Ein Ort wie aus der Zeit gefallen

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Der altehrwürdige Ochsen in Odenheim

Im Odenheimer Ochsen ist die Welt noch in Ordnung

Früher war es in unserer Familie ein festes Ritual: An einem Sonntag im Monat ging man gemeinsam auf einen langen Spaziergang und dann wurde zur Feier des Tages eingekehrt. Immer in eine einfache, badische Gastwirtschaft, von denen es früher noch sehr viel mehr gab als am heutigen Tage. Ich habe das Ambiente schon als Kind geliebt: Pfeife oder Zigarre paffende Opas mit Skatkarten am Stammtisch, holzvertäfelte Wände, die Pokale des örtlichen Fußballvereins auf Regalen und in der Küche schälte eine Oma in Kittelschürze Kartoffeln und klopfte Schnitzel. Diese Orte aus einfacheren Zeiten sind derart selten geworden, dass man sie mit der Lupe suchen muss.

Wen wie mich ab und zu das Heimweh nach diesen guten alten Tagen packt, der sollte unbedingt einmal im Odenheimer Ochsen vorbeischauen. Hier schreitet die Zeit in gemächlicherem Tempo voran, was man bereits beim Betreten der Gaststube bemerkt. Aus dem Radio im Hintergrund schallen leise Schlager herüber, in der Küche sitzt tatsächlich eine in eine blauen Kittelschürze gekleidete Oma mit schneeweißem Haar und schält Kartoffeln. An den rustikalen und schweren Tischen sitzen ältere Männer, unterhalten sich und trinken dabei ihr Bier oder ihr Viertele Wein. Das Licht das durch die mit Kunstglas verzierten Fenster herein fällt, taucht den Raum in ein nostalgisch warm-grünes Licht, an den Wänden hängen alte Fotografien und die Wappen der Gemeinde.

Gemütlichkeit in alten Mauern

Schon am Mittag ist der Ochsen gut gefüllt, was selbstverständlich dem preiswerten Mittagstisch geschuldet ist. Für weit weniger als zehn Euro bekommt man eine Markklößchensuppe, einen Salat und als Hauptgang beispielsweise ein Stück Sauerbraten mit Nudeln. Weil ich ein Fritten-Junkie bin, frage ich ob ich statt der Nudeln auch Pommes bekommen könnte. Die gutmütige Bedienung hebt mit einem Zwinkern in den Augen den tadelnden Zeigefinger und gibt zurück: Da passet aber Nudeln viel besser dazu! Oder a Klös! Am Ende bekomme ich aber meine heißgeliebten Pommes und bin begeistert. Der Sauerbraten ist zart, zergeht auf der Zunge und ist genau so sauer, dass er noch richtig Spaß macht.

Der Ochse ist Kult in Odenheim. Am Wochenende kann es hier durchaus voll werden, eine Reservierung wäre daher sicher keine schlechte Idee. Seit rund 70 Jahren ist die Gastwirtschaft ein Familienbetrieb – die heutige Wirtin Petra stand bereits mit ihrem Opa Willi gemeinsam hinter dem Tresen – in jenen Tagen als Hausschlachtung und Schlachtplatten noch zum guten Ton auf dem Land zählten. Auch wenn der Ochse keine Internetseite hat, auf jeglichen modernen Schnickschnack verzichtet und die Rechnungen hier noch per Hand auf dem Zettel beglichen werden, so muss sich die gut eingeführte Gaststätte auf absehbare Zeit keine Sorgen machen. Die Odenheimer lieben ihr altes Gasthaus, dort wo sich die Eppinger Straße und die Schulstraße treffen.

Nur für mich – als große Ausnahme: Sauerbraten mit Pommes

Auch wenn im Moment nur ein paar bunte Tüchlein an den Lampen daran erinnern, spätestens am kommenden Montag herrscht in Odenheim vor dem Ochsen Ausnahmezustand. Dann wird sich der närrische Lindwurm des traditionellen Odenheimer Rosenmontagsumzuges durch die Straßen und Gassen bewegen – wen danach noch der große Hunger packt, der dürfte sich darüber freuen daß im Ochsen erst am Donnerstag Ruhetag ist.

Eine Empfehlung von Hügelhelden-Redakteur Stephan Gilliar

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