Verwahrlost, aufgegeben, von der Welt vergessen: Am Rande von Bruchsal stemmen sich jeden Tag viele ehrenamtliche Helferinnen und Helfer nahezu unbemerkt gegen Not und Leid unzähliger Tiere.
Das Bruchsaler Fuchsloch ist ein kleiner grüner Fleck im Norden der Stadt, eingerahmt von den Bundesstraßen 3 und 35 sowie der dicht befahrenen Bahnstrecke, auf der nonstop Züge und Straßenbahnen vorbeirattern. Für ein paar Momente lang ist es dann so laut, dass man selbst im Innenhof des Bruchsaler Tierheims vorübergehend die Gespräche einstellen muss. Gewöhnt hat man sich hier längst an die unruhige Geräuschkulisse. Im Tierheim ist man hart im Nehmen – sowohl auf Seiten der vierbeinigen Bewohner als auch bei ihren ehrenamtlichen Betreuern.



Was hier jeden Tag geleistet wird – still, bescheiden und leise, und doch so oft unbemerkt von der großen Stadt, deren erste Ausläufer hinter den umgebenden Wiesen und Feldern beginnen –, ist einfach nur bewundernswert. Jeden Tag, über das ganze Jahr, bei Regen, bei Schnee, an Sonntagen oder auch Feiertagen, kümmern sich hier Dutzende Helferinnen und Helfer um das Wohl zahlloser Tiere, die von der Gesellschaft scheinbar einfach vergessen wurden. Kaninchen, ein paar Vögel, ein knappes Dutzend Hunde, aber in erster Linie Katzen, Katzen und nochmals Katzen. Nicht alle von ihnen leben hier im Tierheim, Dutzende werden über betreute Futterstellen in der Umgebung versorgt und am Leben gehalten. Die Zahl wildlebender Katzen in Bruchsal ist hoch, auch weil die Stadt nach wie vor über keine Katzenschutzverordnung verfügt. „Nee, die ist in der Stadt Bruchsal leider immer noch nicht aktuell und auch in vielen umliegenden Gemeinden nicht“, sagt Mona konsterniert. „Es wäre dringend nötig, ja. Wie genau die Entscheidungsfindung da ist, kann ich nicht beurteilen. Wir hören immer wieder bei den Gemeinden, wo es jetzt gerade wieder besprochen wurde – Waghäusel zum Beispiel war da wieder ganz stark in der Presse –, die sagen, sie haben kein Problem. Das liegt hauptsächlich daran, dass viele ehrenamtliche Leute das irgendwie abfangen.“



Mona weiß genau, wovon sie spricht: Die Sozialarbeiterin engagiert sich – wie Dutzende andere – ehrenamtlich im Tierheim Bruchsal, ist fast jeden Tag hier draußen im Fuchsloch, um sich einzubringen und einfach da zu sein. Sie selbst hat immer wieder mehrere Pflegetiere zu Hause, betreut sie in der eigenen Wohnung, da das Tierheim selbst mit seinen beschränkten Kapazitäten das gar nicht leisten könnte. Wieso die Städte und Gemeinden nur so zögerlich auf die Not innerhalb ihrer eigenen Gemarkungsgrenzen reagieren, kann sie sich nicht erklären, denn das Problem ist bekannt und keineswegs ein Geheimnis. Wild lebende Katzen sind ein ernstes Problem, weil sie sich unkontrolliert vermehren und so innerhalb kürzester Zeit ganze Populationen entstehen können. Eine einzige Katze kann zwei- bis dreimal im Jahr werfen, mit jeweils drei bis sechs (oder mehr) Jungen – deren Nachkommen wiederum bereits nach einem halben Jahr fortpflanzungsfähig sind. Ohne Kastrationspflicht explodieren die Zahlen förmlich. Viele dieser Tiere leben krank, verletzt oder unterernährt, weil sie weder medizinisch versorgt noch regelmäßig gefüttert werden. Das führt zu großem Tierleid, steigenden Belastungen für Tierheime und Pflegestellen und langfristig auch zu Konflikten in der Bevölkerung.



