Katzen, Katzen bis zum Kotzen

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Eine Milliarde Katzen streunen durch die Kraichgauer Facebook-Gruppen

Eine Kolumne von Thomas Gerstner

Freunde, ich habe absolut nichts gegen Katzen einzuwenden, auch wenn ich zugegebenerweise selbst eher der Hundetyp bin. In der Redaktion haben wir sogar selbst zwei super-fette Kater deren gesamte Wegstrecke über den Tag verteilt, summiert vermutlich 100 Meter nicht überschreitet. In der eigenen Wohnung wollte ich Katzen aber eher nicht haben, dort leben schon genug Menschen die mir jeden Tag klar und deutlich vermitteln dass sie sich für etwas besseres halten.

Man sollte also meinen dass ich, abgesehen von den zwei Fettrollen auf vier Beinen in der Redaktion, nur sporadischen Kontakt zu Katzen habe. Doch weit gefehlt, ich muss mich mit gefühlt 250.000 Katzen aus dem Kraichgau abgeben, Tag für Tag. Wer als Lokaljournalist die kleinen und großen Themen aus der Region verfolgen möchte, der kommt nicht umhin Mitglied in allen wesentlichen Facebook-Gruppen unseres schönes Hügellandes zu sein. Das Abarbeiten meiner Timeline, übrigens auch jene der Kollegen, wird dabei zunehmend zu einem Spießrutenlauf durch das Katzen-Kabinett der Region. Jeder zweite Post behandelt mittlerweile in irgendeiner Form eine Katze. Entlaufene Katze, zugelaufene Katze, vermisste Katze, süße Katze, tote Katze….. Katzen bis zum abkotzen.

Versteht mich nicht falsch, es ist absolut nichts dagegen einzuwenden, dass eine Familie mit Kindern deren Vierbeiner abhanden gekommen ist, nach einer angemessenen Zahl an Wartetagen mal kurz in der örtlichen Gruppe herum fragt wo denn Meister Muschi abgeblieben ist. Manche dieser Posts sind aber derart sinnfrei, dass man sich einfach nur an den Kopf fassen muss. Da schreiben mitunter Menschen, die sich tatsächlich und allen Ernstes als Katzen-Mamis bezeichnen. Bei diesem Wort klappen sich bei mir immer die Zehennägel hoch, komme ich doch nicht umhin mir vorzustellen, wie besagte menschliche Katzen-Mami 12 kleine Fellknäuel entbindet… Wuahhh. Manche der Texte lassen zudem auf ein zutiefst gestörtes Verhältnis zur Menschheit schließen. Während das eigene Tier vergöttert wird, liest man hier über die Mitmenschen nur Negatives und abfälliges. Seltsam, insbesondere wenn man die vielen Studien zur Kenntnis nimmt, die aufzeigen dass eine Katze in Sachen Loyalität und Zuneigung “ihren” Menschen wohl weitaus weniger zu schätzen weiß als umgekehrt.

Besonders sinnfrei sind die Beiträge in denen eine x-beliebige Katze auf der Straße fotografiert wird um selbiges Bild sofort auf Facebook zu posten, natürlich verbunden mit der Frage: Wer kennt diese Katze? Leute, das sind Katzen. Es ist normal dass diese Tiere durch die Gegend streunen und sich auch manchmal ein paar Tage lang nicht zu Hause blicken lassen. Unsere beiden Kater, damals während meiner Kindheitstage in Eppingen, haben sich manchmal wochenlang nicht blicken lassen, waren dann wieder 2-3 Tage zu Hause um sich den Wanst voll zu hauen und sind dann wieder auf Rumvögel-Tour gegangen. Niemals wären wir damals auf die Idee gekommen Fotokopien mit ihren Schnappschüssen an Laternenpfosten aufzuhängen, um bereits nach wenigen Stunden Abwesenheit eine epische Suchaktion ins Leben zu rufen.

Heute scheinen das viele Zeitgenossen anders zu sehen und nehmen in Kauf tausenden Mitmenschen mit besagten Beiträgen auf die Nüsse zu gehen. Nun wird mal eben mit dem Smartphone ein Bild ins Netz geladen, dort tausendfach geteilt, so dass dieselbe Suchanzeige nicht nur in einer, sondern gleich in allen Gruppen erscheint. So kann es also durchaus öfter mal vorkommen, dass Kitty-Kats aus Gemmingen noch in Karlsdorf-Neuthard gesucht wird – Könnte ja sein dass die Katze die Teleportation entwickelt oder per Anhalter die 80 km zurückgelegt hat… Man weiß ja nie.

Besonders gefallen mir auch die Suchanzeigen die auch noch Handlungsanweisungen im Imperativ enthalten. Keinen Kontakt aufnehmen! Nicht verfolgen! Nicht beachten! Ortungen durchgeben!…. Hin und wieder kommen dann auch noch ein paar sinnfreie Updates hinzu. ….Die Katze wurde vor 3 Tagen an folgender Stelle gesehen… Könnte ja sein dass sie sich auf dem dortigen Gehsteig-Abschnitt häuslich niedergelassen hat… Ach du liebe Lotte…

Es ist mir schon klar, dass ich für diesen Gerstner vermutlich in der Luft gevierteilt werde. Man wird mir entgegenhalten, dass doch so viele Katzen durch diese Art von Beitrag wieder ihren Weg nach Hause gefunden und glückliche Familien wieder vereint wurden. Ich möchte einfach zu bedenken geben, dass es in den sozialen Netzwerken auch Menschen gibt die nicht permanent mit dem Thema Katze konfrontiert werden möchten und dass es zudem spezielle Facebook-Gruppen gibt, in denen entlaufene Tiere gemeldet und gefunden werden können.

Da lobe ich mir doch unsere beiden Redaktions-Katzen. Selbst wenn diese ausbüchsen und zwei Tage Vorsprung bekämen, würden sie in dieser Zeit vermutlich nicht über einen 200 m Radius um die Redaktion hinauskommen. Oder orientiert euch doch an meiner Frau…. die würde meine Abwesenheit möglicherweise nach ein paar Tagen bemerken, mit den Achseln zucken und weiter machen. Das ist Liebe.

Euer Tommy

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