Ladensterben in Ubstadt-Weiher

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Rätselraten um künftige Postversorgung

Seit 20 Jahren steht Petra Schmitt jeden Tag hinter dem Tresen ihres kleinen Ladens am Zeuterner Oberdorfplatz. S’Dorflädl ist seit Ende der 90er Jahren Dreh- und Angelpunkt des idyllischen Weindörfchens. Hier gibt es, abgesehen von Lebensmitteln, alles zu kaufen was im Alltag benötigt wird: Pflanzensamen, Mausefallen, Grabkerzen, Dünger, Bastelbedarf, Glühbirnen, Schulhefte, Zeitschriften und Zigaretten. Dazu gibt es einen Wäscherei- und Mangelservice sowie die Möglichkeit Briefe und Pakete aufzugeben. Gerade für die älteren Menschen in Zeutern ist der kleine Laden unendlich wichtig. Er ist fußläufig zu erreichen, erspart den mühevollen Weg in die Stadt und ist zudem für viele von Ihnen echter sozialer Kit.

Hier erfährt man Neues, hier tauscht man sich aus, hier ist die Welt noch ein Stück weit so, wie man sie von früher her gewohnt ist. Viele Jahre lang waren die meisten Zeuterner hier regelmäßige Kunden, hielten ihrem kleinen Lädle loyal die Gefolgschaft. Doch seit etwa zehn Jahren hat sich der Wind für Petra Schmitt und den kleinen Laden schmerzlich gedreht. Viele ihrer alten Stammkunden sind mittlerweile verstorben und die Jüngeren haben sich zugunsten des komfortablen Online-Shoppings und der billigeren Supermärkte abgewendet. Weil nach einem schmerzhaften Bandscheibenvorfall nun auch Petras Gesundheit nicht mehr wie früher mitspielt, hat sie sich dazu durchgerungen ihren kleinen Laden zum Jahresende zu schließen. Auf die Frage hin wie es ihr damit geht, antwortet sie: “Mit einem lachenden und mit einem weinenden Auge”. Die Tränen die ihr während ihrer Entgegnung die Wangen herunterrollen, lassen befürchten, dass es wohl in erster Linie ein weinendes Auge sein wird. Wer kann es ihr verdenken… 20 Jahre jeden Tag ein fester Bestandteil, Herz und Seele von Zeutern zu sein, schüttelt man nicht einfach von heute auf morgen ab. Der kleine Laden wird Petra Schmitt fehlen und ebenso dem Rest des Dorfes.

Auch in Ubstadt wehen die Wechselwinde

Im benachbarten Ubstadt geht in der Stettfelder Straße ebenfalls zum Jahresende eine Ära zu Ende. Wenn bald die Silvesterraketen aufsteigen, erlöschen in Christel Leusers Schreibwarengeschäft nach Jahrzehnten die Lichter. Weil Sie und ihr Mann längst im verdienten Alter für den Ruhestand angekommen sind, haben die Leusers beschlossen ihren Laden und die dicke Holztüre, durch die man in den Hinterhof und so in den Laden gelangte, um noch ein paar Lottoscheine auszufüllen, ein paar Schulhefte für die Kinder zu kaufen oder die neueste Lieblingszeitschrift zu holen, endgültig abzuschließen.

Wie geht es mit der Post weiter?

Die meisten Kunden von Petra Schmitt und Familie Leuser dürften die Läden für die Erledigung ihre Postangelegenheiten genutzt haben. Mit den Schließungen ploppen nun auch Fragezeichen für die Zukunft der beiden bisher integrierten Post-Agenturen auf. Dem Vernehmen nach stehen beide Inhaber mit der Post in Gesprächen, um die entsprechenden Dienstleistungen weiterhin an Ort und Stelle anbieten zu können. Verbindliche Bestätigungen der Anmietung beider Ladenlokale durch die Post, stehen aber derzeit noch aus. Allzu lange können diese jedoch nicht mehr auf sich warten lassen, ist doch die Post gesetzlich verpflichtet entsprechende Angebote im Rahmen ihres Versorgungsauftrages bereitzustellen. Nicht einmal mehr drei Wochen bleiben bis zum neuen Jahr, so dass diese Frage in Ubstadt-Weiher eventuell noch spannend werden könnte. Bisher unbestätigten Informationen zufolge, scheint der Deal mit dem Zeuterner Lädle so gut wie sicher, während eine mögliche Vereinbarung in Ubstadt noch auf tönernen Füßen steht. Weil die Gespräche mit der Post aktuell noch laufen, hüllt man sich seitens der Gemeinde hierzu noch in Schweigen, arbeitet aber mit Hochtouren an der Lösung dieser Probleme.

Petra Schmitt in ihrem Laden in Zeutern

Während in Ubstadt und Zeutern sich in dieser Sache also noch Fragezeichen auftun, gibt es indes aber gute Nachrichten aus Weiher. Hier wird die Postagentur in den Räumen des alten Dorfladens, bald wieder im Rahmen eines in Vollzeit bewirtschafteten Geschäftes angeboten werden können. Am 3. Februar öffnet am Kirchplatz “Die heiße Nadel” – ein Stoffgeschäft das neben den Postdienstleistungen auch Schreibwaren anbieten wird. Dieser Neustart dürfte sich auch positiv auf die bisher stark eingeschränkten Öffnungszeiten auswirken.

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