Bei Kaiserwetter und vor richtig großem Publikum schlängelte sich am Rosenmontag der große Umzug durch das närrische Odenheim
von Stephan Gilliar
Vor dem Jubeln kam ein kurzes, trockenes Schlucken. Das Erste, was die Besucher des traditionellen Rosenmontagsumzuges in Odenheim zu Gesicht bekamen, waren massive und schwere Lastwagen an allen Straßenzufahrten zur Umzugsstrecke. Zur Verfügung gestellt wurden die LKW, die auch schon beim Umzug in Östringen am Tag zuvor zum Einsatz kamen, vom Odenheimer Unternehmen GAA. Eine Sicherheitsmaßnahme, deren Bedeutung spätestens in jenem Moment wieder vor Augen geführt wurde, als quasi zeitgleich mit dem Umzug die Nachricht vom Anschlag in Mannheim die Runde machte.
Auch für den Umzug in Odenheim waren das zu Beginn ein paar kritische Minuten, denn zu jenem Zeitpunkt war nicht abzusehen, ob nicht auch ein Teil der Polizeibereitschaft, die für den Rosenmontagsumzug eingeplant war, nach Mannheim beordert werden würde. Doch offenbar konnten die Organisatoren die Sicherung des Umzuges weiter gewährleisten, sodass sich der bunte Lindwurm um kurz nach zwei wie geplant in Bewegung setzen konnte.
Die Stimmung an diesem Rosenmontag in Odenheim: losgelöst, fröhlich und frei – so wie man Odna eben kennt. Als bewährter Anheizer mit der ebenfalls bewährten, unverwüstlichen Stimmgewalt am Mikrofon, OKG-Frontkämpfer Thomas Lehmann auf der mobilen Tribüne, Seite an Seite mit Östringens Bürgermeister Felix Geider, gekleidet als Hippie mit krauser Schamhaarperücke. Gemeinsam sorgten sie für einen beständigen Guzelregen sowie Stimmung vor dem alten Rathaus in Odenheim. Sogar eine respektabel lange Polonaise schlängelte sich auf Zuruf über den Platz. Dazu von der DJ-Kanzel die größten Faschingshits von gestern und heute, inklusive dieser bizarren Nummer über die Vorzüge von Siebzigerjahre-Glühbirnen.
























































































Und dann ging es los, beginnend mit der blau-orangen Obrigkeit der Odenheimer Karnevalsgesellschaft, kurz OKG, setzte sich der bunte Tross in Bewegung. Über 60 Zugnummern sollten es an diesem Rosenmontag sein, inklusive sämtlicher Abteilungen der Heimmannschaft, aber auch Gästen aus nah und fern.
Sogar die Östringer Narren fanden den Weg über den Schindelberg, als diplomatischen Ölzweig trug die Wicker-Wacker-Prominenz sogar einen Schal der OKG auf. Eine symbolische Geste, die Thomas Lehmann auch mit einem markigen „Ihr seid der zweitschönste Elferrat“ würdigte, was wiederum ein „Bei der Abstimmung wär ich mir ja nicht so sicher“ vom Wicker-Wacker-Wagen zur Folge hatte. Freundschaftliches Gefrotzel zwischen Östringen und Odenheim, immer noch das Salz in der Suppe bei allen Begegnungen. Dass beide es miteinander aber gut meinen, zeigen sie immer wieder bei unzähligen Gelegenheiten.
Und so schlängelte sich der Umzug durch die Nibelungenstraße, am Rathaus vorbei und weiter durch die Eppinger Straße und die Kirchstraße. Alle waren dabei, alle waren auf den Beinen. Guggemusik vom Feinsten, gruselige Perchten, umtriebige Hexen, rußschwarze Schlumpel, bunte Paradiesvögel, gelenkige Gardetänzer und allerlei sonstiges fröhliches Volk. Manche zu Fuß, manche mit dem Bollerwagen und wiederum andere mit gigantischen Gespannen, die sich teilweise nur mit wenigen Zentimetern Abstand an den Menschen vorbeischoben.
Vor den Fahrern der großen Traktoren und LKW muss man an dieser Stelle den Hut ziehen. Mit Feingefühl und Präzision schafften sie es, ruhigen Blutes diese Herausforderung zu meistern.
Für den reibungslosen Ablauf des Umzuges sorgte wie immer die ganze Blaulichtfamilie. Da wäre natürlich die Mannschaft der Feuerwehr Östringen, die gemeinsam mit der Polizei – sogar Revierleiter Gerald Gack war vor Ort – für die Streckensicherung sorgte. Auch das Rote Kreuz war für alle Fälle am Start. Hinzu kommen unzählige weitere Helferinnen und Helfer, ohne die eine XXL-Veranstaltung, zu der der Odenheimer Umzug schon lange geworden ist, nicht denkbar wäre.
Seinen Abschluss fand der Rosenmontagsumzug dann dort, wo er zuvor auch begonnen hatte, bei einer großen Party in der Katzbachtal-Arena. Zum Schluss bleibt zu sagen – und das natürlich laut und vor allem gleich dreimal: Ulle Helau!
