Oberderdingen: Gemeindeübergreifende Übung mit dem Gefahrgutzug

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Gemeinsam mit dem Gefahrgutzug Karlsruhe-Land-Nord, der Betriebsfeuerwehr E.G.O. und der Führungsgruppe Unterkreis Bretten-Ost übten Mitglieder aller drei Einsatzabteilungen der Feuerwehr Oberderdingen am Dienstagabend, 19.07.22 für den Ernstfall bei einer größeren Übung. Angenommen wurde ein Gefahrstoffaustritt bei der Firma Blanco im Werk 1 in der Flehinger Straße.

Doch zunächst ließ die Alarmmeldung etwas ganz anderes vermuten, denn laut Übungsannahme wurde die Feuerwehr primär zu einem Brandmeldealarm gerufen. Kurz nach 19.00 Uhr wurde demnach die Betriebsfeuerwehr E.G.O. zu einem Brandeinsatz aufgrund einer ausgelösten Brandmeldeanlage im „Schwester“-Werk alarmiert.

Beim Eintreffen des ersten Fahrzeugs hatten die Mitarbeiter real die betroffene Werkshalle wegen des Alarms bereits verlassen und vorschriftsmäßig geräumt. Umgehend machte sich ein Trupp unter Atemschutz mit einem C-Rohr zur Erkundung auf und konnte eine starke Rauchentwicklung in einem rückwärtigen Hallenbereich feststellen, weshalb eine Alarmstufenerhöhung durch den Fahrzeugführer erfolgte und die Feuerwehr Oberderdingen mit einem Löschzug nachgefordert wurde.
Unterdessen wurde mitgeteilt, dass noch zwei Mitarbeiter (dargestellt durch Jugendfeuerwehrangehörige) vermisst werden, welche sich vermutlich in der Halle befinden. Durch vorrückende Einsatzkräfte unter Atemschutz konnte diese dann recht zügig gefunden und ins Freie gebracht werden. Parallel zu diesen Maßnahmen wurde die Wasserversorgung aus dem Hydrantennetz aufgebaut und sichergestellt sowie von der Feuerwehr Oberderdingen ein weiteres C-Rohr und zwei Atemschutztrupps in Bereitstellung gebracht.

Bei der weiteren Erkundung zum „Brandgeschehen“ konnte festgestellt werden, dass die Rauchentwicklung nicht die Folge eines Brandes war, sondern durch einen Gefahrstoffaustritt entstanden war. Der vorgehende Trupp konnte einen Stoff als Salzsäure identifizieren, welche mit einem anderen Stoff reagierte. Daraufhin wurde der Innenangriff gestoppt und über die Übungsleitstelle, bestehend aus Kräften der Feuerwehr Bretten mit deren Einsatzleitwagen, weitere Spezialkräfte des Gefahrgutzuges sowie die Führungsgruppe Unterkreis Bretten-Ost angefordert.
Da die Flüssigkeiten über die Hallenentwässerung in die Werkskanalisation liefen, wurde unterdessen der Abfluss in die öffentliche Kanalisation abgeschiebert und das Gemisch zurückgehalten. Unterdessen installierte sich die Führungsgruppe zur Unterstützung der Einsatzleitung.

Bild: Feuerwehr Oberderdingen / M.Wöhrle

Nach dem Eintreffen des Gefahrgutzuges Karlsruhe-Land-Nord inklusive des ABC-Zuges Bretten und zweier Fachberater*innen „Chemie“ wurde das weitere Vorgehen abgestimmt, in dessen Folge ein Trupp unter Chemikalienvollschutzanzügen (CSA) zur weiteren Erkundung und zum Abdichten des leckgeschlagenen Gefahrgutbehälters in die Werkshalle vorging. Dieser Trupp konnte den Behälter rasch behelfsmäßig mit Holzkeilen abdichten, so dass keine weitere Flüssigkeit mehr austreten konnte. Allerdings waren bereits rund 950 Liter Salzsäure ausgetreten und hatte mit Natronlauge, die ebenfalls ausgetreten war, eine chemische Reaktion gebildet. Ein weiterer Trupp unter CSA stand währenddessen zur Absicherung in Bereitstellung.
Eine eigene Führungseinheit des Gefahrgutzuges ergänzte im Verlauf die örtliche Führungsgruppe. Von der Einsatzleitung wurde fiktiv außerdem die Warnung der Bevölkerung mittels Warnapps wie beispielsweise „NINA“ oder „KATWARN“ veranlasst und die entsprechenden Einsatzmittel von Rettungsdienst und Polizei angefordert sowie die Kläranlage über den Gefahrstoffaustritt informiert.

Währenddessen hatten die Kräfte des ABC-Zuges Bretten eine Dekontaminationsstelle für die eingesetzten Trupps eingerichtet, in der diese nach erfolgreicher Arbeit dekontaminiert wurden. Neben Oberderdingens Bürgermeister Thomas Nowitzki und Luca Arsic vom Amt für Bevölkerungsschutz beim Landratsamt Karlsruhe machten sich auch Dr. Karlheinz Hörsting, COO der Blanc & Fischer Familienholding, Egon Kofler, Vorsitzender der Geschäftsführung von B.PRO (vormals Blanco Professional), Jörg Mühleisen, Brandschutzbeauftragter und Leiter der Betriebsfeuerwehr E.G.O. sowie Christian Kutschera, Ingenieur für Arbeitssicherheit bei der Blanc & Fischer Familienholding, ein Bild vom Geschehen und konnten sich von der Leistungsfähigkeit und der sehr guten Zusammenarbeit der Feuerwehren überzeugen.

Nach rund zwei Stunden war das Übungsziel erreicht und die Übung konnte erfolgreich beendet werden. Bei der Nachbesprechung wurde ein überwiegend positives Fazit gezogen, wobei natürlich dem Sinn einer Übung zufolge auch Verbesserungsmöglichkeiten aufgedeckt wurden.

Insgesamt waren bei der Organisation und Vorbereitung als auch bei der Durchführung 104 Feuerwehrangehörige mit 21 Einsatzfahrzeugen im Übungseinsatz. Neben der Betriebsfeuerwehr der Firma E.G.O. und der Feuerwehr Oberderdingen mit allen drei Abteilungen beteiligten sich die der Gefahrgutzug Karlsruhe-Land-Nord, der sich aus den Wehren Karlsdorf-Neuthard und Kraichtal zusammensetzt, der ABC-Zug Bretten, bestehend aus den Feuerwehren Bretten und Oberderdingen als Teileinheit des Gefahrgutzugs, die Feuerwehr Bretten, Abteilung Bretten sowie die Führungsgruppe Unterkreis Bretten-Ost, bestehend aus Führungskräften der Wehren aus Kürnbach, Sulzfeld, Zaisenhausen und Oberderdingen. In die Übung eingebunden war zudem der Werkschutz der Holding.

Nach dem Aufräumen und Aufrüsten der Fahrzeuge hatte die Feuerwehr Oberderdingen die Teilnehmer zu einem Imbiss und kühlenden Getränken eingeladen. Kommandant Thomas Meffle dankte als Übungsleiter allen Beteiligten für ihren Einsatz und das Engagement auch bei hochsommerlichen Temperaturen um 37oC an diesem bisher wärmsten Tag des Jahres sowie der Blanc & Fischer Familienholding mit ihren Tochterunternehmen für die gute Zusammenarbeit und Unterstützung, die zur Verfügungsstellung des Werksgeländes und die Übernahme des entstandenen Produktionsausfalls.

Bericht und Bilder: Michael Wöhrle (FF Oberderdingen)

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