Ein Bürgermeister feiert Geburtstag – und das ganze Dorf feiert mit
Eine unverblümt herzliche Lobhudelei von Stephan Gilliar
Meinen letzten runden Geburtstag habe ich vor fünf Jahren gefeiert, den Vierzigsten, diese seltsame Schwelle, nach der man, wenn sie einmal übertreten, sich selbst mit viel Fantasie nicht mehr zu den ganz Jungen zählen kann. Gefeiert habe ich trotzdem, fast 20 Leute waren da, für meine Verhältnisse eine regelrechte Großveranstaltung. Doch im Vergleich zu jener Fete, die Gondelsheims Bürgermeister Markus Rupp am Montag anlässlich seines 60. Geburtstages gefeiert hat, ist es fast so, als hätte ich meinen komplett ignoriert. Denn Markus Rupp hat nicht nur 20 seiner besten Freunde eingeladen, sondern einfach mal das gesamte Dorf. Das ist kein Spruch und auch keine Übertreibung, er hat tatsächlich ganz Gondelsheim zu seinem Geburtstag eingeladen. Nicht zu irgendeinem obskuren Stehempfang, sondern zu einer richtigen Fete mit Live-Musik, gratis Essen und gratis Getränken. Unterstützt hat ihn dabei die AGG Gondelsheim – nicht aus Pflichtbewusstsein heraus, sondern aufgrund einer lange gewachsenen Beziehung, die sehr ausgewogen zwischen Geben und Nehmen zu balancieren weiß. Nicht zuletzt, weil man überall die Jahre hinweg schlicht und einfach zu Freunden wurde.



Ich nehme mich da übrigens auch nicht aus, es wäre gelogen, wenn ich behaupten würde, mit Markus Rupp ausschließlich eine nüchterne und sachliche Beziehung zu pflegen. Beruflich durchaus, aber eine „nur“ berufliche Beziehung zu Markus Rupp halte ich nach all den Jahren für absolut undenkbar.
Kein „Ich habe frei“ – ein Bürgermeister rund um die Uhr
Dasselbe gilt auch für Gondelsheim, denn Markus Rupp unterscheidet in der Art und Weise, wie er in seiner Gemeinde wirkt, nicht zwischen diesen beiden Narrativen. Für ihn gibt es kein „Ich habe heute frei, lasst mich alle in Ruhe“, im Falle eines Falles ist er immer greifbar. Ihm kann man, wenn es dringend und wichtig ist, auch noch am späten Abend eine WhatsApp schreiben – und er antwortet darauf… wenn es eben dringend und wichtig ist. Man könnte dem jetzt entgegenhalten, dass diese völlig aufgeweichte „Work-Life-Balance“ doch langfristig todsicher in ein Burnout oder etwas Ähnliches mündet, aber wer das bei Markus Rupp annimmt, der kennt ihn nicht wirklich.
Denn Markus Rupp ist nicht einfach nur von Beruf Bürgermeister von Gondelsheim, er ist – wie kann ich das am besten verständlich machen – das Fleisch gewordene Gondelsheim selbst.
Liebe zum Dorf – und was das bedeutet
Er liebt dieses Dorf. Er liebt alles daran. Er liebt seine Eigenarten, seine Kanten und Ecken, die Menschen, die darin leben und wirken, kennt sie alle, kennt das, was sie ausmacht, was sie verbindet, was sie aufwühlt und was sie wieder zurück auf den Boden holt. Und ich lehne mich ganz sicher nicht so weit aus dem Fenster, wenn ich Ihnen sage, dass die Menschen in Gondelsheim ganz genau wissen, was sie an ihrem Bürgermeister haben. Nicht ohne Grund haben sie ihn vielfach in seinem Amt bestätigt, ohne große Diskussion, ohne große Welle… nicht ohne Grund ist er der dienstälteste amtierende Bürgermeister im Landkreis Karlsruhe – und das will etwas heißen.



