Kommt (nicht) in die Tüte

|

Hygienisch, praktisch, gut oder ökologischer Blödsinn? Über Sinn und Unsinn der Hundekotbeutel.

Ein Beitrag von Philipp Martin

Mein letzter Besuch in unserer bundesdeutschen Hauptstadt ist schon eine Weile her, doch ist mir von diesen heißen Sommer des Jahres 2005 in Berlin hauptsächlich der Geruch in Erinnerung geblieben. Die Stadt roch nach Hundekot. Kein Wunder, überall auf den Gehsteigen lagen die Haufen der städtischen Vierbeiner in der blanken Sonne und dampften übel vor sich hin. Die Frage, ob man im Grau der Innenstädte einen Hund halten sollte, klammere ich aus, nicht aber die Frage, was mit den Hinterlassenschaften der Hunde geschehen soll. Viele Stadtverwaltungen haben die Frage bereits für sich beantwortet und den Hundekotbeutel als Allzweckwaffe auserkoren. Hundebesitzer führen kleine Plastikbeutel mit sich, tüten die Häufchen Ihres Lieblings an Ort und Stelle ein und werfen das Ganze in die nächste Mülltonne. Die Zuwiderhandlung wird fast überall sanktioniert, manche Städte führen sogar schon DNA-Tests durch, um uneinsichtige Hundehalter ausfindig zu machen.

Was in der großen Stadt pragmatisch tatsächlich mitunter Sinn macht, erscheint auf dem grünen Acker in ländlichen Regionen aber zumindest fragwürdig. Auch im Kraichgau stehen bereits vielerorts Tütenspender, damit Spaziergänger mit Hunden den Kot ihrer Tiere einsammeln und eintüten können. Da nicht jeder Hund immer in der Nähe eines Mülleimers aktiv wird, müssen die Hundehalter den Beutel mit der duftenden Fracht oft lange mit sich führen, bis sie das unbeliebte Accessoir entsorgen können. Nicht alle haben offenbar die entsprechende Ausdauer, nicht selten landet der kleine Beutel dann mitten in der Natur.

Ökologisch gesehen sind die kleinen Beutel jedoch alles andere als ideal. Mehrere hundert Millionen Stück werden Jahr für Jahr alleine in Deutschland benutzt, die meisten davon aus stinknormalem Plastik, das nur sehr, sehr langsam verrottet und dabei auch noch mikroplastische Rückstände erzeugt. Während also normaler Hundekot binnen weniger Wochen vollständig und ökologisch unproblematisch verrottet, bleiben die Plastikbeutel lange, lange Zeit ein Problem für die Umwelt, in der sie entsorgt wurden. Gerade entlang irgendwelcher Feld- und Wiesenwege kann man sich hier schon nach einem angemessenen Kosten-Nutzen-Abwägung fragen.

Natürlich ist völlig klar, dass Hundekot nicht überall einfach liegen bleiben kann, bzw. an manchen Stellen gar nicht erst landen sollte. Auf Feldern haben die Hinterlassenschaften nichts zu suchen, da sie bei der Ernte die Lebensmittelkette kontaminieren können, ebensowenig sind die stinkenden Haufen in Parkanlagen oder gar privaten Gärten zu dulden. Wenn “es” aber eben dann doch mal passiert, sollten Hundehalter verantwortungsvoll mit der Situation umgehen. Die nachhaltige Entsorgung ist aber gar nicht so einfach. Selbst Hundekot-Tüten aus Papier oder aus recyceltem Plastik sind nicht wirklich der Königsweg, da sie alle im Restmüll entsorgt werden müssen und am Ende in der Müllverbrennungsanlage landen. Der Restmüll ist dabei alternativlos, denn Hundekot enthält Bakterien, Würmer und andere biologische Komponenten, die nicht einfach kompostiert werden können.

In der Pflicht stehen am Ende aber natürlich die Hundehalter, schließlich sind es ihre Vierbeiner und damit auch deren Hinterlassenschaften für die sie Verantwortung übernommen haben. So lassen sich beispielsweise Spazierrouten wählen, entlang derer die Vierbeiner problemlos im Unterholz verschwinden können und wenn einmal etwas dort landet, wo es definitiv nicht bleiben sollte, muss die verantwortungsvolle Entsorgung eine Selbstverständlichkeit sein. Sich einem befüllten Hundekotbeutel inmitten grüner Natur zu entledigen, ist nicht nur widersinnig, sondern verbietet sich auch ganz von alleine.

Stimmt etwas nicht? Haben wir einen Fehler gemacht oder etwas vergessen? Sagen sie's uns! Hier finden Sie alle Kontaktmöglichkeiten mit unserer Redaktion.Ihr Feedback zählt!

Vorheriger Beitrag

Der Seher

Freie Kapazitäten beim Impfen in Östringen

Nächster Beitrag

3 Gedanken zu „Kommt (nicht) in die Tüte“

  1. In Kraichtal hängen von oben genannten Spendern so wenige, wie in kaum einem anderen Ort, den ich bisher mit Hund durchquerte. Da wäre deutlich Luft nach oben. Was den Eltern beim putzen der Schuhe ihrer Kinder durch den Kopf geht, welche beim Waldspaziergang auch mal etwas abseits gelaufen sind, wollen wir mal nicht weiter erörtern. Wenn die Alternative ist, dass wie einst in Berlin die Hinterlassenschaften liegen bleiben, leben die meisten Bürger wohl lieber mit der sündigen Tüte. Zum Unterholz müsste man mal einige der hiesigen Jäger fragen, wie die das so finden. Die Intention des Beitrages leuchtet einem durchaus ein, allerdings lässt sich für mich kein schlüssiges Fazit heraus lesen, was eine praktikable Alternative zur Entsorgung des Hundekots sein könnte.

  2. Ich als Hundebesitzer habe (fast) immer eine Tüte dabei. Nachdem meine Hündin in der Regel an Hecken u.ä. rückwärts einparkt, um ihr Geschäft zu verrichten, wird dieses nicht immer entfernt. Ansonsten = In die Tüte und in den Abfall. Gefüllte Tüten wegzuwerfen ist völlig daneben. Ebenso den Kot auf dem Weg liegen zu lassen. Manchen Hundebesitzern ist das aber egal – leider,

  3. Sind ja sicher einige Hundebesitzer hier. Was ist der Gedankengang dahinter die Tüte einfach in die Hecke zu werfen an der man täglich spazieren geht?

Kommentare sind geschlossen.