Es braucht die ganze Stadt! Phillipsburger Bürgermeister appelliert an Einwohner

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Bürgermeister Stefan Martus

In einem eindrücklichen Appell hat sich der Philippsburger Bürgermeister Stefan Martus nun an die Einwohnerinnen und Einwohner seiner Stadt gewandt. Die zentrale Botschaft: Um die gegenwärtige Krise zu bewältigen, braucht es jeden einzelnen da draußen!

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, 

die Bundesrepublik Deutschland, Baden-Württemberg und Philippsburg sind im Krisenmodus, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. 

Bisher gibt es in Philippsburg keinen bestätigten Corona-Fall. Das Virus ist aber bereits im Landkreis Karlsruhe, so zum Beispiel in Linkenheim-Hochstetten, in Forst, in Ubstadt-Weiher und in Hambrücken angekommen. 

Bisher konnte das Gesundheitsamt alle Infektionsketten nachverfolgen und schließen. 

Dies soll auch so bleiben! 

Die Lage ist dynamisch und kann sich bereits während ich diese Zeilen schreibe, geändert haben. 

Unter anderem vor diesem Hintergrund hat die Landesregierung Baden-Württemberg beschlossen, ab Dienstag, 17.03.2020 die Schulen und Kindergärten zu schließen. Damit die Maßnahme auch wirkt und sinnvoll umgesetzt werden kann, benötigen wir 

die Mithilfe von Ihnen Allen, von jedem Einzeln an seinem Platz! 

Wie heißt es so schön in einem afrikanischen Sprichwort: „Um Kinder zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf!“ 

Ich möchte dieses Sprichwort in Krisenzeiten abändern: „Um die Philippsburger Kinder im privaten Umfeld zu betreuen, braucht es die ganze Stadt!“ 

Als wir gestern unsere Notbetreuung für Kinder konzipiert haben, wurde uns immer mehr bewusst, dass wir diese eigentlich nicht benötigen sollten. Eine weitere Betreuung in Kita und Schule widerspricht dem Ziel der Schulschließung. 

Das eigentliche Ziel ist nämlich das Vermeiden von unterschiedlichsten sozialen Kontakten. Das eigentliche Ziel ist zu verhindern, vielfältige Infektionsketten bzw. Möglichkeiten zu schaffen. 

Bei Infektionen mit dem Virus sollten so lange wie möglich die Infektionsketten nachvollziehbar sein! 

Wir haben ein umfangreiches NOTBETREUUNGSKONZEPT für Eltern oder Allein- erziehende, die beide in systemrelevanten Berufen arbeiten und gebraucht werden, entwickelt und auf die Beine gestellt. 

Damit wir hoffentlich am 20. April 2020 wieder unsere Schulen und Kindergärten öffnen können, sollten wir dieses am besten aber gar nicht oder nicht lange benötigen. 

Am besten erreichen wir unser gemeinsames Ziel, den Virus in seiner Ausbreitung zu verlangsamen, wenn wir die Betreuung unserer Kinder im privaten Umfeld organisiert bekommen. 

Bitte beachten Sie aber, dass besonders die Altersgruppe 60plus und bereits vorerkrankte Personen gefährdet sind. 

Ich meine aber, dass wir das trotzdem hinbekommen sollten, das sind wir unserer älteren Generation, unseren Eltern und Großeltern, die zur Risikogruppe zählen, welche besonders gefährdet sind, einfach schuldig. 

Jetzt ist die Zeit gekommen, wo sich die Dorf- bzw. Stadtgemeinschaft in Philippsburg beweisen kann. 

Wenn Sie nicht zur Risikogruppe gehören: Helfen Sie in Ihrem Familien- und Freundeskreis mit, die Betreuung von Kindern auf privater Basis, im privaten Umfeld zu organisieren und sicher zu stellen. 

Seien Sie der hilfsbereite Nachbar, der einspringt, wo immer auch Hilfe angezeigt ist! 

Liebe Eltern, reden Sie mit Ihren Arbeitgebern, dass wir alles daran setzen müssen, möglichst bald den Krisenmodus verlassen zu können. Nutzen Sie den heutigen Sonntag und den morgigen Montag, um die Betreuung Ihrer Kinder zu organisieren. 

Zeit ist das, was wir in der derzeitigen unübersichtlichen Lage gewinnen möchten. Zeit für die Menschen unter uns, denen das Virus besonders zusetzt: Den älteren Mitbürgerinnen und Mitbürgern und den kranken Menschen. 

Beachten Sie und befolgen Sie vor allem die Empfehlungen des Robert-Koch- Instituts zur Quarantäne und Hygiene. 

Wir sind früh genug dran und können es schaffen, wenn wir unser Leben jetzt entschleunigen! Ich wünsche mir, dass wir alle als Gemeinschaft zusammen- rücken und uns gegenseitig helfen. Wenn wir aufeinander achten und in den nächsten Wochen unsere Prioritäten verschieben, bin ich mir sicher, dass es uns gelingt, unsere Kinder und Lieben zu schützen. 

Nutzen wir die kommenden sonnigen Tage in der Natur und stärken dadurch unser Immunsystem! Stehen wir zusammen und bleiben wir alle gesund! 

Ihr Stefan Martus, Bürgermeister 

Philippsburg, den 15.03.2020 

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