Keine Party, Kein Service

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Er kochte für tausende Gäste gleichzeitig, dann kam Corona

Seit 33 Jahren ist Heribert Schmitt Koch – wollte nie etwas anderes sein. Mit 24 Jahren hat er sich selbständig gemacht und betreibt seither seinen eigenen Partyservice mit dem wenig überraschenden Namen “Heribert Schmitt – Partyservice”. 1988 ging es im Haus seiner Eltern in Alt-Bruchsal in der Württemberger Straße los, seit 23 Jahren findet man ihn nun schon im alten Schlachthof der Stadt. Hier hat Heribert seine Küche in einem Kathedralen-artig anmutenden Raum, dessen Decke mindestens 12 Meter über den Köpfen aufragt. Alles ist sauber, gepflegt – ja geradezu pedantisch ordentlich. Die Anrichten glänzen, jedes Ding und Teil hat seinen angestammten Platz, die feine Wäsche liegt ordentlich gebügelt und zusammengelegt in Plastikkisten und vom Fußboden könnte man vermutlich essen, wenn man denn wollte. Inmitten dieses, seinen Reiches, steht Heribert – im ordentlich gebügelten, strahlend weißen Kochkittel und lächelt freundlich in die Kamera. Vor ihm liegen noch die Utensilien seines heutigen Tagewerks – Geschirr und Zutaten für eine Kartoffelsuppe für gerade einmal 20 Personen. Keine Herausforderungen für den gelernten Koch, der zu Stoßzeiten mehrere tausend Menschen gleichzeitig bekochen kann – vielmehr eine Art Beschäftigungstherapie.

Die Corona-Krise hat Anfang letzten Jahres jeglichen, gesellschaftlichen Anlässen instantan den Stecker und damit auch Heribert und seinem Partyservice den beruflichen Boden unter den Füßen weggezogen. Seine Mitarbeiter musste er in Kurzarbeit schicken, all die unzähligen bereits bestätigten und gebuchten Aufträge für das Jahr 2020 fielen ersatzlos ins Wasser. Für die unmittelbar bevorstehenden Jobs waren Zutaten und Material bereits gekauft und eingelagert, anstatt der so wichtigen Einnahmen begann die mehrmonatige Durststrecke schon zum Auftakt mit herben Verlusten. “Das hat mich arg mitgenommen, ich habe mehr als einmal heulend überlegt, wie es weitergehen soll” erzählt Heribert nachdenklich und gänzlich ehrlich. Um nicht sämtlichen Bezug zu seinen beruflichen Routinen zu verlieren, fing Heribert an in kleinem Stil zu kochen und einen täglichen Mittagstisch anzubieten. Die Einnahmen reichen noch nicht einmal aus um die Kosten zu decken, doch gar nichts tun, kommt für ihn eben nicht in Frage. Über Wasser hält sich Heribert und seine Angestellten nur mit den staatlichen Hilfen, gerade erst vor wenigen Wochen wurden jene für den November ausbezahlt.

Aufgeben, das kommt für den erfahrenen Logistiker und Gastronomen überhaupt nicht infrage. Alles in seiner kleinen Ecke des Schlachthofes wartet auf Morgenluft. In warmen Terrakottatöpfen im Innenhof blühen dutzende, handgezogene Kräuter, das Geschirr und die Warmhaltebehälter werden jeden Tag abgestaubt und poliert – schließlich könnte es jederzeit wieder losgehen. Die sinkenden Inzidenzen und die Lockerungen lassen in Heribert Schmitt die Zuversicht aufkeimen, dass das gesellschaftliche Leben und damit sein beruflicher Neustart ein Comeback erleben werden. Es kommt nun alles auf den Sommer, auf zahlreiche Veranstaltungen und dementsprechend viele Aufträge an. Schon jetzt klingelt häufig das Telefon, doch die Unsicherheit über aktuelle Verordnungen und viele Fragezeichen bezüglich der Zukunft, sind jedem einzelnen Kunden deutlich anzumerken, erzählt Heribert.

Doch für ihn geht es nun ums Ganze: “Wenn der Sommer nicht läuft, dann haben wir verloren” weiß er genau, seufzt kurz, lächelt zuversichtlich und begibt sich wieder in seine Küche um weiter zu werkeln. Das Klingeln einer seiner Öfen verkündet unmissverständlich: Weiter geht’s, wer rastet der rostet. Heute gibt es wieder Heribert Spezialität, heiß geräucherter Lachs aus dem Buchenrauch. Bleibt zu hoffen dass er ihn bald wieder in großem Stile ausgeben kann, in weißem Kittel, mit breitem Grinsen und vor unzähligen, fröhlichen Gästen.

