Heute ist ein guter Tag zum Tanzen

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Vor zwanzig Jahren gründeten Lilia und Sven Wipper in Bruchsal ihre Tanzschule und haben seither unzählige Menschen zusammen und zum Tanzen gebracht

Zweifelsohne, Sven kennt in der Region viele Menschen, aber eines ist sicher: Noch mehr Menschen kennen ihn. Seit Jahren lächelt er im knallrosa Polohemd im lockeren Wiegeschritt vor jedem Spielfilm im Werbeblock von der Kinoleinwand herunter. Bei jedem größeren Stadtfest in Bruchsal oder Bretten ist er vor Ort, zeigt auf der Schaubühne, was seine Tänzerinnen und Tänzer auf dem Kasten haben.

Das Tanzen, eine gute Show und alles was zu einem Event dazu gehört, das alles ist Svens Sache und zwar schon seit seinem 13. Geburtstag. Damals hat seine Mutti ihn zu einem klassischen Tanzkurs bei Vollrath in Karlsruhe genötigt, unwissend, was sie damit lostreten sollte. Wie viele andere Menschen auch, ging Sven mit reichlich falschen Vorstellungen in den Unterricht, erwartete im Grunde die Manifestation gesitteten Spießbürgertums. Etwas in der Art jener Tanzschule, um die sich die ganze Handlung der Spielfilmreihe Ku’damm 56 dreht. Also gestrenge Lehrer, Betonfrisuren und Schellacktitel zwischen Caterina Valente und Trude Herr.

Doch es kam anders…Sven hatte Spaß am Tanzen und war von der Atmosphäre der Tanzschule fasziniert… sogar so fasziniert, dass er die ergatterte Ausbildung zum IT-Systemelektroniker am heutigen KIT sausen ließ und stattdessen die damals noch dreijährige Ausbildung zum Tanzlehrer in Angriff nahm. “Meine Eltern waren nicht gerade begeistert“, lacht Sven und ergänzt “vorsichtig ausgedrückt”. Doch in der Karlsruher Tanzschule Vollrath, in der Generationen der Fächerstädter bereits die flotte Sohle erlernt hatten, fand Sven ein Zuhause, in Bodo Vollrath einen Mentor und in der Tanzschülerin Lilia sogar eine Frau fürs Leben.

Wer sich alte Fotos von Sven aus dieser Zeit ansieht, der sieht quasi in das personifizierte Abbild der 90er. Einen gertenschlanken, gebräunten jungen Mann mit blondierten Haarspitzen, strahlend weißen Zähnen und breitem Grinsen. Sven strotzte vor Energie, trieb den eigenen Erfolg unerbittlich vor sich her. Den Sprung in die Selbstständigkeit wagte er unmittelbar nach seiner Ausbildung. Ohne nennenswertes Kapital eröffnete er im Dachgeschoss der Bruchsaler Murgstraße seine erste Tanzschule, ein bisschen blauäugig zwar, doch gemäß dem Leitsatz “Fortes fortuna adiuvat” – das Glück ist mit den Tüchtigen.

Bruchsal biss an und stürmte die Tanzfläche. Svens Konzept, das nicht nur auf biederen Tanzunterricht, sondern auf einen bunten Abend mit Musik, etwas Party und ein fröhliches und vor allem unkompliziertes Miteinander setzt, verfing in der Stadt. “Tanzen kann jeder” weiß Sven „..es geht aber nicht nur um Technik, sondern auch ums Gefühl”. “Glücklich macht es auch”, ergänzt Lilia und beide berichten von unzähligen Paaren, die sich bei ihnen auf der Tanzfläche kennengelernt haben – manche davon sind schon viele Jahre lang glücklich verheiratet.

