“Die sitzen am Ende nur noch da und weinen…”

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Während unsere Kliniken in der vierten Welle volllaufen, verbrennt das überforderte und dezimierte Personal langsam aber sicher

Die Krise, die unser Gesundheitswesen dieser Tage durchlebt, ist keine technische, sondern eine menschliche Krise. Immer mehr covid-19 Patienten laufen in den Notaufnahmen der Krankenhäuser auf, nicht wenige müssen intensivmedizinisch behandelt, teilweise auch künstlich beatmet werden. Innerhalb von nur zwei Wochen ist die Zahl der Menschen , die wegen Corona auf Intensivstation verlegt werden mussten, von 1000 auf über 3000 angestiegen. Man muss keinen Mathematiker sein um zu verstehen, in welche Richtung der Zug unterwegs ist. In den Kliniken stehen für Sie zwar teilweise Intensivbetten zur Verfügung, jedoch fehlt es oft am notwendigen Personal, um diese Betten auch betreiben und betreuen zu können. 20 bis 30 Prozent dieser essentiell notwendigen Belegschaft haben unsere, regionalen Krankenhäuser in den vergangenen Monaten eingebüßt, berichtet Alexander Tsongas von der Regionalen Kliniken Holding RKH, die auch die beiden Kliniken im Kraichgau, die Fürst-Stirum-Klinik und die Rechbergklinik betreibt. Die Gründe dafür sind vielfältig, der wichtigste aber sicher: Diese Menschen können nicht mehr, sind am Ende ihrer Kräfte. “Die sind permanent unter Vollstrom” erzählt Alexander Tsongas und berichtet von Schwestern und Pflegern die wochenlang um das Leben teilweise junger Patienten kämpfen und am Ende doch mit zusehen müssen, wie alle Anstrengungen vergebens sind.

Dass die Situation derart aus dem Ruder laufen konnte, dafür gibt es viele Gründe. Politik und Gesundheitswesen haben es versäumt die Arbeitsbedingungen und die Attraktivität der Pflegeberufe ausreichend zu verbessern und auch die Gesellschaft scheint diese Menschen, die im Verborgenen hinter den Mauern der Krankenhäuser tagtäglich ackern, komplett vergessen zu haben. Gab es am Anfang noch Applaus von den Balkonen in der ganzen Republik, rücken diese Menschen erst wieder ins Bewusstsein, wenn man sie im Zuge eines medizinischen Notfalls plötzlich selbst braucht.

Wie es in den Krankenhäusern in der Region aktuell zugeht, unter welchen Bedingungen das Personal dort arbeitet und welche Schlüsse daraus besser gestern als heute zu ziehen sind, darüber haben wir mit Alexander Tsongas per Videoschalte gesprochen. Das ganze Gespräch können Sie hier abrufen. Die Fragen stellt Stephan Gilliar.

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