KSC kritisiert Polizei für hartes Vorgehen in Stuttgart

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Nach den Vorfällen am gestrigen Sonntag im Zuge des Fußballspiels zwischen dem VfB Stuttgart und dem Karlsruher SC, werden die kritischen Stimmen immer lauter. Nachdem ein Großaufgebot von mehreren hundert Polizisten die Fans aus Karlsruhe am Bahnhof Untertürkheim in Empfang genommen hat, wurden diese zu Fuß Richtung Stadion begleitet. Abgesprochen war wohl im Vorfeld allerdings ein direkter Bustransfer zum Stadion, so die Stuttgarter Zeitung. Wieso dieser Plan kurzfristig geändert wurde, kann zur Zeit nicht abschließend beantwortet werden.

Laut Mitteilung der Polizei Stuttgart wurde sowohl in den Reihen der Fans des VFB als auch in denen des Karlsruher SC vereinzelt Pyrotechnik gezündet und Richtung der Beamten geworfen. Abgesehen von diesen einzelnen Vorfällen, erreichte der Tross aus Karlsruhe aber schließlich ohne weitere, größere Ereignisse das Stadion. Das Verhalten und das Vorgehen der Polizei vor Ort, stößt nun aber auf massive Kritik der angereisten Karlsruher Fans. Scheinbar willkürlich wurde eine Gruppe von mehreren 100 Menschen aus der Masse herausgelöst und von den Polizisten festgesetzt, darunter auch Familien, Jugendliche und Kinder. Laut Erkenntnissen des KSC wurden die Menschen während des gesamten Spiels von der Polizei eingekesselt und hatten weder die Möglichkeit Toiletten aufzusuchen noch Getränke oder Essen zu erhalten. Wie der Dachverband der KSC Fans „Supporters Karlsruhe 1986“ schreibt, wurden die eingekesselten Personen nicht einmal sondern gleich mehrfach kontrolliert und im Abschluss mit Platzverweisen belegt. 591 Personen wurde so der Zutritt zum Stadion verwehrt. Gegenüber dem SWR sprach ein Sprecher der Stuttgarter Polizei von einem „absoluten Standard-Prozedere“ und begründete die Separation der Spitze des Fans-Zuges mit gegen Beamte ausgeübten Gewaltdelikten.

In der folgenden Stellungnahme kritisiert der Karlsruher Sport Club das Vorgehen der Stuttgarter Polizei scharf und wirft ihr Unverhältnismäßigkeit und Willkür vor.

Stellungnahme des Karlsruher SC zu den Vorfällen rund um das Derby beim VfB Stuttgart

Vor und während dem Baden-Württemberg-Derby beim VfB Stuttgart kam es vor dem Stadion zu umfangreichen polizeilichen Maßnahmen gegenüber Fans des Karlsruher SC. Nach Angaben der Polizei führte das Zünden von Pyrotechnik von KSC-Fans im Rahmen der Anreise sowie Angriffe mit Baustellenmaterial auf Polizisten zu intensiven Kontrollen bzw. zu sog. Identitätsfeststellungen bei knapp 600 Personen.

Der KSC distanziert sich von jeglicher Gewalt gegenüber Polizisten und verurteilt etwaige Angriffe auf das Schärfste.

Bei der Polizeimaßnahme wurden nicht nur mutmaßlich gewalttätig gewordene Personen, sondern mehr oder weniger willkürlich Fans, darunter auch Kinder, Jugendliche sowie Frauen, über fünf Stunden vor dem Stadion eingekesselt. Die betroffenen Personen konnten das mit Spannung erwartete Spiel trotz gültiger Eintrittskarte nicht im Stadion verfolgen. Der KSC stellt fest, dass es nicht sein darf, dass Unbeteiligte über mehrere Stunden festgehalten werden und solange nicht die Möglichkeit haben, sanitäre Einrichtungen wie beispielsweise Toiletten zu besuchen oder sich mit Essen und Getränken zu versorgen. Informationen durch die Polizei an die Betroffenen gab es im Laufe der Aktion so gut wie keine. Zudem wurden nach KSC-Informationen die szenekundigen Beamten aus Karlsruhe bei der Maßnahme nicht hinzugezogen.

Festzuhalten ist es darüber hinaus, dass die Polizei eine kurzfristige Änderung des geplanten Ablaufs ohne Rücksprache mit dem KSC vorgenommen hatte. Statt wie in den drei vorab beim VfB stattgefundenen Sicherheitsbesprechungen festgelegt und dokumentiert, wurden die zwölf Busse der aktiven Fanszene statt in Stadionnähe zu halten, ebenfalls zum Ankunftspunkt der Zugfahrer und damit zu einem erzwungenen Marsch der Zuschauer ab dem Untertürkheimer Bahnhof gebracht.

Des Weiteren war, entgegen der ursprünglichen Ankündigung im offiziellen Fanbrief, die Zufahrt zum ausgewiesenen Gästeparkplatz P7 über Stunden seitens der Polizei nicht gestattet. Stattdessen wurden die KSC-Fans auf einen Parkplatz direkt vor dem Stuttgarter Heimbereich geleitet, was für diese zu einer Vermischung mit VfB-Fans führte.

„Die Umsetzung der polizeilichen Maßnahmen war aus unserer Sicht unverhältnismäßig. Auch die Kommunikation gegenüber Fans, Fanprojekt, Fanbetreuung und Vereinsvertretern hätte besser laufen müssen“, so KSC-Geschäftsführer Michael Becker.

Zur vollständigen Aufbereitung der Vorfälle wird der KSC den zuständigen polizeilichen Einsatzleiter sowie den verantwortlichen Abschnittsleiter für den Gastbereich zu Gesprächen einladen.

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