Die rassistischen Antisemiturienten zu Eppingen

Die rassistischen Antisemiturienten zu Eppingen
Die rassistischen Antisemiturienten zu Eppingen

Wie in Eppingen ein ganzer Abi-Jahrgang am Pranger steht

Ein Kommentar von Thomas Gerstner

Und schon wieder hat die Wucht der heiligen, moralischen Inquisition die Fachwerkstadt Eppingen getroffen. Ein Aufschrei der Empörung hallt durch die Straßen und Gassen und dem Gott der allmächtigen Übertreibungen wird ein Opfer nach dem anderen dargeboten.

Dieses Mal steht ein ganzer Abi-Jahrgang am Gymnasium Eppingen am Pranger. Wenn man sich der allgemeinen Stimmungslage hingibt, könnte man meinen die Schule hätte da kürzlich ein ganzes Rudel an Rassisten und Antisemiten ausgespuckt.

Hört man dann etwas genauer hin, erfährt man das offenbar zwei Schüler irgendwo in der Kommentarspalte der Abi-Zeitung kurze schriftliche Äußerungen hinterlassen haben, die offenbar rassistisch bzw. antisemitisch einzustufen sind. Was genau die beiden von sich gegeben haben, bleibt allerdings für die Öffentlichkeit im Dunkeln. Für die Print-Presse kein Grund nicht trotzdem scharf mit den Beiden ins Gericht zu gehen. Wenn Sie mich fragen, etwas wenig Fleisch für ein so großes Barbecue. Wenn man in der Öffentlichkeit über diesen Vorfall diskutiert, dann bitte auch unter Offenlegung der angeprangerten Zitate. Oder können Sie sich einen Gerichtsprozess vorstellen bei dem der Richter zum Besten gibt, dass man nun einen schlimmen Fall verhandle, aber leider nicht darauf eingehen könne, welches Verbrechen diesem zugrunde liegt.

Da es erstmal keinen Grund gibt am Urteilsvermögen der Schulleitung zu zweifeln, bleibt aber dennoch die Frage der Relation. Wieso muss in Eppingen jedes kleine Feuer mit einem gigantischen Napalm-Teppich gelöscht werden? Im Falle des Eppinger Nachtumzuges (Hexenkessel-Vorfall) wurde jeder einzelne Fastnachter im ganzen Land in Sippenhaft genommen, weil ein paar Idioten sich daneben verhalten haben. In diesem Fall haftet ein kompletter Abi-Jahrgang für den geistigen Dünnschiss zweier Mitschüler.

Es ist nachvollziehbar, dass die beanstandete Ausgabe der Zeitung überarbeitet wird. Das aber dieses überarbeitete Konstrukt an der Schule nicht mehr verkauft werden darf und – noch viel fataler – die Abifeier mit einer moralischen Einlage und dem erhobenen Zeigefinger “gepimpt” wird, das muss dann doch wirklich nicht sein. In aller erster Linie dient die Feier den unter Schweiß und Tränen errungenen Abschluss zu feiern und markiert das Ende der 13-jährigen, absolvierten Schulzeit.

99 % der Abiturienten in Eppingen haben in diesem Jahr keine rassistischen und antisemitischen Kommentare in der Zeitung hinterlassen und doch stehen sie nach dem Motto “Mitgehangen Mitgefangen” nun am Pranger. Da kann die Schule noch so oft betonen, dass die meisten Absolventen nichts mit dem Vorfall zu tun hätten – durch diese öffentliche Inszenierung bleibt den Schülern der dreckstarrende Makel für lange Zeit anhaften.

Verstehen Sie mich hier übrigens bitte nicht falsch (der obligatorische Disclaimer)… Rassismus und Antisemitismus sollten weder salonfähig, noch gefördert werden. In einer Stadt in der die AFD mit 18% bei den Bundestagswahlen das drittbeste (bei den Zweitstimmen sogar zweitbeste) Ergebnis eingefahren hat, darf allerdings mit einiger Sicherheit davon ausgegangen werden, dass diese beiden Saatgüter nicht nur in den Köpfen zweier Abiturienten Wurzeln geschlagen haben. Suchen wir die Ursachen dafür lieber in unserer Gesellschaft – möglicherweise auch in unseren eigenen Herzen und fackeln nicht einen ganzen Acker ab, nur weil dort zwischen unzähligen gesunden, auch zwei faulige Steckrüben gewachsen sind.

Ich kann Ihnen als ehemaliger Absolvent versichern: Die allermeisten Abiturienten des Eppinger Gymnasiums tragen ihr Herz an der richtigen Stelle und sollten auf ihrem nun beginnenden Lebenslauf unsere Anerkennung und unser Wohlwollen im Rücken spüren – nicht das bohrende Drücken unserer erhobenen Zeigefinger.

Herzlichst

Euer Tommy

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