Die Wiederentdeckung der 23

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Verschollen und in Vergessenheit geraten – der 23. Karlsruher Fächer strahlt wieder

Eine junge Stadt mit großer Idee

Karlsruhe, unsere liebe Hauptstadt, unsere badische Metropole. In vielerlei Hinsicht wohl das größte und schönste, was wir Badener vorzuweisen haben – aber sicher nicht das älteste. Karlsruhe ist geradezu lächerlich jung, wenn man die weit über 1.200 Jahre alte Geschichte vieler anderer Städte betrachtet. Im Kraichgau feierten zuletzt zahlreiche Kommunen ihre 1.250-Jahr-Feiern.

Karlsruhe hingegen ist nur etwas mehr als 300 Jahre alt – eine Stadt, die mehr oder minder auf dem Reißbrett entstand. Entworfen und erdacht wurde sie 1715 von Markgraf Karl III. Wilhelm von Baden-Durlach. Der Legende nach soll er bei einem Nickerchen im Hardtwald die Idee einer fächerförmigen Stadt gehabt haben – eine Vision, die ihn so sehr beeindruckte, dass er sie in die Tat umsetzte.

Der Markgraf im Mittelpunkt

Wie das bei Herrschern und ihren Machtambitionen oft der Fall ist, platzierte er sich selbst im Zentrum des Geschehens. So sahen die Pläne ein neues Schloss im Mittelpunkt der ebenso neuen Stadt vor, von dem aus sich dieses kleine Reich strahlenförmig in alle Richtungen erstrecken sollte. Gesagt, getan: Karlsruhe wuchs genau dieser Vision folgend zu einem städtebaulichen Meisterwerk des Barock heran – der Herrscher in der Mitte, Ästhetik und Ordnung von ihm ausgehend in alle Richtungen. Elegant, konsequent und – nebenbei bemerkt – ein Vorbild für andere Städte in der Welt, darunter auch die amerikanische Hauptstadt Washington D.C.

Diese Strahlen, vom Schloss ausgehend und fächerförmig angelegt, umfassten insgesamt 32 Straßen und Alleen. Viele kennt man von Besuchen in Karlsruhe, insbesondere den markanten Mittelstrahl, der vom Schloss über die Pyramide am Marktplatz bis zum Ettlinger Tor reicht. Doch längst nicht alle Strahlen sind so klar erkennbar – einige verschwanden im Laufe der Jahrhunderte fast vollständig.

Die mysteriöse Nummer 23

Ausgerechnet die symbolträchtige Nummer 23 war in Vergessenheit geraten, bis der Karlsruher Manfred Bögle vom Verein Wirkstatt e.V., passionierter Spurensucher und Kenner der Stadtgeschichte, den Strahl wiederentdeckte. Der Fächerstrahl 23 verläuft vom Schloss aus Richtung Südosten, direkt nach Durlach. Seine Ausgestaltung als Weg beziehungsweise Allee ging jedoch über die Jahre verloren, bis schließlich nichts mehr an den einstigen markgräflichen Strahl erinnerte – bis jetzt.

Gemeinsam mit Freunden machte sich Bögle auf die Suche und fand tatsächlich hinter einem Zaun alte Sandsteinpfosten, die einst als Portal zum Strahl 23 in Richtung Durlach dienten. Nun wurde dieses Denkmal Karlsruher Stadtgeschichte wieder sichtbar und zugänglich gemacht. Seit Kurzem kann das einzige Portal in der Nähe des Schlosses wieder in Augenschein genommen werden – das Dickicht wurde entfernt, und eine Holzstele erzählt heute die Geschichte der verschollenen Nummer 23.

2 Kommentare zu „Die Wiederentdeckung der 23“

  1. Potzblitz!

    Da hat jemand erhebliche Nachforschung reingesteckt! War der Lehrstuhl für Geodäsie des KIT hoffentlich auch bemüht worden, um aus einer Karte die Position des 23. Strahls ausfindig zu machen? Man sollte annehmen, die erhabenen Baumeister damals im Barock seien in der Lage gewesen, Land zu vermessen. Und einen Kreis in 32 Teile zu schneiden.

    Potzblitz!

    Wenn man nun eine Karte hernimmt, einen Kreis entlang der Schlossgartenmauer zieht, den ersten Strahl fixiert und die weiteren 31 mit einem Zirkel entsprechende Einstellung auf diesen Kreis setzt und bis 23 zählt, ei der daus, man kommt an der Stelle heraus, wo der „Verlorene Strahl“ mal war.

    Verrückt!

    Die Schlossgartenmauer weist an dieser Stelle eine Anomalie auf! Auf los, die Stadt muss unbedingt dort eine Gedenktafel hinstellen. Für den verlorenen Sohn äh Strahl.

    Sorry, die Forschungshöhe erschließt sich mir nicht. Bin auch ledeir nur Informatiker und kein Geodät.

  2. Mag schon sein, dass die Entdeckung jetzt nicht gerade mit der Ausgrabung Trojas gleichzusetzen ist, dennoch ist es schön dass sich hier jemand eingebracht und engagiert hat, das hätte man auch ohne herablassende Polemik würdigen können.

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