Der Benni, der Brunnen und die Brettle

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Startschuss für das Brunnenwerk. Als Quereinsteiger in die Gastronomie will Benjamin Wittmann Brettens Wohnzimmer, den alten Marktplatz, um eine weitere gemütliche Ecke bereichern.

von Stephan Gilliar

Noch ist der alte Marktbrunnen in Bretten mit dicken Holzplanken abgedeckt, doch es ist nur eine Frage von Tagen, bis wieder das liebgewonnene Geplätscher aus den vier eisernen Ausläufen einsetzen kann. Mit dem Rücken am warmen Sandstein, das Gesicht der Frühlingssonne zugewandt, sitzt Benjamin Wittmann direkt neben dem schweigenden Brunnen – müde, aber zufrieden. Hinter ihm liegt eine sehr kurze Nacht. „Bis 3:00 Uhr in der Früh haben wir noch an den Karten gearbeitet, und um 6:00 Uhr ging’s schon wieder weiter“, erzählt er entspannt, denn viel Schlaf braucht der Glückliche offenbar nicht.

Fürs Schlafen hat er sowieso keine Zeit, denn sein neuestes Baby, das „Brunnenwerk“ in einem der rund 300 Jahre alten Fachwerkhäuser am Marktplatz, hat in den vergangenen Monaten seine ganze Aufmerksamkeit eingefordert. Gerade wenn es darum geht, ein solch altes Bauwerk zu modernisieren, gibt es reichlich zu beachten. Das fängt bei der Bausubstanz an, geht über die Eigenheiten der alten Mauern und reicht natürlich bis zu ausgiebigen Kontakten mit den Behörden. Doch manchmal läuft es besser, als man denkt, und so erhielt Benjamin vergangenen Donnerstag telefonisch die überraschende finale Freigabe und damit grünes Licht für die Eröffnung des Brunnenwerks.

Für Benjamin ein klarer Fall: keine Zeit verlieren, gleich loslegen. Nach einem kleinen Soft Opening am Wochenende hat Brettens neueste Adresse also seit Montag geöffnet. Das Brunnenwerk ist so eine Art Crossover aus Café, Bar und Bistro. Ein vollwertiges Restaurant mit riesiger Karte, das will Benjamin nicht; sein Konzept ist deutlich pointierter. „Wer so eine riesige Karte hat, bei dem kann nicht alles frisch sein, wir sind schließlich nicht in der Großstadt“, weiß Benjamin genau und fokussiert sich stattdessen auf regionale, urige Gerichte. „Ich mache badische Oma-Küche, weil ich finde, genau das fehlt. Nicht einfach ‚deutsche Küche‘, sondern badische.“

Seine Variation der badischen Küche sieht als Spezialität das sogenannte Brettle vor – und gleich vorweg: Die Namensähnlichkeit zu Bretten ist natürlich kein Zufall. Benjamin liebt Wortspiele, auch das Brunnenwerk ist letztlich eine Alliteration seines eigenen Namens. Auf ein Brettle kommt jedenfalls viel Liebe, Elemente aus der alten badischen Küche und das Ganze auf Basis eines echten Focaccia-Teigs von Steffen Leonhardt – Brettens bekanntem Bäcker und Brot-Sommelier.

Auch wenn Benjamin gerne selber kocht, für die Küche hat er eine Köchin und einen Koch eingestellt; auf ihn selbst warten noch reichlich Aufgaben. Da wäre zum einen das angeschlossene Hotel, die ganze Organisation rund um Lokal und Unterkünfte und nicht zuletzt familiäre Verpflichtungen, schließlich hat Benjamin zusammen mit seiner Frau Edvina – einer Tattoo-Künstlerin aus Bretten – eine kleine vierjährige Tochter. Wobei: Auch wenn Gastronomie reichlich Arbeit bedeutet, sie verheißt in Benjamins Fall auch mehr Zeit für das Private. In seinem bisherigen Job als Bautechniker kam die Familie chronisch zu kurz; das ändert sich durch seinen neuen Lebensabschnitt nun Gott sei Dank.

Ach ja, auch die Ursprungsfamilie ist nicht mal einen halben Steinwurf entfernt. Immerhin betreibt sein Papa Zeljko schon seit rund 18 Jahren den Kiosk am Marktplatz, praktischerweise direkt im Nachbarhaus gelegen.

Benjamin Wittmann freut sich in jedem Fall über seinen neuen Alltag, seinen neuen Lebensabschnitt. Für ihn war klar: Dieser muss in Bretten stattfinden. Hier ist er geboren, hier fühlt er sich wohl. Am Marktplatz, aber auch überall sonst, wo Bretten einfach Bretten sein kann. Schon jetzt freut er sich auf Peter und Paul – vier Tage auf Achse, so wie es sich für einen echten Breddemer gehört. Viele Jahre lang war er als Gewandeter in einer Gruppe aktiv, ab diesem Sommer wird ein eigener Stand des Brunnenwerks auf dem Marktplatz der neue Dreh- und Angelpunkt.

Dass sein Konzept funktionieren wird, das weiß Benjamin ganz bestimmt, da vertraut er auf sein Bretten-Gefühl. Auch wenn es reichlich Mitbewerber am Marktplatz gibt, sieht er hier nur ein Miteinander, kein Gegeneinander. „Ich sehe keine Konkurrenz. Ich mag das Wort einfach nicht. Ich will nicht arrogant klingen, wir verstehen uns alle eigentlich super untereinander. Wir kommen nur miteinander klar, das geht nicht gegeneinander.“

Und da kann man dem entspannten Mitvierziger mit den vielen Tätowierungen und dem kunstvoll gedrehten Schnurrbart einfach nur zustimmen. Breddemer Savoir-vivre, annerschd gehts ned!

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