Fest in ihrer Gemeinde die Ehre erwies.

Aber natürlich haben wir unsere Tour nicht nur auf Ubstadt-Weiher beschränkt, schließlich lädt an diesem besonderen Tag das ganze Hügelland herzlich auf einen maifeierlichen Absacker ein. Für uns ging es weiter nach Obergrombach, auf die schöne Almwiese und das urige Vereinshaus des Vogelschutz- und Zuchtvereins. Hier am Waldrand, mit wirklich herrlichstem Blick auf Obergrombach und seine Burg, feierten ebenfalls Unzählige in den Wonnemonat. Besonders bei Familien ist diese Station sehr beliebt, können die Kinder doch frei springen, immer im Auge der Eltern, die vom höher gelegenen Biergarten aus nicht nur die Grobacher Skyline, sondern auch ihren Nachwuchs im Blick haben. Dazu Schälripple und Linsen, kombiniert mit einer Hopfenkaltschale … mee wie schee.

Und weiter geht die wilde Fahrt, diesmal auf die Gemarkung Bretten, genauer an den Ortsrand von Bauerbach. Nachdem die Dorfjugend am Vortag in der Ortsmitte bereits den Baum senkrecht gestellt hat, verlagert sich hier der Festbetrieb am 1. Mai traditionell auf die große grüne Wiese bei der Maschinenhalle nahe dem Friedhof. Das klingt sehr funktional, ist aber in Wirklichkeit rustikal. Die große hölzerne Halle bietet Platz für mehrere hundert Menschen – eine Zahl, die beim Wiesenfest traditionell während der Mittagszeit immer gerissen wird. In Mannschaftsstärke gibt der ausrichtende Musikverein Harmonie, in diesem Jahr übrigens schlanke 100 Jahre alt, einfach alles, um der weithin bekannten Bauerbächer Gastfreundschaft gerecht zu werden. Neben Musik, auch unterstützt durch Freunde, wie zum Beispiel den Musikverein Magstadt, stemmen sie hier an der längsten Maitheke Brettens einfach alles. Nicht selten bleibt für viele Gäste Bauerbach die letzte Station der Rundreise, es ist einfach viel zu schön, um danach noch weiterzuziehen.

Wir haben allerdings noch eine letzte weitere Station eingelegt. Drei Dörfer weiter in Gondelsheim haben wir unseren Maifeiertag ausklingen lassen. Warum? Einfach wegen des guten Essens. Schlachtfest beim MGV Liederkranz – wer es richtig deftig haben will, kommt daran nicht vorbei. Auf dem landwirtschaftlichen Betrieb der Familie Schäfer locken Jahr für Jahr echte Hausmacher Kracher, im Nachgang Kaffee und Kuchen, um das Ganze abzurunden und den nächsten Termin beim Kardiologen gleich fix zu setzen. Mit dabei auch Bürgermeister Markus Rupp, der sich in Gondelsheim kein Fest und keine Feier entgehen lässt, schon gar nicht, wenn das ganze Dorf bei Kaiserwetter unter der B35 hindurch in den grünen Gondelsheimer Westen strömt.

Und danach? Gleich wieder nach Hause? Wo denkt ihr hin. Der späte Nachmittag, wenn die Sonne allmählich warm und lang ihre Strahlen über die grünen Hügel schickt, macht das Maiwandern doch am meisten Spaß. Dann trifft man Gott und die Welt, Freunde, Familien und reichlich Fremde, die aber als Kinder der Hügel Kameraden im Geiste sind. Überall ein fröhliches Wort, überall ein Lächeln auf den Gesichtern – schöner als bei uns startet man nirgendwo in den Mai.

2 Kommentare zu „Nei in de Mai“

  1. Ich hab mich an den Bildern erfreut und dabei mit großer Freude fest gestellt, daß auch ein Porsche Diesel Junior als „Zugpferd“ fungiert hat. Es gab ja mal einen großen Hype um diese Traktoren. Und ja, auf einer Webseite habe ich für einen 4 Zylinder Porsche Diesel einen Preis bis 25.800 Euro entdeckt.

Die Kommentare sind geschlossen.