Die Stunde der Vampire

|

So viel, wie schon lange nicht mehr. Wenn die Sonne sinkt, beginnt die Zeit der Stechmücken

Eine Glosse von Philipp Martin

Ach ja, Schnaken und ich – eine lebenslange Hassliebe. Ich nenne die Biester im Folgenden weiterhin Schnaken, auch wenn ich natürlich weiß, dass es formal keine sind. Wie alle Menschen, in deren Adern Blut der Gruppe 0 zirkuliert, gehöre ich auch zu den bevorzugten Opfern der kleinen Widerlinge. Wenn ich irgendwo auftauche, müssen sich meine Mitmenschen keine großen Sorgen mehr machen, ich ziehe die gesamte geflügelte Brut auf mich.

Was in den letzten Wochen abgeht, ist allerdings auch für hiesige Verhältnisse heftig. Im Moment des Sonnenuntergangs, ist man draußen nicht mehr sicher. Dann erheben sie sich aus Tümpeln, Regenfässern, Pflanzendickicht und von den diversen Ufern unserer Seen, Flüsse und Bäche. Schnaken sind in diesem Sommer eine Plage wie schon lange nicht mehr. Während normalerweise eigentlich in erster Linie die Rheinanlieger davon betroffen sind, spürt man die Auswirkungen des Schnaken-freundlichen warm-feuchten Klimas in diesem Jahr auch tief im Hinterland. Ich wohne nicht einmal in der Nähe eines Gewässers und doch bin ich nach Einbruch der Dunkelheit Frischfleisch und Freiwild in einem.

Unsere stärkste Waffe im Kampf gegen die Biester, sind die Jungs und Mädels von der KABS, der kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage. Während es laut deren Angaben im Juli durch die Hochwassersituation zu Problemen bei der Schnakenbekämpfung kam, soll sich zwischenzeitlich die Situation aber wieder normalisiert haben. Das Problem: Davon merke ich absolut überhaupt nichts. Meine abendlichen Ausflüge an meinen Lieblingsbaggersee in Huttenheim, habe ich in diesem Sommer komplett gestrichen, nach Feierabend war dort kein Schwimmzug ohne Attacken aus der Luft möglich.

Rückzug ist in diesem Fall tatsächlich die einzige Strategie. Zwar werben viele Hersteller mit ihren Wundermitteln gegen die Plagegeister, doch meiner Erfahrung nach wirken die zu Mondpreisen angebotenen Präparate kaum. Am ehesten hilft mir noch das Waffenöl, dass mir schon mein Großvater als kleiner Junge auf die Haut aufgerieben hat. Der ganze Kram aus dem Drogeriemarkt hingegen, entfaltet bei mir keinerlei Wirkung.

Besonders tut es mir um die vielen, potentiell wunderbaren Sommerabende leid, die ich in dieser Saison draußen verpasst habe. Gerade im Frühling ist unsere neue Pergola fertig geworden, die Abende die ich dort verbracht habe, kann ich in diesem Jahr an einer Hand abzählen.

Ach ja, auch das ist mir aufgefallen. Während es in diesem Jahr abartig viele Schnaken gibt, glänzen die normalerweise nervenden Wespen mit Abwesenheit. Während die ersten gute Brutbedingungen hatten, sieht es für die letztgenannten eher schlecht aus. Ein Teufelskreis, denn Wespen verdrücken für ihr Leben gerne Schnakenlarven.

Bleibt zu hoffen, dass mit dem ersten Frost diese Horror-Story endlich enden kann.

Stimmt etwas nicht? Haben wir einen Fehler gemacht oder etwas vergessen? Sagen sie's uns! Hier finden Sie alle Kontaktmöglichkeiten mit unserer Redaktion.Ihr Feedback zählt!

Vorheriger Beitrag

Verschärfte Corona-Regeln für Ungeimpfte ab Donnerstag

Events im Herbst – Soll ich’s wirklich machen oder lass ich’s lieber sein?

Nächster Beitrag