Ich glaube auch, dass die Menschen im Dorf genau wissen, dass das nicht jeder kann, dass man das nicht erlernt, sondern dass man in diese Berufung hineingeboren wird. Markus Rupp liebt, was er tut, und deswegen tut er es rund um die Uhr – und das fast immer gerne. Schon klar, nicht immer, das versteht sich von selbst. Jeder, der Ihnen erzählt, dass er alles an seinem Leben liebt, ist mit Sicherheit ein Schwindler, zum Ying gehört immer ein Yang.
Der Sommer der so vieles änderte
Wenn man eine derart öffentlich exponierte Person ist wie der Bürgermeister einer Gemeinde, dann muss man auch mit den Begleiterscheinungen leben können. Dazu gehört Tratsch, nicht immer der netten Sorte, Angriffe, Gebruddel und ein paar unbelehrbare Zungen, die sich hinter den Kulissen, wie man in Gondelsheim sagen würde, „s’Maul zerreißen“.
Allzu viel ist das aber nicht, tatsächlich genießt Markus Rupp in seinem Gondelsheim einen Rückhalt, der es ihm vermutlich auch mal erlauben würde, nackt mit einer VfB-Stuttgart-Flagge gröhlend nachts über die Hauptstraße zu torkeln, ohne dass das allzu viel Aufsehen erregen würde. Nicht, dass er das vorhätte – zumindest wüsste ich aktuell nichts davon. Aber es ist so, denn die Menschen hier wissen ganz genau, was sie an ihrem Bürgermeister haben. Wenn irgendjemand noch daran gezweifelt hat, dann muss er sich nur in Erinnerung rufen, was Markus Rupp im letzten Sommer während der großen Gondelsheimer Flutkatastrophe geleistet hat: Er war nicht nur in der Nacht der Katastrophe auf den Beinen, nicht in irgendeiner Zentrale, um im Trockenen telefonisch Dinge zu koordinieren, sondern da draußen, mit beiden Beinen tief in Regen und Schlamm unterwegs, um zu helfen, um mit anzupacken, um im Schlimmsten das Schlimmste abzuwenden, so es in seiner Macht lag. Er war Tage danach im Einsatz, hat sich eingebracht, hat vermittelt, hat unbürokratisch geholfen, hat die Regeln, die für öffentliche Verwaltungen gelten, so krachend und weit gebogen, dass man das Stöhnen in Karlsruhe in Stuttgart noch bis Gondelsheim hören konnte. Aber das war ihm egal, denn es ging ihm immer nur – und hier finden wir zum Beginn meiner Ausführungen zurück – um Gondelsheim und um die Menschen, die hier leben.
Verlässlichkeit – Beständigkeit – Einfach da sein
Was das angeht, ist er sich immer treu geblieben, ist er immer der Alte geblieben. Es ist eine Verlässlichkeit und eine Kontinuität, die seitens seiner Gondelsheimer derart wertgeschätzt wird, dass die letzten Bürgermeisterwahlen eigentlich mehr eine pro forma ausgetragene Formalität waren – never change a running system, never change a running Bürgermeister. Wobei: Rennen tut er nicht mehr viel. Das hat sich dann doch im Vergleich zu seinen jungen Jahren etwas gedreht. War er zum Beginn seiner politischen Karriere in den Neunzigern noch ein drahtiger und passionierter Fußballer und noch viel mehr Handballer, haben Amt und Würden sichtbare Spuren hinterlassen.



Aber hey, wen wundert das? Stellen Sie sich einfach vor, Sie hätten ungefähr 100 Termine pro Woche, darunter zahlreiche Vereinsaktivitäten, Gratulationen zu runden Geburtstagen, sauspäte Kreistagssitzungen, quasi ein Tagesrhythmus, der so unzuverlässig ist wie das WLAN in einem ICE. Wenn man dann noch Genussmensch ist wie Markus Rupp, dann… naja, sagen wir so: Wenn Gondelsheim für Markus Rupp irgendwann in vielen, vielen Jahren aus Dankbarkeit einmal ein steinernes „Markusoleum“ baut, dann eines mit extra breiter Tür.
Landtag? Nein danke – Gondelsheim ist sein Platz
Noch ist es nicht so weit, noch lange nicht! Noch ist Markus Rupp Bürgermeister von Gondelsheim, so wie es quasi immer gewesen ist. In Erinnerung wird das auch immer so sein, auch wenn es einmal Ambitionen seinerseits gab, in den Landtag zu wechseln. Ein Vorhaben, das aber an der damals (wie auch heute) limitierten Beliebtheit seiner „alten Tante SPD“ scheiterte. Der Partei hat er übrigens immer die Treue gehalten, auch wenn rein karrieretechnisch lange Zeit eigentlich eher das tiefschwarze Parteibuch als dringende Voraussetzung für regionale Politiker-Karrieren galt. Aber auch wenn es nicht für den Landtag gereicht hat, dann doch für diese Erkenntnis: Markus Rupp gehört nach Gondelsheim – und das ist auch gut so.

