Maskenfall vorm Hitzeknall

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Hohe Temperaturen, kleine Inzidenzen und ein bisschen Gnade aus Stuttgart – Die Maskenpflicht an baden-württembergischen Schulen wird gelockert

Ein Kommentar von Philipp Martin

Während in baden-württembergischen Biergärten bereits wieder seit über zwei Wochen ohne Maske verweilt werden darf, mussten in dieser Woche noch mehrere zehntausend Schülerinnen und Schüler bei Temperaturen weit jenseits der 30 Grad mit einer Mund-Nasen Bedeckung ihre Schultage überstehen. Nicht einmal auf dem Pausenhof dürfen trotz der tropischen Werte die Masken abgenommen werden, nur zum Essen und zum Trinken ist dies (da ja auch technisch nicht anders machbar) erlaubt. Eine echte Belastungsprobe für die Kinder, sammelt sich doch eine klebende und unangenehme Mélange aus Schweiß, Rotz, Sonnencreme und erhitzter Luft unter den Masken.

Dass das fast durchgehende Tragen einer Maske bei diesen Temperaturen und besonders bei den derzeit im Land vorherrschende Inzidenzen nicht mehr angezeigt ist, scheint nun auch Stuttgart erkannt zu haben und kündigt eine Änderung der Maskenpflicht an baden-württembergischen Schulen ab dem kommenden Montag an. So soll bei Inzidenzen zwischen 35 und 50 das Tragen einer Maske auf dem Schulhof entfallen, bei einer Inzidenz von unter 35 auch im Unterricht. Weiterhin getragen werden muss die Maske im Gebäudeinneren z.B. auf Fluren, in den Toiletten und überall dort, wo die Kinder einander über den Weg laufen. Ach ja, sollte an einer Schule aber auch nur ein Corona-Fall auftreten, heißt es für die gesamte Schülerschaft zwei Wochen lang: Hello again, liebe Maske.

Konkret greifen also jetzt jene Regeln, die für Großraumbüros in der ganzen bisherigen Phase der Pandemie galten, völlig unabhängig von jedweden Inzidenzen. Diese Lockerung also als eine Art von Großzügigkeit oder einen Gnadenakt zu etikettieren, hat daher einen faden Beigeschmack. Anders lässt sich aber das Statement in der offiziellen Pressemitteilung des Ministeriums von Kultusministerin Theresa Schopper nur schwer deuten: „Es ist mir wichtig, dass wir bei Lockerungen auch an die Kinder und Jugendlichen denken. Sie mussten in der Pandemie zurückstecken, um die Älteren zu schützen, deswegen müssen wir sie jetzt auch bei Lockerungen berücksichtigen und ihnen Belastungen nehmen, wenn dies vertretbar ist.“

Ja, eine Maske nahezu den ganzen Tag zu tragen, auch in Pausen und auch bei schweißtreibenden Temperaturen von über 30 Grad ist eine Belastung, insbesondere dann wenn Kinder eine Ganztagesschule besuchen. Den Kids, die oft und das mit wackeliger, wissenschaftlicher Basis, als Pandemie-Treiber gebrandmarkt wurden, diese nun alternativlose Lockerung aber in derart gönnerischem Duktus zu verkaufen, empfinde ich als Vater eingedenk der monatelang fast unbehelligt vor sich hin wurschtelnden Wirtschaft als höchst unpassend. Während die Älteren einfach oder gar zweifach geimpft längst wieder Restaurantbesuche genießen oder bereits jetzt die nächste Reise in den Süden buchen, baden die Kleinen – ungeimpft und maskiert – nach wie vor die Folgen dieser fragwürdigen Lastenverteilung aus.

Ich habe mich immer und unbedingt für die Maskenpflicht an Schulen ausgesprochen, solange sie effektiv dem Infektionsschutz dient und als adäquates Mittel zur Eindämmung der Pandemie beitragen kann. Wenn nun aber die Inzidenzen in unserer Region aber zwischenzeitlich teilweise im einstelligen Bereich angekommen sind, muss dieser Hebel eben auch wieder selbstverständlich zurückgezogen werden – und zwar ohne den Kids das Gefühl zu geben, die “da oben” hätten ihn eine besondere Gnade zuteil werden lassen. Do hasch Kloiner, des muss jetzt awa a mol a weil halten.

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