Eppingen hat einen seiner größten Individualisten verloren – der Raußmüller Frank Dähling ist gestorben.
Ein Nachruf von Stephan Gilliar
Als mich die Nachricht vor ein paar Tagen erreichte, hatte ich einen dicken Kloß im Hals. Gerade noch hatte mir Frank Dähling auf die Mailbox gesprochen. Es ging um die Vereinbarung eines gemeinsamen Termins, um über eines seiner größten Anliegen zu sprechen: die Übergabe der alten Raußmühle in neue, fähige und dafür geeignete Hände. Ein Vorgang, der für Frank nicht einfach nur technischer Natur war, kein trockener Verwaltungsakt. Die Raußmühle war sein Leben, seine Berufung, seine Mission – und der Ort auf Erden, an dem er Wurzeln geschlagen hatte.

Wer die alte Mühle einmal gesehen hat, weiß, warum Frank von diesem Ort fasziniert war. Es ist ein Fleckchen Erde, das einen augenblicklich verzaubert, das eine Atmosphäre verströmt, die gleichzeitig greifbar ist und doch vage und unausgesprochen auf die Besucher der alten Mauern wirkt. Ein Kraftort, könnte man sagen. Einer, an dem sich so vieles ereignet hat, an dem sich unzählige Lebenslinien gekreuzt haben.
Die Raußmühle bei Eppingen wurde erstmals 1334 erwähnt und erhielt ihren Namen durch eine Lautverschiebung vom ursprünglichen „Rußmühl“, benannt nach dem Müller Heinrich Ruthards. Um 1600 übernahm die Familie Raußmüller das Anwesen, die in Eppingen später eine bedeutende Rolle spielte. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Mühle mehrfach zerstört, wiederaufgebaut und zu einem wehrhaften Gut mit Schießscharten umgestaltet. 1765 erneuerten Christoph und Leopold Weigand das Hauptgebäude, betrieben die Mühle aber nicht selbst. Später wechselte der Besitz mehrfach, bis 1861 die Familie Brunner übernahm. Im 20. Jahrhundert wurde sie verpachtet, modernisiert und zeitweise auch für Schweinezucht genutzt. Ab 1958 ruhte der Mühlenbetrieb – das Anwesen verfiel zusehends.

1976 kaufte schließlich Frank Dähling die Mühle und renovierte sie mit Hingabe und großer Sorgfalt. Zu den größten Errungenschaften seiner Ära zählte die Aufnahme der Raußmühle in das Europäische Kulturerbe im Jahr 1996. In den letzten Jahren kämpfte Frank immer wieder dafür, dass die Mühle ihre alten Wasserrechte zurückerhält – um wieder das tun zu können, wozu sie einst errichtet wurde: das Mahlen von Getreide, angetrieben durch die Kraft des Wassers, das das alte Mühlrad in Bewegung setzt. Ein kompliziertes Unterfangen, denn die Behörden hatten die Wasserläufe längst umgeleitet, die Rechte neu geregelt. 1958 endete die reguläre Arbeit der Raußmühle – nach fast 700 Jahren.
Dieses von oben verordnete Schweigen wollte Frank Dähling nie akzeptieren. Mit großem Kraftaufwand und unterstützt von über 150 Mitgliedern des Fördervereins machte er sich daran, das Mühlrad zu rekonstruieren und den zähen Kampf gegen die Paragraphen aufzunehmen – um der Raußmühle das Wasser zurückzuerobern.

Wie es nun weitergeht am wilden, idyllischen Rand von Eppingen, vermag derzeit niemand zu sagen. Der alte Hausmüller ist nicht mehr. Frank Dähling starb vor wenigen Tagen im Alter von 81 Jahren. Ob jemand an seiner Stelle die Geschicke der Raußmühle weiterführen wird, steht in den Sternen. Sollte es so kommen, hätte der neue Müller riesige Fußstapfen auszufüllen. Denn Frank Dähling war ein besonderer Mensch, einer der das Leben in jedem Moment so intensiv gespürt und begangen hat, wie andere es in Jahren nicht schaffen. Ein wildes Leben, ein Leben voller Berufung und Aufgabe, voller Hingabe und Einsatz. Ganz eigen, ganz aufrecht und kompromisslos selbstbestimmt.
Danke, Frank. Danke für alles. Ich wünsche dir Frieden – wo auch immer du jetzt bist. Und ich wünsche dir das ewige Klappern deines Mühlrads, von nun an bis in alle Ewigkeit.
Wer mehr über diesen besonderen Menschen, über den Raußmüller Frank Dähling und seine bewegte Biografie erfahren möchte, der kann hier noch einmal unseren großen Artikel aus dem Jahr 2021 nachlesen.

Ich hatte vor einiger Zeit die Gelegenheit die Raußmühle zu besichtigen unter der Fphrung von Herrn Dähling Mein Fazit danach: sehr interessant und der gute Herr Dähling steckte damals voller Pläne und Ideen . Ich bin sehr gespannt wie es weiter gehen wird.
Da bin ich mal gespannt, wer das übernimmt und sich diese Arbeit antut.
Als Mitglied des Fördervereins und langjähriger Begleiter des Gesamtkunstwerkes „Raußmühle“ finde ich es von herausragender Bedeutung, das Museum und Archiv im Sinne von Frank Dähling, weiterhin lebendig zu halten und zu unterstützen.
Hermann Namislow, Richen
Ruhe in Frieden
🙏🙏🙏🙏🙏🙏
…… Dähling war ein Unikum, der/die/das Nachfolger kann sich noch so abstrampeln und wird ihn nie erreichen. Glück Auf
Frank Dähling hat im Lauf von vielen Jahren eine wertvolle Sammlung aufgebaut und ein Museum eingerichtet. Sein Lebenswerk darf nicht untergehen.
Kurt Sartorius
Schwäbisches Schnapsmuseum Bönnigheim
Arbeitskreis der ehrenamtlich geführten Museen
Schade, dass ich Herrn Dähling und seine Mühle nicht kennenlernen durfte. So ein Schatz muss unbedingt weitergeführt werden.
Zum Thema „abstrampeln“ und „wird ihn nie erreichen“,
es würde doch schon reichen, wenn es in Herrn Dählings Sinne weiter geht oder wenigstens so wie es jetzt ist, erhalten bleibt.
Ich drücke die Daumen, dass dies gelingt!
Ja und wie hält man die Raußmühle jetzt lebendig in Dählings Sinn? Er wollte doch Wasser! Wer nimmt das in Angriff? Mein allerherzlichstes Beleid an seine Familie, Verwandten und Freunde. 🕯️Herr Dähling bewahrte einen Schatz. 🕯️