„Es wird keine Rückkehr zur Normalität geben“

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Schlossgespräche digital: Roland Schäfer und Klaus Gaßner von der Bertold-Moos-Stiftung vor dem derzeit verschlossenen Bruchsaler Schloss - Stephan Gilliar (Redaktion Hügelhelden) hat das Gespräch mit Wolfgang Huber als Video aufgezeichnet.

Bruchsaler Schlossgespräche erstmals im digitalen Format

Eindringlich hat Wolfgang Huber appelliert, aus der Pandemie die richtigen Lehren für das Zusammenleben zu ziehen: Bei der ersten digitalen Version der Bruchsaler Schlossgespräche bezeichnete es Wolfgang Huber als entscheidende Nagelprobe, aus der Corona-Krise ein neues Verständnis von Freiheit abzuleiten: „Selbstbestimmung wird nur darin möglich, dass wir Teil einer größeren Gemeinschaft sind.“

Wolfgang Huber, lange Jahre Präsident des Rats der Evangelischen Kirche Deutschlands, Professor, angesehener Buchautor und mehrmals für das Amt des Bundespräsidenten gehandelt, antwortete in einem per Video geführten Interview auf Fragen von Gästen der Bruchsaler Schlossgespräche. Dabei macht er deutlich, dass es eine „Rückkehr zur Normalität“ nach Corona nicht geben werde. „Nein, es wird nicht wieder so werden wie es vorher war. Wir stehen vor neuen Aufgaben, die durch die Pandemie verstärkte Digitalisierung der Gesellschaft ist nur eine davon.“ Huber hob vor allem die Verpflichtung zur weltweiten Zusammenarbeit hervor. „Es muss jedem klar sein, was es bedeutet, gemeinsam in einer einzigen Welt zu leben.“

„Uns war es wichtig, gerade in dieser außerordentlich schwierigen Situation, die Debatte weiterzuführen über das, was unsere Gesellschaft zusammenhält“, unterstreicht Roland Schäfer, Vorstandsvorsitzender der Bertold-Moos-Stiftung, von der die Schlossgespräche getragen werden. Weil die Veranstaltung 2020 nicht stattfinden konnte, werden Wolfgang Hubers Diskussionsansätze nun digital vermittelt: Ab sofort ist das Video „Herausforderung Corona“ abrufbar. Eine schriftliche Fassung gibt es hier. Besucher der Schlossgespräche hatten drängende Fragen zur Corona-Krise eingesandt, die Grundlage sind für das Gespräch, das Klaus Gaßner, Stiftungsrat der Bertold-Moos-Stiftung, mit Wolfgang Huber führt.

Nach einer Vorpremiere hob der Bruchsaler Stadtpfarrer Benedikt Ritzler Hubers Aussagen über Leben und Tod hervor: „Den Blick für das große Ganze bewahren heißt auch, die Endlichkeit des Lebens zu akzeptieren. Der Tod ist kein Versagen der Medizin, sondern Teil des Lebens.“ Überdies unterstrich er Hubers Plädoyer für einen reflektierten Freiheitsbegriff: „Selbstbestimmung wird möglich, weil wir Teil einer Gemeinschaft sind, die uns trägt – und manchmal auch erträgt.“ Der Bruchsaler Bildungstheoretiker Prof. Dr. Johann Beichel meinte: „Besonders gefallen hat Hubers philosophische Einsicht, dass Freiheit des Einzelnen nur auf der Basis der Gemeinschaft gedeihen kann, indem er die Pandemie als Nagelprobe darstellt, die durch das Symbol der Maske den landläufigen Egoismus reduziert.

Die Bertold-Moos-Stiftung geht zurück auf den langjährigen Redaktionsleiter der Bruchsaler Rundschau. Für die Bruchsaler Schlossgespräche ist die Stiftung eine Kooperation mit Schlösser und Gärten Baden-Württemberg eingegangen. Die Reihe wurde 2016 vom Journalisten Dr. Klaus Gaßner und dem heutigen Karlsruher Kulturbürgermeister Dr. Albert Käuflein ins Leben gerufen. Gäste waren unter anderem der frühere Bundespräsident Christian Wulff, die Präsidentin des Bundesgerichtshofs Jutta Limbach, der frühere CDU-Vordenker Dr. Heiner Geißler und die Schriftstellerin Dr. Tanja Kinkel.

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1 Gedanke zu „„Es wird keine Rückkehr zur Normalität geben““

  1. Wie soll denn die weltweite Zusammenarbeit denn aussehen? Davon haben die beiden Herren NICHTS erwähnt. Wer die Mainstream-Medien verfolgt, der glaubt fest datan, dass der böse Feind in Russland und China sein Unwesen treibt. Da wird eine ganz dubiose Person aus Russland zu einem Widerstandskäpfer hochstlisiert, der er überhaupt nicht ist. Das interessiert Frau Merkel und Konsorten nicht.
    Die Friedenspolitik eines Willy Brandt ist heute NICHT mehr gefragt. Es wird aufgerüstet auf Teufel komm raus. Wie soll man da friedvoll in einer Welt leben? Das Geld, das unsere letzte Besatzungsmacht kostet könnte wesentlich sinnvoller eingesetzt werden.
    Als ich meiner Mutter vor einiger Zeit von einem erneuten Säbelrasseln erzählte meinte sie: „Sind die verrückt?“ Meine Mutter weis wo von sie spricht, sie ist Jahrgang 1921 und saß bei der Bombariderung Bruchsals in einem Keller.in Unteröwisheim

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