Die letzte Zuflucht

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Im Bannwald Untergrombach darf die Natur noch ungestört schalten und walten

Wer das Waldstück “Bruchsaler Bruch” zwischen Untergrombach und der Bruchsaler Südstadt betritt, dem fällt zuerst das harmonische Durcheinander auf. Anders als in den akkurat bewirtschafteten Wäldern im Kraichgau, sieht es hier deutlich “unaufgeräumter” aus. Umgestürzte Bäume, herabgefallene Äste und dicke Wurzelballen übersäen hier den Waldboden und erzeugen den Eindruck man sei in einen regelrechten Urwald geraten. Mit diesem Eindruck liegt man auch gar nicht so falsch, denn das knapp 70 Hektar große Waldstück in Staatsbesitz wurde vor vielen Jahren als sogenannter Bannwald ausgewiesen. Bei Bannwäldern handelt es sich um Reservate, in denen keinerlei forstwirtschaftliche Eingriffe erlaubt sind und die Natur weitestgehend sich selbst überlassen bleibt – eine absolute Seltenheit in deutschen Wäldern und in Baden-Württemberg sogar mit strengen Sonderregeln ergänzt. 123 solcher Bannwälder gibt es im Südwesten die zusammen eine Fläche von knapp 8000 Hektar belegen.

Der Bannwald bei Untergrombach gehörte vom 11. bis Anfang des 19. Jahrhunderts zum Fürstbistum Speyer und fiel zum Beginn des 19. Jahrhunderts an das Großherzogtum Baden. Heute ist der Teil des baden-württembergischen Staatswaldes, das Forstamt Bruchsal ist in diesem Fall nicht zuständig. Im Wesentlichen dient der noch vergleichsweise junge Bannwald den Menschen aus Bruchsal und Untergrombach als Naherholungsgebiet und Botanikern zur Forschung. Auf einigen ausgewiesenen Wegen kann hier der “Urwald von morgen” durchwandert werden. Man trifft auf Spaziergänger, Radfahrer und Jogger die sich auf den moosigen Pfaden weitestgehend lautlos voran bewegen. Wer das erste Mal den “Bruchsaler Bruch” durchwandert, der wird unwillkürlich immer wieder stehen bleiben und den Blick über das grüne Dickicht und das herrliche Chaos aus kreuz und quer wachsenden und fallenden Bäumen schweifen lassen. Besonders oft trifft man hier im Bannwald auf Eschen, Erlen, Rotbuchen, Kiefern und Stieleichen. Überall zwischen ihren noch hoch aufragenden Kameraden, sieht man die massiven Stämme der gefallenen Bäume, die im Kreislauf des Lebens Stück für Stück schwinden. Moos überzogen und mit Pilzen gespickt, wird selbst der mächtigste Baum innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit wieder zum Nährboden für die nächste Generation junger Bäume.

Wer hier im Bannwald unterwegs sein möchte, der sollte unbedingt ein paar wichtige Regeln beachten. Durch die fehlende Pflege ist in dieser Waldart die Gefahr herabstürzender Bäume und Äste sehr viel höher als in anderen Waldstücken. Bleiben Sie daher unbedingt auf den ausgewiesenen Wegen, sammeln Sie kein Holz, Früchte oder Pflanzen ein und lassen Sie Ihren Hund an der Leine. Schließlich soll der Bannwald die Chance haben sich ungestört durch menschliche Einflüsse entwickeln zu können. Die Magie die an einem solchen Ort herrscht, wird sie aber für jegliche Einschränkungen doppelt entlohnen. Nehmen Sie sich Zeit, schlendern Sie durch das Dickicht der Bäume und lassen Sie diese einzigartige Atmosphäre auf sich wirken. Ein guter Ausgangspunkt für eine Wanderung im “Bruchsaler Bruch” ist der außerhalb der Badesaison sogar kostenfreie Parkplatz am Untergrombacher Baggersee.

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