Mords was im Kasten

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Deutschlandweit einzigartig geht in Bruchsal eine hocheffiziente Brennstoffzellenanlage der EnBW in den Praxisbetrieb

Matt metallisch glänzend, unscheinbar und recht leise hat in Bruchsal ganz dezent und ohne Aufhebens die frisch aus Kalifornien verschiffte Brennstoffzellenanlage von Bloom Energy den Betrieb aufgenommen. Sechs Module stark, mehrere Millionen Euro schwer und mit einem Wirkungsgrad, der sogar abgebrühte Ingenieure anerkennend nicken lässt: über 60 Prozent. Dieser Wert ist exzellent, konventionelle Gaskraftwerke schaffen irgendwas zwischen 30 und 40 %. Brennstoffzellen punkten vor allem dadurch, dass sie ohne den verlustreichen Zwischenschritt der Verbrennung auskommen und die chemische Energie direkt in Strom umwandeln.

300 Kilowatt elektrische Leistung und bis zu 160 Kilowatt Wärme liefert der neue Technik-Leuchtturm. Theoretisch ließe sich damit der Strombedarf von rund 850 Haushalten mit zwei bis drei Personen decken, oder – warm ums Herz gesprochen – etwa 65 Einfamilienhäuser beheizen. Praktisch fließt der erzeugte Strom aber vor allem direkt in die benachbarte Geothermieanlage, deren Grundlast damit abgedeckt wird. Was darüber hinausgeht, wandert ins Netz.

Das Geothermiekraftwerk Bruchsal und die neue Brennstoffzelle direkt davor

Und bevor Missverständnisse aufkommen: Brennstoffzellenanlage und Geothermieanlage stehen zwar Wand an Wand, haben aber technisch rein gar nichts miteinander zu tun. Beide Projekte eint vor allem eines – sie dienen in erster Linie der Forschung. Während die Geothermieanlage seit 2009 Pionierarbeit in Baden-Württemberg leistet und auch die Lithiumgewinnung erprobt, soll die neue Brennstoffzelle Erkenntnisse zum Einsatz im Hochleistungsbereich liefern. Genau das macht sie bundesweit einzigartig. Die Geothermieanlage ging übrigens ging 2009 an den Start, 2012 gründeten EnBW und Stadtwerke Bruchsal die dazugehörige Gesellschaft, seit 2019 liefert das Kraftwerk auch Wärme in das Nahwärmenetz, die nun durch Wärme aus der Brennstoffzelle ergänzt werden soll.

Wer mit dem Begriff Brennstoffzelle nichts anfangen kann, dem sei ganz oberflächlich erklärt: Eine Brennstoffzelle funktioniert im Grunde wie eine Art Super-Batterie. Damit sie funktionieren kann, benötigt sie z.B. Wasserstoff (oder eben Erdgas) und Sauerstoff. Diese beiden Zutaten dürfen sich darin nicht direkt begegnen – sonst knallt’s –, also zwingt die Zelle die Elektronen außen herum über einen Draht, wodurch sauber Strom entsteht, während im Inneren Wasser und etwas Wärme produziert werden. Das Ganze ist natürlich deutlich komplexer, aber so könnte man es vielleicht kurz und knackig auf den Punkt bringen.

Erdgas heute, Wasserstoff morgen

Noch läuft die Anlage mit Erdgas. Doch sie ist bereits vorbereitet für den Energieträger der Zukunft: Wasserstoff. Bruchsals Oberbürgermeister Sven Weigt verwies beim Termin darauf, dass eine künftige H₂-Trasse durch den Raum Karlsruhe geplant sei. Ob Bruchsal selbst angeschlossen wird, ist derzeit allerdings offen – die Tür steht aber zumindest einen Spalt weit offen.

Bruchsals Oberbürgermeister Sven Weigt

Für Weigt ist das Zusammenspiel verschiedener Technologien ohnehin entscheidend. Es gehe nicht darum, Dogmen zu pflegen, sondern pragmatisch auf einen Mix aus ökologischen und ökonomischen Faktoren zu setzen. „Wir können stolz darauf sein, dass wir ein Innovationsstandort sind, der für neue Entwicklungen und Startups gute Rahmenbedingungen bietet“, sagte er. Bruchsal zeige damit eine große Offenheit für zukunftsweisende Technologien.

Thomas Kölbel, Geschäftsführer der Geothermie Bruchsal GmbH, sieht das ähnlich: „Der Standort entwickelt sich mehr und mehr zu einem Energie- und Innovationspark.“ Und EnBW-Experte Marcus Edel betonte die Flexibilität des Brennstoffzellensystems: „Es ist vielseitig einsetzbar, skalierbar und kann genau an den Bedarf angepasst werden – ob in der Industrie, bei Kommunen oder in Rechenzentren.“

Sven Weigt, Thomas Kölbel und Marcus Edel

Gerade Letztere spielen im Hintergrund bereits die Hauptrolle. Rechenzentren gehören zu den größten Stromfressern unserer Zeit – und ihr Bedarf wird mit dem Wachstum datenintensiver Technologien wie künstlicher Intelligenz weiter explodieren. Lösungen wie diese Brennstoffzelle könnten dabei eine Schlüsselrolle einnehmen.

Bruchsal forscht – und diskutiert

Während auf dem Energiecampus im Süden experimentiert und geforscht wird, wird in Bruchsal derzeit über ein ganz anderes Zukunftsthema debattiert: Windkraft. Am Sonntag entscheidet ein Bürgerentscheid darüber, ob die Stadt eigene Waldflächen im Süden Bruchsals für Windräder verpachten darf. Ob sie auf städtischem Boden stehen oder  wenige Meter weiter auf privatem Grund errichtet werden, ist dabei im Grunde des Pudels Kern. Gebaut werden sie aller Wahrscheinlichkeit nach ohnehin.

Doch heute ging es nicht um Wind, sondern um Wasserstoff, Wärme und Wirkungsgradrekorde. Die neue Brennstoffzellenanlage zeigt: Auch wenn ihre Leistung im Vergleich zu konventionellen Kraftwerken überschaubar bleibt, entsteht hier etwas, das langfristig weit mehr wert sein kann – Wissen. Erkenntnisse. Technologien, die vielleicht morgen Standard sein werden.

Und Bruchsal ist mitten drin. Als Labor, als Testfeld, als Standort, der mutig genug ist, Neues auszuprobieren. Genau das darf man sich durchaus auf die Fahnen schreiben.

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5 Kommentare zu „Mords was im Kasten“

  1. Konventionelle Gaskraftwerke (GUD/CCPP) schaffen Wirkungsgrade von 60+ %.
    Die hier behaupteten 30-40% betreffen Simple Cycle – Gasturbinen.

    Combined Cycle Power Plant:
    Gasturbine + Abhitzedampferzeuger + Dampfturbine
    Fährt Baseload/Grundlast

    Simple Cycle Gasturbine:
    Gasturbine in Stand Alone – Betrieb
    Fährt Spitzenlast

  2. Stimmt. Moderne GuD-Kraftwerke erreichen 60 Prozent und mehr elektrischen Wirkungsgrad, weil sie Gasturbine + Abhitzedampferzeuger + Dampfturbine kombinieren und dadurch die Abwärme nutzen. Sie laufen typischerweise in der Grundlast oder Mittellast.

    Die deutlich niedrigeren Wirkungsgrade von 30–40 Prozent beziehen sich auf Simple-Cycle-Gasturbinen, also alleinstehende Turbinen ohne Dampfturbine im Nachlauf. Diese Anlagen starten schnell, sind aber ineffizienter und werden daher meist für Spitzenlast eingesetzt.

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