Ein Zwilling für Gondelsheim

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Vor einem Jahr eröffnete Elban Topi in Gondelsheim seine erste eigene Pizzeria und stieß im Dorf auf offene Arme.

Falls Sie beim Betreten der Pizzeria Da Gemelli in Gondelsheim ein kleines Déjà-vu erleben sollten, dann brauchen Sie sich keine Sorgen um Ihren Geisteszustand zu machen, das passt schon. Möglicherweise waren Sie ja irgendwann in der Vergangenheit schon in Walzbachtal Pizza essen, ebenfalls in der Pizzeria Gemelli und ebenfalls bei einem Signore Topi. Auch wenn der Eindruck entstehen könnte, es handle sich dabei um ein und dieselbe Pizzeria, verhält es sich in Wahrheit doch etwas anders. Tatsächlich gibt es zwei Pizzerien namens Gemelli und zwei Signore Topi. Wer etwas Italienisch kann, hat das Geheimnis vermutlich bereits entschlüsselt, für alle anderen: Gemelli heißt „Zwillinge“ und die beiden Herren Topi sind nicht etwa ein und dieselbe Person, sondern die engsten Brüder, die man sich nur vorstellen kann, Zwillinge eben. Während Erjon am Sportplatz von Wössingen noch mit vollem Haupthaar am Steinofen steht, schicken sich bei Elban die Geheimratsecken bereits an, Bekanntschaft mit dem Hinterkopf zu machen, aber was soll’s. „Così è la vita“, würden die Italiener sagen, „Kështu është jeta“ wahrscheinlich die Albaner.

Elban dürfte beides verstehen, denn der gebürtige Albaner hat beide Länder über Jahre hinweg kennen und lieben gelernt. Seine ersten gastronomischen Erfahrungen hat er in seinem Mutterland gesammelt, dort die Kunst des Pizzabackens erlernt und diese dann in Treviso in Norditalien verfeinert und Seite an Seite mit echten Veteranen am Steinofen verfeinert. Ich kann Ihnen sagen, er hat gut aufgepasst und imho den Meistertitel ergattert, denn was Elban aus seinem riesigen Steinofen zieht, sind knusprige Gedichte in Reinform und Rundform. Routiniert arbeitet er mit einem 2 m langen Schieber am Herzstück seiner Pizzeria, dem 1 t schweren Ofen, den er selbst auf der Terrasse der früheren Schlossstuben am Gondelsheimer Stadion installiert hat. Dort, wo früher ein Fenster war, lodert nun ein halbrundes Loch flackernd in warmen Rottönen. Im Inneren dreht sich beständig ein massiver, schwerer Stein, auf dem ähnlich einem Karussell die Pizzen und die überbackenen Nudelgerichte an einem stetig geschürten Holzfeuer vorbeifahren. Nur 2 Minuten braucht eine Pizza, um hier bei mehreren 100° genau den Punkt zu erreichen, an dem sie am besten schmeckt. Elban trifft diesen Punkt jedes einzelne Mal, quasi aus der Hüfte, gelernt ist schließlich gelernt.

Unaufgeregt und entspannt steht er an seinem heißen Arbeitsplatz mitten im Vereinslokal der Gondelsheimer Fußballer, eine Art Kanzel, von der aus er sein erstes eigenes Restaurant perfekt im Blick hat. Schön ist es geworden, er hat das Beste herausgeholt aus diesen typischen großen Gasträumen mit der originären Optik der Siebziger- und Achtzigerjahre. Komplett neue Möblierung, viele Pflanzen, weiße Tischdecken, alles aus eigener Tasche. Elban ist gekommen, um zu bleiben, und Gondelsheim dürfte das nur recht sein, denn ihr neuer Pizzabäcker ist ein Gewinn für die Gemeinde. Das ist keine wohlwollende Interpretation, sondern ein Originalzitat von Bürgermeister Markus Rupp, der an diesem Abend an einem der Tische sitzt und gerade darauf wartet, dass seine über 600° heiße Lasagne abkühlt. Markus Rupp freut sich sichtlich über Elban als Teil der Gondelsheimer Gastronomie, weil dieser vom ersten Tag an begonnen habe, sich in der Gemeinde einzubringen und sich um sie verdient zu machen. Beim Helferfest zugunsten der Hochwasseropfer in Gondelsheim habe er im Nachgang eine ganze Kompanie kostenlos bewirtet und bekocht, erzählt der Bürgermeister, doch nicht nur das. Er engagiert sich auch zugunsten der Gondelsheimer Kinder, hat für den Kindergarten kostenloses Pizzabacken organisiert. Wie gut das ankam, davon zeugt eine große Zeichnung der Kleinen aus dem Gondelsheimer Schneckenhaus, die Elban stolz direkt an seiner Pizza-Kanzel angebracht hat. Darüber hinaus versorgt er den Fußball-Nachwuchs des FC immer wieder mit kleinen Goodies, Geschenken und Vergünstigungen, öffnet zudem auch an seinem Ruhetag, wenn beispielsweise der Gemeinderat zusammenkommt. Genau so fasst man als Neigschmeckter in einer Gemeinde Fuß, so backt man sich in die Herzen der Gondelsheimer.

Das scheint anzukommen, natürlich auch deswegen, weil die Pizzen aus Elbans Ofen richtig gut schmecken. Besonders der Lieferdienst boomt, gleich mehrere Fahrzeuge und einen ganzen Trupp Lieferfahrer hat Elban rekrutiert, um der Nachfrage Herr zu werden. Fast 20 Mitarbeitende sind mittlerweile an Bord, die schwierige Suche nach Personal in der Gastronomie scheint Elban zu meistern. Warum das so ist, will ich von ihm wissen? „Weil ich gut bezahle und wir uns richtig gut verstehen, das sind mehr als nur Mitarbeiter, das ist Familie“, sagt er, und was auf den ersten Blick kitschig und konstruiert klingen könnte, ist es aber auf den zweiten ganz und gar nicht. Tatsächlich ist das Personal in der Pizzeria einer der Gründe, warum man sich hier sofort wohlfühlt. Höflich, freundlich, lustig und ganz offenkundig miteinander freundschaftlich verbunden – das unterschwellige Grundsummen hier in „Da Gemelli“ ist einfach harmonisch. „Wir sind einfach froh, dass er hier ist, und hoffen, dass er uns lange erhalten bleibt“, sagt Markus Rupp und kann nun endlich die erste Gabel von seinen immer noch dampfenden Nudeln probieren.

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