Der Dämmerungsumzug in Zeutern ist und bleibt das Kleinod der Kraichgau-Fasnacht
von Stephan Gilliar
Der schönste Moment an diesem besonderen Abend, der immer pünktlich um 17:31 Uhr im Ubstadt-Weiherer Ortsteil Zeutern seinen Anfang nimmt? Als eine betagte Oma mit roten Wangen und feuchten Augen mich in den Arm nimmt, ihren Kopf an meine Schulter legt und sagt: „Bei uns in Zeudern isch doch oifach am scheenste, oder?“ Himmel, was soll ich darauf anderes antworten als: „Ganz genauso ist es.“
Der Dämmerungsumzug in Zeutern ist einer der schönsten Umzüge im Kraichgau, wenn nicht sogar der schönste. Das liegt nicht nur an seinem zeitlichen Alleinstellungsmerkmal, irgendwo zwischen Tag und Nacht, sondern auch an seiner grundlegend friedlichen Natur. Nur Fußgruppen, keine Motoren, alles klein und überschaubar… Traditionell kommt der Umzug sogar fast ohne Ordnungskräfte aus – und das ohne jegliche Probleme.
Der Ablauf ist dabei immer gleich. Wenn die Glocke von Zugmarschall Wolfgang Stier ertönt, der wie immer im Mantel mit Sonnenbrille und Zylinder ausstaffiert voranschreitet, dann weiß ganz Zeutern: Los geht’s. Hinter Wolle marschieren die Nachbarn aus Odna – die Katzbachgugga – und schmettern einen Party-Hit nach dem anderen. Schon mal „Baby Give it Up“ von Blechbläsern auf Steroiden gehört? Wenn nicht, haben Sie etwas verpasst.



























































Das ist übrigens ein weiteres Feature des Dämmerungsumzuges – so viel Guggemucker auf einem Haufen erlebt man selten. Neben den Katzbachgugga spielten auch die Schneckenschleimer, die Hardtseegugga, die Glücksglugga, Transpiratio, der Musikverein und die Schollwäklopfer. Die fröhliche Konsequenz? Ausgelassene Stimmung und Spontantänze überall entlang der Umzugsstrecke durch die Zeidama Gassen.
Es war einfach wieder einmal mee wie schee, alles war auf den Beinen, niemand ließ sich dieses Spektakel entgehen. Wobei der späte Termin in diesem besonderen Jahr zumindest die Namensgebung des Umzuges anno 2025 ein klein wenig ad absurdum führte… Die Dämmerung setzte tatsächlich erst dann ein, als der bunte Lindwurm schon fast seinen Bestimmungsort erreicht hatte, aber das nur als unwesentliche Randnotiz – dem Spaß hat der frühe Sonnenstand keinen Abbruch getan.
Alle feierten fröhlich und unbeschwert Seite an Seite: Die Schneefrauen, die Zeidama Herzmadln, die Bombaloch-Hexen, die Nachtschwärmer (R.I.P. Charly2000), die Piraten, die Stettfelder Römer Ultras und die Woischlaich und ihre Freunde, die den Kostümen nach ganz offenbar in diesem Jahr an der Hogwarts-Zauberschule aufgenommen worden.
Ein Fest für Zeutern, ein Fest für die Familie, ein Fest für alle – das ist der Dämmerungsumzug, immer dann, wenn die Sonne den Mond küsst. Es war schön, wieder dabei zu sein.