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3 Gedanken zu „Keine Party, Kein Service“

  1. Solche Geschichten sind immer wieder traurig zu lesen! Während das Geld für die Großindustrie, die jetzt Rekordgewinne vermeldet, innerhalb kürzester Zeit kam, wurden hier leider viele Existenzen in den Ruin getrieben. Ich weiß selbst von einem Gastronomen, der monatelang kein Geld bekommen hat und danach nur einen kleinen Teil dessen, was beantragt wurde.
    Vielleicht hätte es ja geholfen, wenn man die Lockdowns härter und damit kürzer gehalten hätte, aber man hat scheinbar lieber auf die, auf der Straße am lautesten schreienden Superspreaderevents gehört. Warum entzieht sich mir bis heute leider jedem Verständnis?
    Ich drücke allen Gastronomen, Künstlern und wer auch immer jetzt in einer schlimmen Lage ist die Daumen, dass es möglichst schnell wieder besser wird!

    • Martin,

      Gerne können Sie sich mal das Papier der Aerosolforscher anschauen und lesen.
      Im Freien gibt und gab es keine Superspreader Events!
      Nur direkte Ansteckung von Person zu Person ist möglich und dabei müssten die beiden sich über einen längeren Zeitraum gegenüberstehen.
      Menschen, die auf die Straße gehen, pauschal so zu diffamieren, halte ich für höchst problematisch.
      Viel zu viele trauen sich noch nicht einmal mehr im kleinen Kreis Kritik an der Pandemie-Politik zu äußern. Dank Menschen wie Ihnen!

      „Kurze“ Lockdowns gibt es in Deutschland nicht. Egal wie „hart“ die Maßnahmen gewesen wären, man hätte nicht nach nur 3 oder 4 Wochen wieder aufgemacht.
      „Man darf das Erreichte ja nicht verspielen!“

      Die Regierung hat vielmehr versäumt Hygienekonzepte zu entwickeln, in die man auch bei hohen Inzidenzen vertrauen möchte.
      Es wäre so viel mehr möglich gewesen und die Zahlen wären deswegen noch lange nicht explodiert!
      Viele Veranstalter und Gastronomen haben gute, schlüssige und wirksame Konzepte. Sie haben teure Investitionen getätigt um eine „sichere“ Umgebung zu schaffen.
      Die Regierung hat sich dafür aber nicht interessiert!
      Menschen wurden zu „heimlichen“ Zusammenkünften in der schlecht belüfteten Wohnung gezwungen, wo die Ansteckungsgefahr ungleich höher ist und sich eben auch viele angesteckt haben. Diese Ansteckungen lassen sich dann auch nicht zurückverfolgen, weil keiner vor dem Gesundheitsamt zugibt, sich heimlich getroffen zu haben.

      • Liebe Missy,

        habe ich getan, danke für den Hinweis. Wenn Menschen ohne Maske, in Massen, eng beieinanderstehen, gab und gibt es Ansteckungen. Wenn Abstände eingehalten werden, ist die Ansteckung natürlich vernachlässigbar, was aber auf den Massendemonstrationen ja leider nicht getan wurde.

        Und als Ergänzung: Bei mir darf jeder seine Meinung äußern, wir leben schließlich in einer Demokratie und da ist so etwas essenziell!
        Aber Demonstrationen gegen wissenschaftlich festgestellte Dinge durchzuführen, dabei Reporter und Polizisten anzugreifen, Plakate mit Tötungsabsichten gegen andere Menschen in die Luft zu halten, ging für mich am Ziel vorbei.

        Ich bin auch nicht mit allem einverstanden gewesen und denke, man hätte im Bereich Kunst/Kultur viele Veranstaltungen mit Unterstützung stattfinden lassen können, wenn auch im kleineren Rahmen. Aber jede Veranstaltung wäre ein Gewinn für alle gewesen. Und was die Gastronomie angeht, so gibt es sicherlich Lokale, die tolle Konzepte haben. Diejenigen, die ich persönlich gesehen habe, waren weniger überzeugend und das waren eine Menge. Aber auch hier wäre mit mehr Unterstützung sicherlich vieles möglich gewesen. Gerade das die Außengastronomie so lange stillgelegt und hier nicht mehr Flexibilität gezeigt wurde, hat mich verwundert. Ebenso was die Schulen angeht. Einfaches Lüften ist eben keine Lösung gewesen. Natürlich hätte man Luftfilteranlagen nicht so schnell heranschaffen können, aber vielleicht hätte man ja mit ein wenig Eigeninitiative und Geld auch Alternativen bauen können. Es gab da zahlreiche Vorschläge.

        Von diesen heimlichen Zusammenkünften habe ich bisher leider auch nur genau von denen gehört, die auch auf der Straße waren. Die Mehrheit hat sich ja an die wissenschaftlichen Empfehlungen gehalten und die sehr einfachen Regeln der Pandemiebekämpfung befolgt. Zum Glück, sonst hätten wir so furchtbare Dramen wie in Italien, Frankreich, Indien oder Brasilien erleben müssen.

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