Bei Wipper pflegen die Älteren ihre Beziehungen und ihr Miteinander, die Jüngeren lernen das Tanzen gleich von der Pike auf. Obwohl man es kaum glauben mag, sind die klassischen Gesellschaftstänze wie ChaChaCha oder Foxtrott nach wie vor stark gefragt – auch bei den Teenies. Gerade letztere schätzen laut Sven und Lilia die Möglichkeit, in der Tanzschule auch mal einen lockeren Abend zusammen zu verbringen, der ihnen in anderen Bruchsaler Lokalitäten verwehrt bliebe. Es sei ein schöner Anlass, sich näherzukommen, Kontakt zueinander aufzunehmen und das alles in einem harmlosen und eben auch behüteten Rahmen. “Zwar können 16-Jährige bei uns durchaus ein Bier kaufen, wir haben aber die Preise für Alkohol ganz bewusst deutlich höher angesetzt, so dass die allermeisten ohnehin nur alkoholfrei trinken” erklärt Sven, der obwohl er für sein Leben gern Partys und Veranstaltungen auf die Beine stellt, selber alles andere als ein Partytier ist. Organisieren, managen, arrangieren… das macht dem heute 41-Jährigen sichtlich Spaß. “Mein Mentor Bodo Vollrath hat mir beigebracht, immer mit einem 360° Blick durch den Raum zu gehen, zu schauen, was fehlt und wo es nachzujustieren gilt”.

Der Erfolg riss nicht ab und so bezog Sven mit seiner Tanzschule zunächst weitere 1000 Quadratmeter in der Murgstraße, um sich schließlich in der ehemaligen Tanzschule von Gaby Thompson ein zweites und schließlich im Malag Center Bretten ein drittes Standbein zu schaffen.

Sven ist zusammen mit seiner Tanzschule gewachsen und das im wortwörtlichen Sinne. Der Stress, die unsteten Arbeitszeiten und das Brennen auf höchster Stufe haben das einstige Leichtgewicht zu einem echten Hünen anschwellen lassen. Das rasante Wachstum der Firma brachte ihn fast an den Rande eines Burnout. Als ihm mit Beginn der Lockdown-Phase während der Pandemie dann der Betrieb der Tanzschulen untersagt wurde, gelangte Sven an seine Grenzen. “11 Monate Schließung haben uns ein sechsstelliges Loch in die Kasse gebrannt – ich wusste erstmal nicht wie es weitergehen soll”.

Doch es ging weiter, so wie es immer weiter gegangen ist. Die Pandemie ging vorüber und allmählich kehren die Tanzpaare zurück, wenngleich auch noch lange nicht die Zahlen vor der Krise erreicht sind. Doch Sven plant bereits den nächsten Schritt. An seiner neuen Adresse in der Schwetzinger Straße baut er derzeit eine zusätzliche Eventlocation mit einer Open Air Tanzfläche und einer Outdoorküche für Veranstaltungen. “The show must go on” – das Credo der Veranstaltungsbranche schlechthin.

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1 Gedanke zu „Heute ist ein guter Tag zum Tanzen“

  1. Dem kann ich zu 100% zustimmen. Ich tanze seit über 4 Jahren bei der Tanzschule Wipper und das mehrfach in der Woche und jede Stunde füllt den Akku aufs Neue auf! Man kommt abgearbeitet nach einem langen Arbeitstag in die Tanzschule und trifft nette, alte & neue Bekannte, schließt oder manifestiert Freundschaften, genießt den Abend in lockerer Atmosphäre bei aktueller Musik, fördert Konzentration und Motorik beim Tanzen und hat einfach gute Laune. Dazu gibt es immer wieder neue Ideen vom Tanz-Chef – einfach genial. Nach dem Tanzunterricht fährt man glücklich nach hause und hat alle Sorgen, den Druck des Arbeitstages hinter sich gelassen. Man hatte einen schönen Abend, hat sich dafür und für seine/seinen Liebsten etwas chick gemacht, ein Weinchen in der Pause getrunken, mit netten Leuten geplaudert oder einfach Spaß am Tanzen gehabt. Oder eine neue Technik, Körperhaltung-/Spannung oder Paarharmonie gelernt. Alles wird bei Wipper angeboten und immer unter dem Motto: kann, aber muss nicht. Und das macht einfach Spass!!! In diesem Sinne: Vielen Dank Lillia (Anmerk an die Red. mit doppel L) und Sven für jede tolle Tanzstunde und die, die noch kommen werden.

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