Für immer Saalbach-Rancher

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Seit 25 Jahren ist Markus Rupp Bürgermeister – Länger als jeder andere im Landkreis

An einen bangen Moment des Selbstzweifels kann sich Markus Rupp noch kristallklar erinnern. Jener Moment, als er irgendwann zwischen der gewonnenen Wahl und seinem Amtsantritt zur Entspannung in einem Hotelpool trieb und plötzlich die Frage in ihm aufstieg: “Himmel, kann ich das überhaupt?“.  Heute, ein Vierteljahrhundert später, lässt sich darauf eine recht konkrete Antwort geben: Yes, he can – Ja, kann er. Schließlich muss es einen Grund haben, dass Gondelsheim viermal “Ja” zu Markus Rupp gesagt, ihn so zum dienstältesten Bürgermeister des gesamten Landkreises Karlsruhe gemacht hat.

Um zu sehen, wo Markus Rupp heute steht, muss man dort beginnen, wo alles angefangen hat. Markus Geschichte beginnt, wie die so vieler anderer Boomer auch, in den Swinging Sixties oder zumindest dem bundesdeutschen Pendant dazu. Erhard war Bundeskanzler, Jungs lechzten nach der neu erfundenen Fischertechnik und die Mädels nach der neuen Platte “Help” der Beatles. Um ein Haar wäre Markus ein waschechter Kraichgauer geworden, doch die nagelneue Rechbergklinik in Bretten war noch nicht gänzlich fertiggestellt und so kam er – wie so viele andere auch – eben in Karlsruhe auf die Welt. 

hatte damals schon gut lachen.. Markus Rupp Ende der 60er Jahre – Bild: privat

Aufgewachsen ist Markus in Gondelsheim und dort auch (kleiner offensichtlicher Spoiler) bis zum heutigen Tag geblieben. “Mein Herz schlägt für Gondelsheim“, sagt er ein ums andere Mal und was bei anderen nach kitschig drapiertem Süßholzgeraspel klingen würde, kauft man ihm sofort ab. Er hat diesen kleinen Ort selbst erlebt, in ihm gelebt, ihn von der Kippe auf kennengelernt und ihn später mitgestaltet. Etwa 2000 Menschen lebten hier Mitte der 60er, zwischenzeitlich sind es mehr als doppelt so viele.

Markus wächst in Gondelsheim recht behütet auf. Seine Mutter arbeitet zuerst in der Weberei und später im Konsum, sein Vater ist Maschinenbaumeister. Der kleine Markus interessiert sich brennend für Sport, kickt mit anderen Jungs aus dem Dorf in einer kleinen Fußball-Straßenmannschaft die sich eigentlich “Saalbach Rangers” nennen wollen, weil beim Sticken der Trikots aber etwas schief geht am Ende zu den “Saalbach Ranchers” werden.

Gerne wäre Markus beim Fußball geblieben, doch weil der damalige Gondelsheimer Trainer keinen guten Eindruck auf seinen Vater machte, blieb ihm dieser Wunsch verwehrt. Stattdessen startete Markus im Handball durch, eine Leidenschaft die er jahrzehntelang pflegen sollte. Ansonsten verlief seine Jugendzeit so prototypisch, dass sich bestimmt viele andere Kraichgauer darin wiederfinden. Ein bisschen qualmen, flirten, etwas Mist bauen, im Bounty, der Schmiede oder der Spitze tanzen und knutschen sowie mit dem Mofa über die Feldwege der hügeligen Heimat brettern. 

Hat heute noch gut lachen – Markus Rupp in Gondelsheim 2023 / Bild: Redaktion

Das Lenken, das Machen und das Organisieren lag ihm irgendwie schon immer im Blut. Seine Klassenkameraden am Melanchthon-Gymnasium in Bretten prognostizierten seine Zukunft damals schon recht zutreffend mit: “De Markus werd Bürgermeischter”. Passt! Markus war ein Vereinsmeier, und zudem leidenschaftlicher Dorfmensch. “In die Großstadt, zog es mich nie“, erzählt er, wobei ihm ein kurzer Ausflug in die große, weite Welt nicht erspart blieb. Vater Staat rief und so wurde Markus eingezogen, landete bei der Bundeswehr in München. Weil er aber das dreidimensionale Sehen nicht beherrschte, war diese Zeit schnell vorbei und Markus zurück in der Region. 

Er begann ein Studium in Mannheim – Politik, was sonst. Mit seinem knallgelben Fiat 127, den seine Kumpels immer nur den rollenden Briefkasten nannten, pendelte er von Gondelsheim in die Quadratestadt und abends wieder zurück. Nach dem Studium fand er eine Anstellung im Archiv der Stadt Wiesloch, spielte jedoch mit dem Gedanken, sich als Dozent an der Uni zu versuchen. 