Das Problem liegt nicht nur in der fehlenden Verordnung, sondern auch in der Gleichgültigkeit mancher Katzenhalter. Nicht wenige Besitzer von Katern lassen die Tiere einfach frei streunen, wo sie ihrem biologischen Ruf folgen und zeugen, was das Zeug hält. Da Kater selbst (aus bekannten Gründen) nicht trächtig werden, scheint sich für ihre Halter oftmals kein direkter Handlungsdruck zu ergeben.
Für die Helferinnen und Helfer im Tierheim Bruchsal ergibt sich aus der fehlenden Verordnung eine große rechtliche Unsicherheit. Fangen sie einen vermeintlich wild lebenden Kater ein und lassen ihn kastrieren, könnte man sie theoretisch belangen, wenn das Tier dann doch einem Besitzer zuzuordnen ist. Längst nicht alle Tiere sind tätowiert oder gechippt. Ohne rechtlichen Rahmen bleibt das Ganze ein gefährliches Spiel. Sich einfach wegzuducken, wie es Waghäusel jüngst getan hat – und wie es auch Bruchsal im Grunde tut –, ist daher keine nachhaltige Lösung, sondern eine Verlagerung der Problematik auf diejenigen, die ohnehin schon alle Hände voll zu tun haben.



Eine Verlagerung, die den Helferinnen und Helfern nicht nur Zeit abverlangt, sondern auch ganz handfeste finanzielle Mittel. „Wir hatten im letzten Jahr 85.000 € Tierarztkosten“, erzählt Mona, „und das, obwohl wir von den Tierärzten bereits vergünstigte Tarife bekommen.“ Dazu kommen die laufenden Kosten für das Tierheim selbst, für Futter, Fahrtkosten und aktuell auch ein erklecklicher Betrag für den Neubau der dringend benötigten Hundezwinger. Dass all das funktioniert, ist nur der Hilfsbereitschaft unzähliger Menschen zu verdanken, die sich seit sage und schreibe 60 Jahren einbringen und engagieren. Gegründet wurde der Tierschutzverein Bruchsal und Umgebung im Januar 1965, das Gelände im Fuchsloch ist seit 1973 im Vereinsbesitz und wird laufend modernisiert und an die Notwendigkeiten angepasst. Der aktuelle Ausbau ist nicht „nice to have“, sondern eine echte Notwendigkeit, denn die in die Jahre gekommenen, im Grunde viel zu engen Zwinger für die Hunde sind einfach nicht mehr zeitgemäß. Im neuen Gebäudeteil entstehen Gehege und Ausläufe, die teilweise das Vierfache an Platz für die Tiere bieten. Wobei es nicht so ist, dass die Hunde den ganzen Tag über eingesperrt sind – Gott sei Dank nicht. Jeden Tag kümmern sich freiwillige Helferinnen und Helfer um ihre Bedürfnisse, holen sie für ausgedehnte Spaziergänge ab, lassen sie in Kontakt mit Artgenossen kommen. Das ist wichtig – verdammt wichtig sogar –, denn die Sozialisierung der oft traumatisierten und verängstigten Tiere ist ein zentrales Anliegen der Tierschützer.



Egal ob Hunde, Kaninchen oder Katzen – fast alle Tiere haben irgendeine Art von Trauma erleben müssen, ob sie nun ausgesetzt wurden, ob ihre Besitzer gestorben sind oder sie schlicht nicht mehr haben wollten. Die emotionale Komponente ist nicht zu unterschätzen. Mona zeigt sich mitunter fassungslos gegenüber den vielen, nicht selten traurigen Geschichten. Es passiert zu oft, dass Tiere, die ganz offenbar jemandem gehören, weder vermisst noch abgeholt werden. Neulich sei ein junger Hund aufgefunden worden, ein goldiger, lieber Kerl, sogar noch mit angelegtem Gassi-Geschirr. Doch seit Wochen habe ihn niemand abgeholt, erzählt sie. Dass er einen neuen Besitzer finden wird, ist recht wahrscheinlich – viele Tiere lassen sich glücklicherweise in liebevolle Hände vermitteln. Doch auch wenn Platz immer Mangelware ist, bekommen nicht alle potenziellen Interessenten automatisch grünes Licht. Die Umstände werden immer geprüft, die Eignung der angehenden Halterinnen und Halter bewertet. Katzen beispielsweise werden nicht einfach so einzeln abgegeben – die durch und durch sozialen Tiere sind schlicht nicht dafür gemacht, alleine in Wohnungen zu leben. Auch Tiere als Geschenke für Dritte sind eine rote Linie – entsprechende Anfragen sind zu Recht völlig aussichtslos.




