Ein Heiermann von Opa Winfried

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Millionen für Luftfilter an Schulen – Klingt nach viel, ist es aber nicht

Ein Kommentar von Philipp Martin

Am Ende hat sich Stuttgart doch am Riemen gerissen und beschlossen in diesem Sommer die Schulen nicht komplett zu ignorieren. Das Land hat angekündigt den Kommunen für die Anschaffung von Luftfiltern an den jeweils eigenen Schulen eine Summe von 60 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen. Diese sollen vorrangig in Räumen installiert werden, die nicht gelüftet werden können, sowie in erster Linie in den Klassenstufen 1 bis 6 verbaut werden, da diese Altersklasse noch keine Impfempfehlung erhalten habe, heißt es dazu in einer knackigen Mitteilungen der Landesregierung via Twitter. Dass Kinder, abgesehen von jenen mit Vorerkrankungen, generell noch keinen noch oben gereckten Daumen der STIKO gesehen haben, scheint dabei keine Rolle zu spielen.

60.000.000 Euro, das klingt zunächst viel, doch wie sagte der gute Einstein in etwa: Alles relativ, Baby. Bei ca 5000 Schulen im Land entfielen auf jede von ihnen etwa 12.000 Euro. Wenn ein Gerät zwischen 1000 und 3000 Euro kostet, wären das also zwischen 4 und 12 Luftfilter pro Schule, alle Klassenzimmer ließen sich damit also nicht ausstatten. Den üppigen Rest müssten demnach die Kommunen selbst zuschießen und diese sind nach Monaten der der Krise nicht gerade in Geld gebettet. Es dürfte also vermutlich auch Kämmerer geben die ein kippbares Oberlicht in einem Klassenzimmer, bereits als Ausschlusskriterium für die teure Anschaffung betrachten. Das Land lässt auch in seiner Argumentation niemals unerwähnt, dass jene Filter kein Allheilmittel sein und nur als ergänzende Maßnahme in Frage kämen. Überall in der öffentlichen Diskussion wurde in den vergangenen Wochen die potentielle Wirkung der Geräte möglichst klein geredet, vielleicht um nicht allzu viele Begehrlichkeiten zu wecken. Dabei hat selbst das Umweltbundesamt die Leistung von Luftfiltern und ihre Filterwirkung durchaus bestätigt.

Nun liegen also besagte 60 Millionen Euro in einem Fördertopf, aus dem sich alle Kommunen des Landes bedienen können. Ein Betrag der übrigens nicht einmal 10% der Summe ausmacht, die beispielsweise ein großer baden-württembergischer Autohersteller nur durch das staatlich subventionierte Kurzarbeitergeld eingespart hat. Milliardenschwere Dividenden für die Aktionäre gab’s natürlich trotzdem. Es wird also wieder einmal mehr als deutlich, wo die Prioritäten des Staates liegen. Kleiner Spoiler: Nicht bei unseren Kindern.

So werden also auch diese Sommerferien im Jahre 2 nach Corona kaum oder nur halbherzig genutzt, um den Kids zumindest im nächsten Schuljahr etwas mehr der so dringend benötigten Normalität und Stabilität zu ermöglichen. In den ersten beiden Schulwochen des neuen Jahres wurde bereits – sicherheitshalber erneut Maskenpflicht verordnet, völlig unabhängig von jedweden Inzidenzen. Während der mächtige Industrieverband BDI schon seit Ende Mai ein Ende der wenigen Corona-Auflagen für die Wirtschaft fordert, werden die lobbylosen Kids also weiterhin als potentielle Delta-Treiber an die ganz kurze Leine genommen. Seit Monaten schlagen Ärzte, Psychiater, unzählige Experten und zwischenzeitlich sogar die OECD Alarm, was die psychische Belastung unseres Nachwuchs angeht.. ein Alarm der offenbar im Getöse anderweitiger Prioritäten ungehört verhallt.

Aber man muss es auch positiv sehen: Zwar erhalten unsere Kinder weniger Unterstützung, z.B. in Form von teuren Luftfiltern, dafür aber eine eindrückliche Lektion in Sachen sozialer Marktwirtschaft.

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