Er ist der Inbegriff eines guten Gemeindeoberhauptes. Eines, das sich einsetzt, das sich einbringt, das sich den Arsch aufreißt. Nicht, weil er muss, sondern weil er es will, weil er es liebt und weil er es lebt.
Was kommt nach der Ära Rupp?
In vier Jahren geht diese Ära zu Ende und Markus Rupp in den Ruhestand. Auch wenn er es anders formuliert, glaube ich doch sicher zu wissen, dass keine der beiden Seiten wirklich weiß, was danach auf sie zukommt. Gondelsheim weiß nicht, wie es ohne Markus Rupp auskommen wird, und Markus Rupp weiß noch nicht, wie er ohne Gondelsheim – oder eben die Rolle, die er für seinen Heimatort spielt – auskommen wird. Ich wage die Prognose, dass die Entzugserscheinungen auf beiden Seiten beträchtlich und schmerzhaft werden, ich wage ferner die Prognose, dass sein/e Nachfolger:in fast unausfüllbare Fußstapfen ausfüllen muss. Und ich lege mich zudem fest: Einen solchen Bürgermeister, der für die lexikalische Definition seines Berufsstands stehen könnte, findet sich nur äußerst selten.
Lobhudelei? Ja. Und zwar verdient.
Liebe Leserinnen, liebe Leser, ich weiß ganz genau, welche Dimensionen diese unverblümt vorgetragene Lobhudelei angenommen hat, aber ich versichere Ihnen auch, dass ich alles, was ich geschrieben habe, genauso meine. Ich sehe nicht ein, wieso man bei einem 60. Geburtstag bewusst Kritik in eine Laudatio einstreuen sollte, einfach nur um irgendeiner Pseudo-Ausgewogenheit gerecht zu werden. Verstehen Sie mich nicht falsch: Wenn es etwas zu kritisieren gibt, kritisiere ich das, ohne Rücksicht auf Befindlichkeiten. Aber: Wenn es doch gerade nichts Schlechtes zu erzählen gibt, muss man es auch nicht tun – und mir fällt tatsächlich gerade ad hoc nicht wirklich viel Schlechtes zu Markus Rupp ein. Allenfalls, dass er auf seiner Geburtstagsparty das wirklich denkwürdig scheußliche Karlsruher Pils serviert hat, aber was soll’s.
Lieber Markus, alles Gute zu deinem 60. Geburtstag. Bleib, wie du bist – und das meine ich verdammt noch mal ganz genau so.
Stephan Gilliar im September 2025

Sehr schöne Huldigung. Wie immer amüsant und treffend geschrieben. Tatsächlich habe ich aus der ebenfalls betroffenen Nachbargemeinde, gerade in der Flut, sehr positive Signale vom Bürgermeister aus Gondelsheim erhalten.
Niemals würde mein Lieblings-Bürgermeister nackt, und schon gar nicht mit einer VFBäää Fahne durch Gondelsheim rennen, weder bei Tag noch bei Nacht, denn wie er sagt- er hat ein blau-weißes Herz- ist KSC Mitglied und fiebert mit.
Schon alleine der Gedanke….puh
Ja so ein grosses Lob hat der Bürgermeister Rupp verdient. Ich finde es es überaus erstaunlich. dass er selbst in der 4.Amtsperiode noch nicht amtsmüde geworden ist. Sehr selten erlebt man dass ein Bürgermeister so lange durchhält bzw.so oft wiedergewählt wird.