Maske auf und gut? Wenn es doch nur so einfach wäre

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Die korrekte Verwendung einer Stoffmaske ist eine Wissenschaft für sich

Tag 2 der Maskenpflicht in Deutschland. Wer nun beispielsweise mit dem Bus in die Stadt fahren oder im Supermarkt ein paar Einkäufe erledigen möchte, der wird nun nicht mehr drumherum kommen einen Mund-Nasen-Schutz aufzusetzen. Da medizinische Masken Mangelware sind und primär dem medizinischen Einsatz vorbehalten bleiben sollen, läuft es also auf einen selbstgemachten Mund-Nasen-Schutz hinaus, den überall präsenten Stoffmasken. Die Intention der Politik hinter dieser Entscheidung: Die Ausbreitung des Virus innerhalb der Bevölkerung zu verlangsamen. Ob das mit selbstgemachten Masken überhaupt möglich ist, bleibt genauso umstritten wie die Entscheidungsfindung zur kürzlich erlassenen Maskenpflicht für alle Bürgerinnen und Bürger ab 6 Jahren.

Obgleich selbige lange abgelehnt wurde und sogar die Weltgesundheitsorganisation dieser eher verhalten gegenübersteht, wurde innerhalb von Tagen aus einer Überlegung eine dringliche Empfehlung und nun die Pflicht, bei deren Zuwiderhandlung gar Bußgelder fällig werden. Weltärztepräsident Frank Ulrich Montgomery sieht in dieser Pflicht ein Armutszeugnis und bescheinigt den “blöden Lappen vor dem Mund” kaum Funktionalität. Im Gegenteil – die Bürger liefen mitunter sogar Gefahr sich selbst zu kontaminieren, so Montgomery im Deutschlandfunk.

Zwar gibt es auch viele Wissenschaftler die den Masken eine gewisse Schutzwirkung zugestehen, jedoch nur bei sachgemäßem Gebrauch. Professor Lothar Wieler, Präsident des Robert-Koch-Institutes, spricht von einem geringen Mehrwert durch eine Mund-Nasen-Bedeckung, vorausgesetzt die Menschen wissen wie sie diese Masken zu tragen haben.

Genau hier liegt der Hase im Pfeffer – will man die Masken ordnungsgemäß einsetzen, geht deren Praxistauglichkeit tendenziell eher nach unten. Wir haben uns mehrere Expertentipps im Netz zu Gemüte geführt und fassen diese hier grob zusammen. Als Quellen dienten uns dabei das Robert-Koch-Institut, der WDR und das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte.

  • -Vor dem Aufsetzen der Maske Hände waschen
  • -Männer sollten vor dem Tragen ihre Bärte abrasieren
  • -Die Maske nur an den Gummibändern berühren und übers Gesicht ziehen
  • -Falls vorhanden den Nasenbügel fest über der Nase zusammendrücken
  • -Mit spitzen Fingern die Maske am unteren Rand berühren und zurechtrücken
  • -Die Maske während des Tragens niemals mit den Fingern berühren
  • -Die Maske niemals zwischendurch unter das Kinn ziehen
  • -Beim Absetzen der Maske nur die Gummibänder berühren und kurz die Luft anhalten
  • -Die Maske spätestens nach drei bis vier Stunden (oder bei Durchfeuchtung früher) wechseln
  • -Die Maske im Anschluss desinfizieren und erst dann wiederverwenden

Das klingt alles noch machbar? Nun ja, der Teufel steckt hier wie so oft im Detail. Schauen wir uns das Ganze genauer an, ein paar Hasenfüße hat das Prozedere dann doch: Wenn wir uns nicht exakt an die oben beschriebenen Abläufe halten, laufen wir Gefahr uns über die eigenen Masken selbst zu infizieren. Mit viel Disziplin können Kinder diese Regeln möglicherweise verinnerlichen, ein Sechsjähriger der sich nicht hin und wieder ins Gesicht fasst, dürfte aber eher die Ausnahme als die Regel sein.
Auch das Desinfizieren der Masken gestaltet sich schwerer als gedacht. Wer nicht jeden Tag eine Waschmaschine mit mindestens 60 Grad laufen lassen möchte, dem bleibt z.B. nur das Bügeln der Maske oder das Erhitzen im Backofen oder in kochendem Wasser. Weil aber beim Bügeln nicht sichergestellt werden kann, dass alle Bereiche der Maske ausreichend erhitzt werden und sich im Ofen oder im kochenden Wasser Viren durch den Dampf oder die Abluft im ganzen Raum verbreiten könnten, sind laut quarks.de diese Methoden nicht wirklich zu empfehlen. Das Einweichen in Desinfektionsmittel birgt auch Risiken, weil dadurch die Schutzwirkung der Maske weiter reduziert werden könnte. Desinfektionsversuche in der Mikrowelle könnten wenn es blöd läuft, sogar in einer kokelnden Brandruine enden.

Die sind nur ein paar der großen Fragezeichen die die Maskenpflicht derzeit aufwirft – die gefährlichste Begleiterscheinung dürfte aber die trügerische Sicherheit sein, in der sich manche Träger wähnen könnten. Wer nicht gerade eine medizinische Schutzmaske mit hohem FFP-Standard trägt, schützt mit einem einfachen Stoffmodell eher seine Mitmenschen als sich selbst – allerdings nur, sie ahnen es, bei sachgemäßen Gebrauch. Das Tragen einer solchen Maske entbindet auch keineswegs von den gängigen Abstandsregeln oder den ansonsten geltenden Hygienemaßnahmen.

Fazit: Das beschränkte Schutzpotential einer Stoffmaske (von einem ebenfalls zulässigen einfachen Schal wollen wir gar nicht erst reden) entfaltet sich nur dann, wenn diese sachgemäß verwendet wird. Einen exzellenten Artikel über das Für und Wider sowie eine detaillierte Anleitung zum Tragen, hat die Wissenschaftsredaktion des WDR auf quarks.de zusammengefasst. Den eingangs zitierten Artikel mit dem ausführlichen Interview von Weltärztepräsident Montgomery zur Maskenpflicht, gibt es hier auf der Webseite des Deutschlandfunks.

INFO: Fragen und Antworten zu Masken Pflicht auf den Seiten der baden-württembergischen Landesregierung

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3 Gedanken zu „Maske auf und gut? Wenn es doch nur so einfach wäre“

  1. Bei mir kommt noch hinzu, dass ich Brillenträger bin und meine Brille ständig beschlagen ist. Das ist sehr unangenehm,sehe nur die Hälfte.

  2. Diese Desinfiziererei…
    Ich frage mich, wenn 30 sec Händewaschen auch mit kälterem Wasser und Seife ausreichen, um die Viren von meiner Hand zu bekommen, warum reichen nicht z.B. bei 30 Grad mit Waschmittel waschen?
    Die Virushülle soll auf Waschmittel/Seife sehr empfindlich reagieren, da die Hülle nicht Seifen stabil ist.

  3. Eine Idee ist es doch auch sich die Maske mit einem frühstucksbeutel abzuziehen oder einem Taschentuch und dann gleich in den Beutel rein. So hab ich es meinen Kindern gezeigt. Nun es wäre sicher hilfreich wenn man das übt mit seinen. kinder und sich selber.
    Ich komme aus der Pflege und was ich schon gesehen habe auf der Station wie manche examinierte plegekräfte ihre masken abziehen. Nun da muss man sich nicht wundern über Leute die nie im Leben eine getragen haben.. Üben üben üben. Nicht gleich schimpfen.

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