Wem der idyllische Neckarsteig nicht genügend Aufregung bietet, für den hält die Margaretenschlucht ein steiles Abenteuer und garantierten Muskelkater bereit.
Nur einen Steinwurf vom Kraichgau entfernt findet sich im odenwäldischen Neckartal die kleine Stadt Neckargerach. Idyllisch schmiegt sich der Ort an den still dahinfließenden Neckar, der hier im Halbrund eine kleine Schleife beschreibt. An seinem Ufer steigt jenseits der Besiedlung das Gelände steil an, bietet vom flankierenden Neckarsteig aus eine gigantische Aussicht über das Flusstal.



Wer mal etwas mehr Zeit übrighat, dem empfehlen wir übrigens die 128 km dieses schönen Wanderweges, der sich von Heidelberg bis nach Bad Wimpfen immer am Fluss entlangzieht. Und nur für den Fall, dass Sie mal so wirklich gar nichts in absehbarer Zeit vorhaben … Hier in Neckargerach können Sie sich auch auf den Neckartal-Radweg begeben, der schlappe 410 Kilometer vom Neckarursprung in Villingen-Schwenningen bis nach Mannheim führt. Etwas bekömmlicher ist da noch der 225 Kilometer lange Drei-Länder-Radweg zwischen Hessen, Baden-Württemberg und Bayern – auch dieser schneidet das Stadtgebiet.
Steiler als erlaubt
Falls aber nur Zeit für einen Tagesausflug sein sollte, dann möchten wir Ihnen die „steile Margarete“ vorstellen. Eine beeindruckende Schlucht, die sich über mehrere hundert Meter vom Neckarsteig bei Neckargerach aus quasi senkrecht in den Himmel schraubt. Sie können übrigens wählen, ob Sie die Schlucht von oben besteigen wollen oder von unten. Wir empfehlen definitiv von unten – das erlaubt etwas mehr Kontrolle beim Klettern, und glauben Sie uns: Sie müssen klettern, um dieses Mädchen zu bezwingen.

Entstanden ist die lang gezogene Schlucht über Jahrtausende hinweg, während sich das Wasser des Flursbachs durch den sogenannten Gickelberg gegraben hat. Überall entlang der Schlucht sehen wir die vielen verschiedenen Schichten des Buntsandsteins und die tiefe Schneise, die das Wasser geduldig und ausdauernd geschlagen hat. Über 100 m fällt das Wasser in der Schlucht – verteilt über 85 kleine Wasserfälle – Richtung Tal. Jeden einzelnen davon können Sie bei Ihrem Abstieg oder Aufstieg bewundern, teilweise das Wasserbett queren und auf Tuchfühlung mit dieser Naturschönheit gehen.
Keine Tour für Schönwetterspazierer
„Wandern“ trifft es aber über manche Streckenabschnitte schon nicht mehr wirklich – Sie müssen teilweise richtig klettern. Zwar ist die Strecke gut erschlossen, die meiste Zeit über ist ein Führungsseil in die Felswand eingelassen, trotzdem bleibt Ihnen manchmal kaum etwas anderes übrig, als Ihr komplettes Körpergewicht über Höhenunterschiede von über einem Meter nach oben zu ziehen. Deshalb ist die Tour nach unserem Dafürhalten wirklich nur für Menschen geeignet, die im Bergwandern einschlägige Erfahrungen gesammelt haben. Dies ist definitiv kein Ausflug für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen, Senioren, kleine Kinder oder gar Kinderwagen. Entsprechende Hinweise finden sich auch am Einstieg zur Schlucht, die – genau wie wir – völlig unzweideutig Tacheles reden.
Muskelkater inklusive, Aussicht garantiert
Wer aber über genügend Muskelschmalz und Körperkoordination verfügt, der wird mit einem wirklich tollen Aufstieg belohnt. Wie viel Wasser die Margaretenschlucht gerade führt, hängt ganz von der Witterung und der Jahreszeit ab. Bei unserer Wanderung Mitte Juni führte der Bach nicht mehr als ein kleines Rinnsal.

Sollten Sie sich für die Variante von unten nach oben entscheiden, dann werden Sie am Ende mit dem wahrscheinlich schönsten Grillplatz in Sachen Weitsicht und Aussicht belohnt. Von hier oben können Sie den Blick weit schweifen lassen – über die Neckarschleife, Neckargerach, die große Schleuse am Fluss und weiter bis zum Horizont. Insgesamt ein wunderschönes Erlebnis, das sich in jedem Fall lohnt. Falls Sie merken sollten, dass der Aufstieg oder der Abstieg zu strapaziös für Sie ist, dann können Sie immer noch mehr oder minder in der Horizontalen ein ganzes Stück den Neckarsteig entlangwandern. Allein das ist ein Erlebnis, das wir sehr ans Herz legen möchten.

Vor vielen Jahren war ich auf dem Neckarradweg unterwegs. Begonnen haben wir an der Quelle und sind dann entlang bis Heilbronn geradelt. Und über das Zabergäu zurück nach Sulzfeld.
Danke für den Ausflugstipp. Die Bilder machen Lust auf mehr.
Kenne ich gar nicht. Aber ein toller Tipp. ❤️lichen Dank