Lass den Scheiß, liebe Post

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Einkaufaktuell – rot in hell

Eine Glosse von Philipp Martin

Noch drei Tage, dann ist wieder Samstag im Kraichgau. Für die meisten von uns ein recht erfreulicher Tag, ist der doch einzig und allein für die Ausübung unserer geliebten Freizeitaktivitäten reserviert. Im Rudel im Baumarkt einfallen, mit Schrecken bemerken dass Netflix in den letzten fünf Tagen wieder 75.000 neue Serien produziert hat und natürlich das panische Durchstöbern lokaler Veranstaltungskalender, bevor man mit den Blagen einen endlos langen Sonntag zu Hause verbringen muss.

Für eine ohnehin schon geplagte Randgruppe, mutiert der Samstag aber immer mehr zu einem echten Höllentrip. Unsere Mädels und Jungs in gelb müssen jeden Sonnabend unfreiwillig für die Verbreitung von gedruckter Pest und Cholera besorgen. Es ist nicht die internationale Vereinigung Gelbsüchtiger, sondern die schnelle Eingreiftruppe der Deutschen Post, die jede Woche Millionen und Abermillionen von Haushalten mit den literarischen Ergüssen von Einkaufaktuell versorgt. Dabei handelt es sich um in Plastikfolie eingeschweißte Werbeprospekte die mit einem minimalistischen Fernsehprogramm ergänzt einen Mehrwert für den Kunden simulieren sollen.

Unglaublich vielen Empfängern, der Autor dieser Zeilen eingeschlossen, geht dieser Werbeterror aber einfach nur ganz gewaltig auf den Sack. In unfassbar vielen Fällen dürfte das Bündel einzig und allein zu dem Zweck antransportiert werden um sofort in der Mülltonne zu landen. Wie die Initiative Plastikpost errechnet hat, bekommt jeder Haushalt mit einkaufaktuell damit pro Jahr 26 Kilogramm Werbemüll zugestellt. Das wiederum entspräche demnach bundesweit einer Milliarde Plastiktüten und über 500 Millionen Kilogramm Papier. Das ist nicht die Wucht, sondern purer Wahnsinn in Tüten.


Infofilm des Vereines „Letzte Werbung“ zum leidigen Thema „Einkaufaktuell“ via Youtube


Um das samstägliche Ritual des “Out of the Briefkasten into the Müll” zu unterbinden, sollte es formal reichen einen Aufkleber mit dem Hinweis “Keine Werbung” am Briefkasten zu befestigen. Das Problem: Dann kommt auch keinerlei andere Werbung mehr ins Haus, darunter auch mitunter nützliche Einwürfe wie z.B. der aktuelle Aldi Prospekt. Es braucht also einen expliziten Hinweis der den Postboten dazu auffordert den Einwurf von Einkaufaktuell zu unterlassen.

Ich halte ehrlich gesagt beide Hinweise für ein Unding. In Zeiten der allmächtigen DSGVO und Co. in der ich jeden blöden Newsletter zweimal bestätigen muss, sollte ich nicht einfach ungefragt Werbung im Briefkasten akzeptieren müssen. Ich habe Einkaufaktuell niemals bestellt, deshalb möchte ich es auch nicht gegen meinen Willen zugestellt bekommen. Wenn überhaupt sollte ich einen Hinweis am Briefkasten anbringen, dass Werbung in diesem Haushalt erwünscht ist. So ist es mittlerweile längst im Internet und am Telefon Usus, warum also darf die werte Post hier ein eigenes Süppchen kochen?!

Wer künftig kein Empfänger einer der ca. 20 Millionen Ausgaben von Einkaufaktuell sein möchte, der kann im Netz der Lieferungen widersprechen. Der Verein “Letzte Werbung” hat hierzu ein Online-Formular erstellt, dass nach Angaben auf der Seite schon über 70.000 Haushalte ausgefüllt haben. Der Web-Link lautet https://www.plastikpost.de/

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