Geheimnisvolle Tongrube Gochsheim

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Besuch im Dämmerlicht

Der Tag neigt sich dem Ende entgegen, das graue Licht eines trüben Wintertages verschwimmt allmählich in den ersten Schlieren der nahenden Nacht. Ich laufe über die Felder bei Gochsheim und stoße auf einmal auf mannshohe Hecken und Gestrüpp inmitten des von Regen getränkten Brachlandes der schlafenden Äcker. Ein kleiner Trampelpfad führt mich durch die dornige Barriere und gibt den Blick auf einen See frei. In milchigem Dunkelgrün liegt die alte Tongrube, früher ein Steinbruch, heute mit Wasser geflutet vor mir. Kein Laut ist zu hören, es ist totenstill. Der See wird eingerahmt von sanft geschwungenen Hügel und dichtem Buschwerk, die Uferlinie wie mit einem Messer gezogen. Der Grund ist weich und schlammig, jeder Schritt lässt mich in den morastigen Boden einsinken. Die zornigen Winterstürme haben hier ihr zerstörerisches Werk vollbracht. Überall liegen die gefallenen, morschen Baumriesen – teilweise mitsamt ihren mächtigen Wurzeln aus dem Boden gerissen.

Portale in die Unterwelt klaffen im Erdreich

Hinter Zäunen finden sich letzte Spuren des alten Tonwerkes längst vergangener Tage. Schwarze Kellerlöcher gähnen mich an, in ihnen stilles Wasser, so fahl und schwarz wie die Nacht. Das letzte Licht des Tages rinnt zwischen den dürren und kahlen Ästen des Tages davon, Dunkelheit senkt sich über das Land. Ich trete den Rückweg an, stapfe immer wieder in tiefe Pfützen, sinke bis zu den Knöcheln ein als ich den schmalen Pfad nach draußen suche. Im Sommer ist dies bestimmt ein wunderbarer Ort, – im Winter aber, zwischen Licht und Dunkelheit jagt mir die alte Tongrube Schauer über den Rücken. Es ist ein alter, ein geheimnisvoller Ort in dessen Nähe man schon menschliche Spuren aus jener Zeit fand, als das erste Jahrtausend nach Christi Geburt noch jung war. Ich laufe immer schneller und als ich endlich wieder auf festen Wegen die ersten Lichter Gochsheims sehe so habe ich diesen seltsamen Ort zwar verlassen, er mich aber dagegen noch lange nicht.

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