“Kapitulation ist keine Alternative” – Das Gesundheitsamt liefert einem unsichtbaren Gegner einen beherzten Kampf

|

Die Bundeswehr unterstützt die Karlsruher Behörde bei der Eindämmung der Corona-Pandemie

Auch die jüngsten Zahlen lesen sich alles andere als gut: Knapp 2000 aktuell Infizierte im Stadt- und Landkreis Karlsruhe und eine 7-Tage-Inzidenz von 141,6 in der Stadt bzw. 119,1 auf dem Land. Das Gesundheitsamt Karlsruhe rangiert am Rande seiner Möglichkeiten und versucht mit dem sprunghaften Anstieg der Zahlen Schritt zu halten. Immer mehr Mitarbeiter werden benötigt um die Kontaktverfolgung – dem derzeit einzig probaten Mittel im Kampf gegen die Pandemie – aufrechtzuerhalten. Ständig wird neues Personal eingestellt, Mitarbeiter aus anderen Behörden abgezogen und neuerdings auch die Hilfe der Bundeswehr in Anspruch genommen. Bereits zwei Gesuche um entsprechende Unterstützung hat das Landratsamt bei der Truppe gestellt – beide wurden zügig bewilligt. So arbeiten in den aus allen Nähten platzenden Räumlichkeiten des Gesundheitsamtes vis-à-vis von Schloss Gottesaue derzeit 16 Soldaten um die Kontaktpersonen von Infizierten zu finde, informieren und über eventuelle Quarantänemaßnahmen in Kenntnis zu setzen. Anordnen dürfen die Soldaten eine solche Maßnahme allerdings nicht – formal ist dies nur durch das Ordnungsamt selbst möglich.

Bei einer Pressekonferenz am Mittwoch informierten Landrat Dr. Christoph Schnaudigel, Oberst Thomas Köhring, Kommandeur des Landeskommando Baden-Württemberg und Dr. Peter Friebel, Leiter des Gesundheitsamtes über die immer schwerer werdende Arbeit der sogenannten Containment-Scouts, jener Menschen die versuchen der Ausbreitung des Virus Herr zu werden. Zu 100 Prozent gelingen kann dieses Unterfangen nicht, das ist allen Beteiligten absolut klar – jedoch gibt es einfach keine gangbare, alternative Strategie dazu. Die oft geforderte Konzentration auf Risikogruppen sieht Landrat Dr. Christoph Schnaudigel als keine solche Alternative an, zählen doch in Deutschland rund 30 Prozent der Menschen zu dieser Kategorie.

Großhochzeit mit 500 Gästen im Kraichgau

Einfach gestaltet sich der Kampf gegen das Virus beileibe nicht. Derzeit könne das Gesundheitsamt 30 bis 40 Prozent der Infektionen keiner eindeutigen Quelle zuordnen, man versuche aber trotzdem alle Kontaktpersonen zu ermitteln und zu kontaktieren, so Peter Friebel, oberster Gesundheitshüter der Behörde. Wie schwierig sich das gestaltet, zeigen auch hier und da ein mangelhaftes Verständnis und fehlende Mitwirkung aus der Bevölkerung. Gerade habe man von einer Großhochzeit mit über 500 Gästen im Kraichgau erfahren, die ersten „Zipfel“ der daraus resultierenden Infektionen würden nun allmählich greifbar, so Friebel.

Weitermachen und Reagieren wo es geht

Der Kampf geht an die Substanz. Die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes rangieren seit Monaten am Rande ihrer Belastungsgrenze. 11 – 12 Stunden Arbeit am Tag sind keine Seltenheit und auch am Wochenende arbeiten die Scouts – entgegen weit verbreiteter Vorurteile – fast ohne Pause. Wie wichtig die Arbeit aber ist, berichtet im Zuge des Pressetermins beispielhaft der gelernte Krankenpfleger und aktiver Containment-Scout Paul Bohnert aus eigener, leidvoller Erfahrung. Er hat die Infektion bereits durchgemacht und leidet seither noch an ihren Nachwirkungen.

Dass es auch in den nächsten Wochen und Monaten nur mit großen Anstrengungen weitergehen kann, daran zweifelt im Gesundheitsamt Karlsruhe wohl niemand. Um die Mitarbeiter nicht zu verbrennen, soll nun ein neues Schichtsystem greifen, das die ausufernden Arbeitszeiten wieder einfangen und die Scouts entlasten soll. “Das Ganze ist ein Marathon” so der Landrat in einer pragmatischen Prognose für den Fortgang der Pandemie in der Region. „Das wird ein schwerer Winter“

Vorheriger Beitrag

Comeback der stillen Gleise rückt näher

Gondelsheim: Pkw ausgebrannt

Nächster Beitrag

1 Gedanke zu „“Kapitulation ist keine Alternative” – Das Gesundheitsamt liefert einem unsichtbaren Gegner einen beherzten Kampf“

  1. Man hatte auch nur 6 Monate, um sich vorzubereiten. Dass ein Winter kommen würde war im Frühjahr wohl nicht absehbar.

Kommentare sind geschlossen.