Die Lust an der Zerstörung

|

Vandalismus und rohe Gewalt bringen so manche Stadtverwaltung zur Verzweiflung

Die “Alltagsmenschen” – eine Kunstinstallation der Wittener Künstlerin Christel Lechner, sind in Sinsheim äußerst beliebt. Die fröhlichen Skulpturen von ganz alltäglichen Menschen, verteilt über den Sinsheimer Stadtraum, werden gerne als Fotomotiv oder als Partner für ein schnelles “Unsi” genutzt. Da gibt es zum Beispiel Claudia, die am Karlsplatz in blauem Kleid und Gummistiefeln auf einer Parkbank sitzt oder die beiden Opas ein paar Straßen weiter mit Datschkapp und Glatze, die sich interessiert das geschäftige Treiben in der Sinsheimer Innenstadt anschauen.

Ein liebenswertes und erfrischend wenig abgehobenes Kunstprojekt, das zur Verschönerung der Stadt beiträgt möchte man meinen… doch manchen Gestalten scheint dies nicht viel zu bedeuten. Schon mehrfach haben Vandalen die Skulpturen beschädigt, sie gar mutwillig zerstört. Den Opas wurden die Füße abgetreten, der Dame die Arme abgerissen… mehr als vier solcher Vorfälle gab es alleine in den letzten beiden Jahren, immer waren die Alltagsmenschen das Ziel der sinnlosen Zerstörunsorgien. Zuletzt traf es Claudia am Karlsplatz… am Montag hatten Unbekannte sie mit Gewalt von ihrer Bank gerissen, große Teile der Skulptur dadurch zerstört. „Wir sind zutiefst erschüttert von solch grobem Vandalismus“, zeigt sich Oberbürgermeister Jörg Albrecht einmal mehr entsetzt. „Solches Verhalten zeugt von maximaler Respektlosigkeit gegenüber der Kunst, der Künstlerin, der Stadt und letztlich der gesamten Bevölkerung Sinsheims, die große Freude an den schönen Figuren hat.“

Die Alltagsmenschen sind dabei selbstverständlich nicht die einzigen Ziele blinder Zerstörungswut. Auch vor sakralen Figuren, Kreuzen und darüber hinaus allen öffentlichen Installationen und Einrichtungen, haben Vandalen bereits ihrem hässlichen Stempel aufgedrückt. Dabei scheuen Sie keinerlei Hürden, wie das jüngste Beispiel aus Heilbronn zeigt. Obwohl sie bereits schon mehrfach das Ziel von Attacken waren und deshalb auf ein schwer zugängliches Kai am Neckarkanal umgestellt wurden, haben Unbekannte die “BUGA-Duscher” ausfindig gemacht und erneut mutwillig zerstört. Gegenüber dem Südwestrundfunk vermutet Heilbronns Oberbürgermeister Harry Mergel sogar ein systematisches Vorgehen, „als hätte es eine Gruppe gezielt darauf abgesehen, von der Stadt aufgestellte Dinge gezielt zu zerstören“.

Die BUGA-Duscher vor ihrer Zerstörung

Eine schnelle Recherche in unserem eigenen Nachrichten-Archiv zeigt, wie verbreitet Vandalismus in unserer Region tatsächlich ist. Auf die Schnelle finden wir zerstörte Vereinsheime, Vandalismus im Bruchsaler Bürgerpark, Graffitis auf den historischen Fassaden von Schloss und Peterskirche, Glasscherben auf Kinderspielplätzen, abgebrannte Bänke und Grillhütten, Einbrüche in Kindergärten und Schulen.

Man kann sich nur fragen, welch traurige und zutiefst asozial agierenden Gestalten mit ihrer Zeit und ihrer Energie nichts anderes anzufangen wissen, als sie in sinnlose und brachiale Zerstörung zu investieren. Wut und Frustration mag zwar jeder einmal empfinden, diese zu Lasten der Allgemeinheit zu kanalisieren, kann aber nicht die Lösung sein.

Stimmt etwas nicht? Haben wir einen Fehler gemacht oder etwas vergessen? Sagen sie's uns! Hier finden Sie alle Kontaktmöglichkeiten mit unserer Redaktion.Ihr Feedback zählt!

Vorheriger Beitrag

Mittelalter in Philippsburg und Lichtermeer in Angelbachtal

Felix Geider übernimmt Fraktionsführung der Freien Wähler

Nächster Beitrag

1 Gedanke zu „Die Lust an der Zerstörung“

  1. Ich habe es bisher zum Glück noch nicht so mitbekommen. Ich erfreue mich jeden Tag wieder an der Kunst von Frau Lechner in Sinsheim.

Kommentare sind geschlossen.