Wo Menschen sind, müssen Tiere leiden – das ist ein bedauernswerter Fakt, der uns durch unsere komplette Geschichte begleitet. Das beginnt bei unserer völlig willkürlichen und selektiven Unterscheidung in Tiere, die man schlachten und essen darf, und solche, die man füttert und streichelt. Dass ein Haustier Verantwortung voraussetzt – nicht nur für die süßen Kitten- und Welpenjahre, sondern lange darüber hinaus –, begreifen viele nicht oder zu spät. Die Folgen müssen andere ausbaden: die, die sich jeden Tag einbringen, ohne etwas dafür zu wollen, einfach nur, um zu helfen.
Vielleicht sind Sie ja auch ein solcher Mensch, ein leiser Kümmerer, der sich einbringen möchte. Hilfe ist immer willkommen – egal ob im Kleinen oder im Großen. Das reicht von Futterspenden, Mitgliedsbeiträgen, aber auch konkreter Hilfe, wie zum Beispiel freiwilligen Gassirunden mit Heimhunden oder einfach nur etwas Zeit, die man mit Tieren verbringt, die von der Welt einfach vergessen wurden.
Alles, was Sie dazu wissen müssen, finden Sie auf der Webseite des Bruchsaler Tierheims: https://www.tierheim-bruchsal.de/aktuelles/
Alles im Text stimmt 1:1. Ich bin eine der Ehrenamtlichen die außerhalb des Tierheims für die Katzenhilfe tätig ist. Statt endlich zu handeln wird einfach weggesehen, die rosarote Brille aufgesetzt. Es werden Aussagen gemacht die uns vielen Ehrenamtlichen wie Hohn vorkommt. Ich persönlich fühle mich von den Verantwortlichen nicht nur im Stich gelassen, sondern auch nicht ernst genommen. Natürlich ist es unsere eigene Entscheidung uns für die Katzen einzusetzen, viele Stunden in Hitze, Regen oder Kälte versuchen die ängstlichen, teilweise panischen, verunfallten, kranken Tiere zu sichern. Wenn das nur alles wäre, dann kommt die große Frage, wohin mit den Tieren….? Alle Pflegestellen sind eigentlich schon überfüllt. Es gibt eine 2. Option, draußen lassen mit ihren oft großen Schmerzen, offenen Wunden, Hunger, ausgemerkelte Mütter mit ihren teilweise kranken Kitten die ums Überleben kämpfen. Das ist alles menschengemacht. Eine Kätzin hat mittlerweile bis zu 3 Würfe mit 3-6 oder mehr Kitten, wie es auch im Text oben schon beschrieben wird……., diese Kitten ab einem halben Jahr fruchtbar……, was für eine Population.
Zum anderen Ist Tierschutz ein im Grundgesetz verankerter gesellschaftlicher Auftrag. Die Experten sind hier unbestreitbar die hiesigen Tierschutzvereine, Tierärzte und das Veterinäramt.
Davor die Augen zu verschließen, uns nicht zuzuhören und einfach nicht verstehen wollen was für ein großes Tierleid sich im Verborgenen abspielt, ist sehr traurig . Wie gesagt, das Elend läuft nicht mitten in den Städten umher ( Aussage der Verantwortlichen dass man ja keine Katzen sieht), es spielt sich im Verborgenen ab und nur der Mensch hat Schuld daran, die Tiere haben sich das nicht ausgesucht. Katzen sind Haustiere, keine Wildtiere. Ich bitte die Verantwortlichen die darüber entscheiden ob es Katzenschutzverordnungen geben wird,für die Katzen die auf unseren Schutz angewiesen sind, Verantwortung zu übernehmen und möchte mich bei den Städten/Kommunen die bisher Katzenschutzverordnungen verabschiedet haben von Herzen bedanken.