Nemmeh die alde Leier

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Der früher so kleine Leiergassenumzug in Eppingen hat sich mittlerweile zu einem großen bunten Treiben gemausert, das die ganze Stadt erfasst.

Es ist ein Naturgesetz: Die Eppinger lieben die Fasnacht, feiern die fünfte Jahreszeit ausgelassen, fröhlich und vor allem am liebsten – gemeinsam. Diese Faschingsliebe hat auch ein paar tragische Aspekte, denn das gemeinsame Feiern wurde vor ein paar Jahren, als der Eppinger Nachtumzug für die Vielen aufgrund der Verfehlungen Weniger abgesägt wurde, auf eine harte Probe gestellt. Doch es sollte zunächst noch schlimmer kommen, denn für 2018 wurde auch kurzfristig der Leiergassenumzug abgesagt – eine Entscheidung, die im Kielwasser des damaligen Skandals um den Nachtumzug zwar nicht verwunderte, aber offenbar nicht die Rechnung mit den Eppinger Narren gemacht hatte. Denn diese kamen einfach trotzdem: Spontan versammelten sich hunderte Menschen in der Stadt und feierten ihr kleines Ritual, friedlich und ohne jegliche Vorfälle.

Seitdem hat sich der Leiergassenumzug, ursprünglich als kleine, feine und familiäre Veranstaltung nur in der namensgebenden Gasse abgehalten, zu ganz neuen Größen aufgeschwungen. Längst hat der Umzug die kleine Gasse gesprengt, zieht sich seitdem nicht nur durch die Leiergasse, sondern durch die gesamte Eppinger Innenstadt. Das umfasst auch Eppingens große Einkaufsmeile, die Brettener Straße inklusive Marktplatz.

Das Konzept des Umzugs ist aber nach wie vor klein und locker. Wer zu Fuß kommt, muss sich – so erfahren, wie es aus dem Umfeld der Teilnehmer heißt – nicht einmal anmelden. Jeder, der spontan dabei sein möchte, darf das auch. Nur motorisierte Fahrzeuge müssen vorher gemeldet und überprüft werden, hier gelten schließlich strenge Sicherheitsauflagen, und das ist auch gut so.

Letztere Kategorie gehört beim Leiergassenumzug zu den Exoten; nur ganz am Schluss bahnen sich ein paar der von manchen geliebten (von anderen eher nicht so) Bumm-Bumm-Wagen ihren Weg durch die Straßen – ansonsten nur fröhliche Fußgruppen. Die Stadtkapelle ist mit dabei, die Feuerwehr, die Kraichgauhexen und noch viele fröhliche Quatschköpp mehr. Besonders klasse wie immer: das Männerballett der Kolpingfamilie mit herrlich unbeholfenen Choreografien, die einfach nur gute Laune machen.

Ein großer Spaß für einfach alle – entlang der Leiergasse, aber auch der Brettener Straße stehen tausende Besucherinnen und Besucher, die ganze Eppinger Innenstadt ist gerammelt voll, und auch der Oberbürgermeister im Bärenkostüm soll darunter sein, munkelt man. Warum auch nicht, es muss eine Freude sein, die eigene Stadt so fröhlich und losgelassen feiern zu sehen. Was Schöneres gibt’s doch nicht, oder wie man bei uns im Kraichgau sagt: Mee wie schee.