Nun ja, es wird wenig überraschen, doch es kam ganz anders. 1991 trat Markus in die SPD ein, aus Überzeugung, wie er sagt. Der sozialdemokratische Ansatz gefiel ihm mit Abstand am besten und so blieb er seiner Partei über all die Jahrzehnte hinweg treu, wenngleich der taktische Eintritt in die CDU, wie von vielen anderen Kollegen vollzogen, wahrscheinlich in Baden-Württemberg eher ein Karrierebooster gewesen wäre. 

Mit Schnorres ins Amt – Markus erstes Wahlplakat

Unbeirrt engagierte sich Markus auch in jenen Jahren weiter in seiner Heimatgemeinde Gondelsheim, war dabei derart aktiv, dass irgendwann der Wunsch an ihn herangetragen wurde, er möge sich doch bitte in der Kommunalpolitik einbringen. Ein Wunsch, der augenfällig auf fruchtbares Ackerland fiel und so gelang Markus Rupp 1994 auf Anhieb der Einzug in den Gemeinderat. Nur drei Jahre später kandidierte er das erste Mal als Bürgermeister für Gondelsheim und siegte – entgegen Empfehlung und Prognose der eigenen Landes-Partei – mit einer satten Mehrheit unter anderen gegen einen damals noch unbekannten Thomas Nowitzki. Ein Kunststück, dass ihm noch drei weitere Male gelingen sollte, 2005, 2013 und 2021.

Heute schaut Markus zurück auf ein Vierteljahrhundert an der Spitze seiner Gemeinde Gondelsheim. Es ist viel geschehen, ist viel passiert in all den Jahren. Vieles war gut, manches war weniger gut. Zweifelsohne auf der Habenseite anzusiedeln ist der Aufstieg Gondelsheims von einem verschlafenen Dörfchen zu einer prosperierenden Gemeinde. Eine Gemeinde mit einer starken Wirtschaft, einer guten Verkehrsanbindung und einem ungebrochenen Zuzug von Neubürgern. Markus und Gondelsheim haben sich beide bewährt, ihre Pfunde immer verteidigt, auch wenn es an den Nahtstellen – beispielsweise zum benachbarten Bretten – hin und wieder etwas knirschte, aber auch das gehört dazu.

Freunde bis heute – Landrat Dr. Christoph Schnaudigel und Markus Rupp im Partnerlook

25 Jahre Sonnenschein also? Nein, natürlich nicht – das Amt hat auch seine Schattenseiten. Der teilweise Verlust der Privatsphäre ist eine davon. Als Markus erste Ehe in die Brüche geht, hat das halbe Dorf eine Meinung dazu, die Gerüchteküche in einer kleinen Gemeinde ist vieles, aber selten emphatisch. Die hohe Arbeitsbelastung, der Stress und die unregelmäßigen Zeiten, die mit dem Amt einhergehen, haben zudem aus dem einmal gertenschlanken Sportler einen stämmigen Best Ager geformt. Auf der Strecke geblieben ist auch – wenngleich dieser Kollateralschaden zu vernachlässigen ist – Markus Schnurrbart, früher einmal sein Markenzeichen.

Doch auch wenn der Job oft fordernd ist, fühlt sich Markus in seiner Haut und in Gondelsheim nach wie vor wohl. Die Arbeit liegt ihm, auf der faulen Haut zu liegen, dagegen gar nicht. “Wenn ich krank zu Hause sitze, juckt es mich überall, dann packe ich mir den Laptop und schaffe auch auf der Couch“, gibt er zu. Eine Auszeit hin und wieder, die muss dennoch sein. “Urlaub habe ich aber erst, wenn auf der B35 Gondelsheim im Rückspiegel kleiner wird.“

as time goes by.. Markus Rupp 2023 / Bild: Redaktion

Wie es für Markus und Gondelsheim weitergeht? Wie gehabt. Er bleibt seiner Gemeinde treu, Gondelsheim 4ever quasi. Wie lange noch im Amt des Bürgermeisters? Nun, auf jeden Fall bis zum Ende der Amtszeit 2030. “Dann ist es gut, man darf sein Blatt nicht überreizen”, sagt der Bürgermeister und schaut durchs Fenster auf den Rathausplatz. Ob er sich wirklich vorstellen kann, einmal nur von seinem Balkon auf Gondelsheim herabzuschauen, statt aus dem alten Rathaus mit seinem markanten Stufendach? Auf diese Frage wird sich eine Antwort finden. Jetzt aber noch nicht. Jetzt ist er hier und das ist genau der Ort, an dem er sein möchte.

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3 Gedanken zu „Für immer Saalbach-Rancher“

  1. Nicht auf BM Rupp bezogen, sei ihm gegönnt.
    Aber ganz allgemein sollten gewählte Positionen zeitlich begrenzt sein. Die Vorteile einer Begrenzung halte ich für grösser als die Nachteile.

    Antworten

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