Das Märchen vom Mundraub

|

Stehlen ist Stehlen ist Stehlen

Ach, was für eine herrliche Zeit. Ein Spaziergang durch den spätsommerlichen Kraichgau kommt einem Ausflug ins Schlaraffenland gleich. Überall wachsen die leckersten Früchte und laden zu einer wahren Schlemmerorgie ein. Hier einen Apfel, da ein paar Zwetschgen und danach noch eine Rebe Weintrauben – Herrlich. Aber hey, warum bringen wir nicht der Oma noch etwas mit oder packen noch etwas zum Marmelade-Kochen ein? Ein zwei Eimer, wen juckt das schon? Bald ist ja auch wieder Nuss-Zeit… Dann laden wir so viele von den herrlichen Schalenfrüchten in den Fahrradkorb wie wir nur tragen können. Ob wir damit ein Problem haben??? Quatsch! Die Natur ist für alle da – es ist ja auch kein Zaun drum … und überhaupt: Ist ja nur Mundraub. Alles was wir uns in den Mund stopfen können, ist glasklar legal. Punkt!

Kommt Ihnen diese Argumentation bekannt vor? Tatsächlich hält sich bei vielen Menschen hartnäckig das Gerücht, der Diebstahl von Obst und Gemüse rangiere unter dem Oberbegriff Mundraub und wäre damit absolut unbedenklich und rechtlich einwandfrei. Tatsache ist aber vielmehr: Den justiziablen Begriff des Mundraubes gibt es seit 1975 bereits nicht mehr und auch damals war der Tatbestand keineswegs straffrei. Fakt ist vielmehr: Auch das Pflücken eines einzelnen Apfels oder eine Zwetschge von einem offenkundig nicht verwilderten Baum ist ein vollwertiger Diebstahl. Ob sie im Supermarkt eine Packung Zigaretten einstecken oder sich einen Eimer mit Weintrauben füllen – beides zählt zu den sogenannten Vergehen. Merke: Ladendiebstahl oder Obstklau sind gleichwertige Delikte!

Wer sich nicht nur vom spontanen Appetit leiten lässt, muss zwangsläufig auch einsehen dass Obstklau zurecht streng verboten ist. Stellen Sie sich doch einfach einmal vor, sie würden das ganze Jahr auf ihrem Gartenstück oder ihrem Weinberg ackern. Sie mulchen, entlauben, sähen, pflügen und pflegen über Monate hinweg mit viel Liebe Kraft und Zeitaufwand den Boden – hegen und pflegen die Pflanzen und kümmern sich um deren Gedeihen. Wenn es dann endlich soweit ist, die buchstäblichen Früchte ihrer Arbeit zu ernten, kommt irgendein hirnloser Zeitgenosse und bedient sich einfach vor Ihnen an ihrem Hab und Gut. Kein schöner Gedanke, oder? Sprechen Sie doch einfach den Obstbauern oder den Winzer ihres Vertrauens an und fragen Sie ob Sie eine kleine Menge kaufen können? Oder pflanzen Sie einfach selbst ihr Lieblingsobst an! Obst aus eigener Hände Arbeit mach schließlich bärenstark – der Dieb hingegen hat das Herz eines Hasen.

Interessanter Link mit einer interaktiven Karte wilder Obstbäume –> mundraub.org
Vorheriger Beitrag

Der Herbst ist da

B294 Pforzheim-Bretten: Aufhebung der Vollsperrung und Beginn des letzten Teilabschnitts ab Montag

Nächster Beitrag